Kommentare & Expertenmeinungen | Investmentfonds
28.04.2011

Die Dividendenstars des Jahres

Die Krise ist vorbei, auch bei den Ausschüttungen börsenotierter Unternehmen. Mehr noch: Während das Rekord-Niveau von 2007 bei den Gewinnnen erst 2012/13 erreicht werden wird, könnte es beim Dividendenvolumen schon dieses Jahr soweit sein. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Dividendenfonds finden Sie in der kommenden Print-Ausgabe von FONDS exklusiv. Lesen Sie hier schon mal einen Auszug.

von Wolfgang Regner

Dividenden sind nicht zu verachten. Studien haben ergeben, dass sie über mehrere Jahrzehnte rund 40 Prozent der Wertentwicklung bekannter Aktienindizes ausmachen. Die anderen 60 Prozent sind Kurssteigerungen. Nachgewiesen ist auch, dass Unternehmen mit hohen Dividenden auch im Kurs stärker zulegen als der Marktdurchschnitt. Dividendenstrategien sind zwar nichts Neues, aber es gibt Phasen im Konjunkturzyklus, da laufen dividendenbasierte Anlagestrategien besser als sonst - und eine derartige Phase dürfte vor der Tür stehen.  
 
Wie findet man nun die attraktivsten Dividendentitel? Als Vorbild kann die Dogs of the Dow-Strategie dienen. Gemäß dieser Auswahlmethode sollen nicht die Aktien mit der schlechtesten Kursentwicklung gekauft werden, sondern jene mit einer hohen Dividendenrendite. Dennoch hat sich die Bezeichnung Dogs of the Dow im US-amerikanischen Börsenjargon als Bezeichnung für die dividendenstärksten Aktien innerhalb des Dow Jones Index etabliert. In Anlehnung an den amerikanischen Ausdruck werden die dividendenstärksten Aktien innerhalb des DAX zum Teil als Dogs of the DAX und die dividendenstärksten Aktien innerhalb des Euro Stoxx 50 als Dogs of the Euro Stoxx 50 bezeichnet.
Die Strategie geht so: Am ersten Börsentag eines Jahres (Stichtag), kauft der Anleger aus den in einem Index enthaltenen Aktien (beim Dow Jones und beim DAX sind dies jeweils 30, beim Euro Stoxx 50 50 Aktien) jene 10 Aktien, welche die höchste Dividendenrendite aufweisen. Die gekauften Aktien werden ein Jahr bis zum nächsten Stichtag gehalten, ohne dass der Anleger in irgendeiner Weise auf das Börsengeschehen reagiert. Am nächsten Stichtag wird der Bestand umgeschichtet. Alle Aktien, die nicht mehr zu den 10 mit der höchsten Dividendenrendite gehören, werden verkauft. Mit dem Verkaufserlös werden diejenigen Aktien gekauft, die neu in die Gruppe der 10 dividendenstärksten Aktien aufgestiegen sind. Die Umschichtung wird jedes Jahr zum Stichtag wiederholt.
Langfristig konnten in der Vergangenheit mit der Strategie meist bessere Ergebnisse erzielt werden als mit einer Anlage, die den jeweiligen Gesamtmarkt oder Index komplett abbildete. Betrachtet man längere Anlagehorizonte (z.B. 20 Jahre), kann für fast alle Zeiträume und zugrunde liegende Indizes eine Outperformance der Strategie gegenüber dem Index nachgewiesen werden.  
 
Heuer höhrere Dividendenzahlungen erwartet  
 
Analysten erwarten in diesem Jahr höhere Dividendenzahlungen, fast schon auf dem Niveau vor der Finanzkrise im Jahr 2007. Auffällig auch, dass die Banken und Versorger, also jene Branchen, die vor der Finanzkrise mit hohen Dividendenrenditen glänzten, dann aber - vor allem die Banken - brutal abstürzten, nun langsam aber sicher einen Boden gefunden haben und zuletzt sogar mit großer relativer Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt auftrumpfen konnten. Auch ein Blick auf den Gesamtmarkt zeigt Erfreuliches: So werden etwa die 30 DAX-Konzerne dieses Jahr gut 25 Milliarden Euro Dividende an ihre Aktionäre überweisen, gut 30 Prozent als im Vorjahr. Damit nähern sich die Unternehmen sogar dem Höhepunkt der Boomzeit, als 27,5 Milliarden Euro ausgeschüttet wurden.  
 
Zahlreiche Dividendenfonds  
 
Wem die Beobachtung und Auseinandersetzung mit dem Thema in Eigenregie zu kompliziert ist, der kann unter zahlreichen Aktienfonds und Exchange Traded Funds (ETFs) auswählen. Die Deutsche Börse hat 2005 einen eigenen Index geschaffen, den DivDAX, der nur die 15 dividendenstärksten DAX-Werte enthält. Darüber hinaus existieren auch Anlagezertifikate, die auf der Aktienauswahl nach der Höhe der Dividendenrendite beruhen.  
 
Thomas Schüßler, Fondsmanager des DWS Top Dividende: "Grundsätzlich sollten sich Dividendenfonds aufgrund ihres defensiven Charakters mit einer hohen Gewichtung in Telekoms, Versorgern und Pharma gerade in schwankungsintensiven Phasen wie einem Abschwung oder einer Rezession besser entwickeln als der Markt. In einem starken Aufschwung dagegen ist eine Underperformance zu erwarten. Über mehrere Zyklen hinweg darf man sich leicht höhere Renditen als der jeweilige Marktdurchschnitt erhoffen."
Auch Berndt Maisch, Fondsmanager des LBBW Dividendenstrategie Euro, blickt zuversichtlich in die Zukunft. "Für den Euro-Raum gehe ich davon aus, dass die Aktienmärkte in diesem Jahr um rund zehn Prozent zulegen werden. Für Dividenden-Titel sollte in diesem Jahr jedoch mehr drin sein. Sie dürften nur dann schlechter abschneiden, wenn die Zinsen im Laufe dieses Jahres plötzlich stark steigen sollten. Dividenden-Aktien sind umso attraktiver, je niedriger das Zinsniveau ist. Für Euroland sind stark steigende Zinsen jedoch eher unwahrscheinlich, weil das Wirtschaftswachstum in den 'Euro-Problemstaaten' weiterhin mau ist. Auch die Gefahr einer anhaltend hohen Inflation scheint derzeit selbst angesichts der hohen Rohstoffpreise nicht gegeben. Die Konzerne können die steigenden Preise wegen des schwachen privaten Konsums nicht komplett an die Verbraucher weiterreichen. Ab einem kurzfristigen Zinsniveau von vier Prozent jedoch steigt das Risiko stark an, dass die Dividenden-Titel möglicherweise schlechter abschneiden als der klassische Aktienmarkt."