Internet 2.0 - Der neue Hype?
Nicht nur börsenotierte Technologieunternehmen wie Apple und Google haben im letzten Jahr so mächtig zugelegt, dass wieder häufiger die Frage gestellt wird, ob sich innerhalb der Tech-Branche neuerlich eine Blase bildet. Vor allem eine Reihe nicht börsenotierter Firmen gelang es in den letzten Monaten, den bereits riesenhaften Vorbildern die Show zu stehlen.

Eines haben all diese "Klitschen" gemeinsam: Sie wollen mit einem neuen Geschäftsmodell von und im Umfeld sozialer Netzwerke ihre Kunden einfangen und so finanziell profitieren. Doch weit gefehlt: Von "neu" ist keine Rede: Alle zielen auf den Internet-Werbemarkt ab, der - das zeigen Marktstudien ganz klar -, mit zweistelligen Jahresraten wächst.
Es könnte jedoch so weit kommen, dass zu viele "Internet 2.0er" ein derartiges Geschäftsmodell verpassen, was sich zweifellos negativ auf die Gewinnspannen auswirken würde. Google oder Apple könnten in so einem Fall weiterhin profitabel bleiben, ja, gut von einem Wachstum leben, selbst wenn sich die Zuwachsraten verlangsamen. Bei den mittlerweile multimilliardenschweren erwähnten "Klitschen", deren Wert auch zum Teil mittels "Voodoo-Economics"- Methoden abgeleitet wird, ist das keineswegs so sicher.
Apple: Der (bisher unangetastete) King
Beginnen wir für eine Art Vergleichsstudie (peer-group-Analyse) vorerst mit den beiden Börsenriesen Apple und Google. Beide haben es geschafft, sich ständig neu zu erfinden. Kaum Monate vergehen zwischen der Ankündigung und der Marktlancierung neuer Produkte, welche das Gesamtwachstum weiter vorantreiben sollen, selbst wenn das ehemalige Kerngeschäft in die Jahre kommen sollte. So brachte Apple nach dem iBook schon bereits das iPhone Nr. 4 heraus, das kleiner und preisgünstiger sein und das Android-Betriebssystem von Google und Konsorten angreifen soll. Der neue iPad scharrt auch schon in den Startlöchern und zudem hat Apple ein neues Internet-Musik-Bezahlsystem entwickelt, das den Apfelmännern ermöglicht, an jedem Umsatz über die eigene Plattform mit 30 Prozent mitzuschneiden. All diese erfolgreichen Produkte haben dazu beigetragen, dass die Gewinne von Apple in den vergangenen fünf Jahren um 70 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Bei dieser Ausgangslage fallen die weiteren 24 Prozent an geschätztem Wachstum für die nächsten fünf Jahre fast schon konservativ aus.
Jedoch: Apple ist mittlerweile an der Börse mehr wert als Microsoft, der große Konkurrent aus alten Tagen. Das sieht überzeugend aus - Apple sollte eine Wachstumsaktie bleiben können, obwohl die Bären schon darauf spekulieren, dass Apple zu einer Value-Aktie herabsinken könnte. Das dafür erforderliche starke Geschäftsmodell mit einem klaren Wettbewerbsvorteil besitzt Apple ganz ohne Zweifel.
Ist jedoch auch der aktuelle Kurs günstig? Optisch gesehen nach einem Anstieg um 200 Prozent in drei Jahren wohl nicht. Auch der Börsenwert gemessen am Umsatz, was ein Umsatzmultiple von 4,8 ergibt, deutet nicht darauf hin. Das dynamische KGV jedoch zeigt ein ganz anderes Bild: auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzungen für das kommende Jahr liegt das "normale" KGV bei 13,9. Berücksichtigt man noch das geschätzte Fünfjahreswachstum von 24 Prozent pro Jahr (im Durchschnitt) so ergibt sich ein PEG-Ratio von 0,58, was (da unter Eins) eindeutig in der Value-Zone liegt.
Allerdings: Andere Daten deuten doch darauf hin, dass Apples Wachstum bald an die Decke stoßen könnte: Schließlich hat Apple, auch dank der unter das Feuer der Kartellwächter geratenen "Apps"-Funktion, bei der Apple 30 Prozent mitschneidet, sage und schreibe mehr als die Hälfte des Gesamtgewinnes der Handybranche eingestreift.
Bewertung für Apple: Angemessen.
Empfehlung: bei Korrektur um 300 USD kaufen.
Google hinkt (noch) hinterher
Nicht ganz so überzeugend sieht die fundamentale Situation bei Google aus. Zwar ist Google bei der Internetsuche das Maß aller Dinge. In den USA laufen zwei von drei Suchanfragen über die Online-Supermacht, in Deutschland sind es sogar neun von zehn. Doch alle Versuche, abseits des Kerngeschäfts einer Suchmaschine mit angehängter Werbevermarktung profitable neue Standbeine aufzustellen, sind bisher nicht sehr geglückt. Nun versucht es Google erneut - diesmal will man die Printverlage mit dem Bezahldienst One Pass anlocken. Die Ironie dabei: Damit will Google ausgerechnet jene Verlage mit ins Boot holen, die dessen Machtfülle massiv attackieren.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Zitat des CEOs des Burda-Verlags: "Google, Facebook und Apple wollen unsere Märkte angreifen!" Immerhin: Erstmals wird ein Internet 2.0-Unternehmen als Gefahr für die eigene Marktposition identifiziert. Dazu kommt noch die massive Kritik, das Google die verlangten Werbegebühren nach undurchsichtigen Kriterien, nach denen die Suchmaschine ihre Ergebnisse auswählt, berechnet. Dem soll One Pass abhelfen. Es ist eine Art Onlinekiosk, in dem die Nutzer mit einem Klick digitale Zeitungen und Zeitschriften kaufen können - direkt im Browser und auf praktisch jedem Endgerät. Lediglich 10 Prozent Umsatzbeteiligung verlangt Google und gewährt den Verlagen uneingeschränkten Zugriff auf die Kundendaten. Dies alles, ohne dass die Verlage spezielle Applikationen für verschiedene Online-Kioske entwickeln müssen. Ein klarer Angriff auf den Rivalen Apple, dessen Bedingungen (wie zB. 30 Prozent-Umsatzbeteiligung) für vergleichbare Angebote auf Mobilgeräten wie iPhone und iPad massiven Protest der Verlage ausgelöst haben. Doch das neue Google-Produkt wird bisher nur mit der Kneifzange angefaßt. Lediglich der Axel Springer Verlag lässt Zeitschriftenvorstand Andreas Wiele mit der Hoffnung zitieren, dass One Pass rasch "zu einer vollwertigen Alternative zu bestehenden Systemen" wird.
Das Problem: Aktuell laufen gegen Google Kartellklagen in Deutschland bzw. Wettbewerbsverfahren der EU. Die Verlage werfen Google vor, ihre teuren journalistischen Inhalte im Netz zu bündeln und zu vermarkten. Sie fordern dafür eine Umsatzbeteiligung ihrerseits. Und weil Google angeblich in den Suchergebnissen eigene Inhalte bevorzugt, haben die Verlegerverbände VDZ und BDZV das Kartellamt eingeschaltet. Da könnte es ihre Rechtsposition schwächen, wenn sie auf das neue Google-Angebot zu intensiv eingehen. Ob daher die neue Initiative Googles erfolgreicher wird als die bisherigen, bleibt abzuwarten. Bisher sind die meisten Zahlungsmodelle bei Online-Zeitungen eher gefloppt. Positiv dafür die Expansion auf Nokias Kosten mit dem eigenen Smart-Phone-Betriebssystem Android - hier ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht, denn das Programm ist gratis. Google streift aber hohe Gewinne mit der Hardware ein. Last but not least verfügt Google über einen Cash-Polster von über 35 Milliarden Dollar.
Bewertung für Google: leicht überbewertet. (KUV 5,2, KGV-2011- 18,6) Empfehlung: Kaufen bei Korrektur bis 550 USD
Baidu: Suchmaschinen-Marktführer im Reich der Mitte
Die chinesische Suchmaschine Baidu wächst rasant - vor allem auf dem Heimatmarkt. Die Aktie gilt als chancenreich, ist aber teuer und mit erheblichen Risiken behaftet. Immerhin: Google wurde - auch mit Hilfe der restriktiven Internet-Politik Chinas, klar aus dem Feld geschlagen. Im vierten Quartal 2010 baute die in Peking ansässige Suchmaschine laut dem Marktforschungsinstitut Analysys International ihren Marktanteil auf 75,5 Prozent aus - ein Plus von 1,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Googles Quote im Reich der Mitte schrumpfte dagegen um zwei Prozentpunkte auf 19,6 Prozent. Seit Anfang des Jahres ist der Titel im Kurs um rund 30 Prozent gestiegen. Genau wie Google verdient Baidu sein Geld mit Onlinewerbung. Tippt ein Nutzer einen Suchbegriff ein, erscheinen neben der Trefferliste mehrere zum Suchbegriff passende Textanzeigen. Abgerechnet wird nach der Zahl der Nutzer, die auf die Textanzeige klicken und damit auf die Internetseite des Werbenden gelangen. Dass sich mit dieser Form der Werbung auch in China glänzende Geschäfte machen lassen, zeigen Baidus jüngste Geschäftszahlen. So steigerte die Firma den Umsatz im vergangenen Jahr um 78 Prozent auf umgerechnet 1,2 Milliarden Dollar (884 Mio. Euro). Der Nettogewinn schnellte um 137 Prozent auf 534 Millionen Dollar nach oben. Der Ausblick bleibt positiv: "China ist der weltweit am schnellsten wachsende Internetmarkt und Baidu hat die besten Voraussetzungen, um davon zu profitieren", sagt Tucker Grinnan. Der Analyst bei HSBC Global Research rechnet damit, dass der Marktanteil der Firma aufgrund der fehlenden Konkurrenz auf 80 Prozent steigen und Baidu 2013 dreimal so viel umsetzen und verdienen wird wie im vergangenen Jahr. Doch die fast absolute Marktdominanz birgt auch Risiken. Wer einmal ganz oben steht, für den kann es eigentlich nur mehr abwärts gehen. So könnte es zu einer Abkühlung der chinesischen Konjunktur kommen, worunter auch der Werbemarkt leiden würde. Zum anderen scheint Rivale Google an einer Rückkehr ins Reich der Mitte zu arbeiten.
Überbewertung schwer greifbar
Der größte Risikofaktor ist jedoch die hohe Bewertung der Aktie. Selbst wenn man weit in die Zukunft blickt und das für 2012 erwartete Ergebnis je Aktie (Konsensschätzung) zugrunde legt, notiert Baidu mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 36. Im Vergleich zu Google ist das teuer. Die US-Firma wird an der Börse derzeit lediglich mit dem 24-fachen des für 2012 erwarteten Gewinns bewertet. Allerdings weist Baidu eine höhere Wachstumsdynamik auf als der US-Wettbewerber, was einen Aufschlag rechtfertigen würde. Doch wie hoch darf der sein? Das haben sich auch die Analysten von Goldman Sachs gefragt. In einer Studie kommen sie zu dem Schluss, dass die Aktie auf Basis der Gewinnschätzungen für 2012 bei einem Niveau von 130 Dollar fair bewertet ist. Diese Marke hat die Aktie nach der jüngsten Rally fast schon erreicht. Kurspotenzial wäre demnach kaum mehr vorhanden, es sei denn, Baidu gelingt es, stärker zu wachsen als es der Markt derzeit erwartet.
Bewertung für Baidu: überbewertet (KUV fast 70, KGV -2011- 52) Empfehlung: Aktie derzeit meiden
Nicht börsenotierte Internetfirmen - "Internet 2.0"
Facebook: Abenteuerliche Preisquoten am Grauen Kapitalmarkt
Soziale Netzwerke gelten als das nächste große Ding - und sind daher in Teilen mit großen Erwartungen und Bewertungen beladen. Ganz vorne mit dabei unterwegs ist Facebook , das mit jedem Entwicklungsschritt als noch größer, noch teurer und noch besser gehandelt wird. Das liegt aber letztlich nur in seinem Potenzial - zumindest bisher. Weil so viele Menschen auf Facebook registriert sind, lohnt sich dort der Werbemarkt, mutmaßt man. Auch der Absatzmarkt via Facebook könnte sich lukrativ entwickeln.
Außerdem umgibt Facebook den Mythos der Revolution: Ägypten, Tunesien, Iran - waren die Aufstände nicht überall über soziale Netzwerke initiiert? Im Iran hat die Revolution freilich (noch) nicht geklappt, aber in den anderen beiden Ländern schon. Und so hat sich der Mythos vom Freiheitsbringer Facebook herausgebildet. Ob er allerdings auch ein Gewinnbringer für seine Aktionäre sein kann, das muss der Markt der sozialen Eitelkeiten erst noch beweisen. In China wird es jedenfalls schwer werden, aber listigerweise will Facebook es vom wenig regulierten Hongkong aus versuchen. Der Grund ist einfach: Außerhalb den USA hat Facebook nirgendwo so viele Nutzer wie am asiatischen Kontinent. Indonesien ist etwa die zweitstärkste Nutzergruppe - ein Grund, dort vertreten zu sein. Was also, wenn man es schafft auch in China Fuß zu fassen? Das hat sich wohl auch Marc Zuckerberg gedacht und war im Dezember in der Volksrepublik zu Gast. Nicht geschäftlich, privat. Allerdings traf er dabei die Chefs der chinesischen Online-Schwergewichte Baidu und Sina. Und die - wen wundert es - sprechen plötzlich über den Aufbau neuer Dienste: Etwa über soziale Netzwerke. Zuckerberg könnte somit ein Schlupfloch entdeckt haben: Durch die enge Kooperation mit den heimischen Unternehmen kann er für sich einen Markt erschließen, der tatsächlich Milliarden wert sein könnte: China hat 460 Millionen Internetnutzer, der Werbemarkt soll bis 2014 auf 13 Milliarden Dollar wachsen. Jedoch auch aus einem anderen Grund versucht Facebook in China Fuß zu fassen: Will Zuckerberg den bisherigen "Mythos Facebook" an die Börse bringen und dort in klingende Münze verwandeln, braucht er Asien und vor allem China. Nur mit diesen Märkten könnte das Unternehmen tatsächlich irgendwann einmal so viel wert sein, wie es aktuell gehandelt wird. Doch wann dies soweit sein könnte, bleibt vorerst unklar - alle Analysen stochern mehr oder weniger im Nebel. Interessant: Der taiwanesische Smart Phone-Hersteller HTC hat mit zwei seiner neuen Handys die Facebook-Zielgruppe im Visier. Hard- und Software soll stark in das soziale Netzwerk integriert werden - sicher nicht gratis.
Bewertung für Facebook: schwer faßbar (nach dem Goldman-Deal angeblich 50 Milliarden Dollar und mehr) Empfehlung: Börsegang (geplant für 2012) abwarten und je nach Entwicklung bis dahin über ein Engagement entscheiden.
Twitter: teuer, teurer, am teuersten
Dieser Internet-Kurznachrichtendienst wird in Gesprächen mit Kaufinteressenten offenbar mit bis zu 20 Milliarden Dollar bewertet. Unter anderem Facebook und Google hätten bei Twitter zumindest vorgefühlt, berichtete das Wall Street Journal. Wie auch bei anderen Sozial-Netzwerken verfügt Twitter über ein Kronjuwel, und das ist sein praktisch von Null an aufgebautes Usernetz, und zwar eine Art "reale Community". Derartige Netzwerke sind für Konkurrenten nur sehr schwer zu kopieren. Nur wenigen anderen Firmen ist es gelungen - wie etwa auch Facebook, den Code einer echten sozialen Erfahrung per Internet zu knacken. Und solche Firmen profitieren in klingender Münze davon, dass ihre User relativ mehr Zeit in das Service eingeloggt verbringen als anderswo. Und damit steigt auch der Wert - bislang unaufhörlich - an. Doch auch hier stoßen wir auf das traditionelle Problem: Was wird Twitter wirklich leisten können? Natürlich gibt es - gerade aus Sicht von Facebook oder Google - gute Möglichkeiten zur crossmedialen Vermarktung. Doch ist die Gefahr einer Blase beim Short-Messaging-Dienst mindestens genauso hoch wie bei Facebook selbst. Die Entwicklung muss man genau im Auge behalten. Besonders den Kosten/Nutzen-Faktor, der für eine entsprechend rasant wachsende User-Gemeinde sorgen soll. Die Bewertung mit zehn bis 20 Milliarden Dollar (man beachte die Spanne von 100 %!) bei einem Umsatz von kaum 45 Millionen Dollar ist extrem hoch, aber zumindest optisch günstiger als bei Baidu. Allerdings ist auch das Wachstum enorm: Aus dem Stand heraus kommt Twitter bereits auf über sechs Millionen User. Und 2011 soll der Umsatz auf über 100 Millionen Dollar steigen. Und Google hat Twitter in seine Suchresultate integriert.
Empfehlung: Auch hier dem grauen Markt fern bleiben und auf das IPO warten.
Groupon: Der Mega-Hype
Der Hype um Groupon ist riesig: Nach Einschätzung von Forbes ist der Rabattgutscheinanbieter das am schnellsten wachsende Unternehmen weltweit. Innerhalb von einem Jahr kletterte die Mitgliederzahl von zwei auf 50 Millionen. Die Idee, dass lokale Rabattaktionen das nächste große Ding im Internet sein könnten, kam Groupon-Gründer Andrew Mason aufgrund der - bekannten - Tatsache, dass sich kleinere Unternehmen weniger Gedanken um Internet-Marketing gemacht haben. Für sie ist es meist zu aufwändig und teuer. Deswegen sind sie hungrig auf eine effektive Marketingplattform. Das lokale Geschäft ist der einzig große weiße Fleck im Internet. Und der lokale Anzeigenmarkt ist noch gewaltig ausbaufähig. Nur müsste wie auch bei Google oder Facebook ein profitabler Link zu Groupon entstehen. Die Idee gibt es zwar schon seit den 90er Jahren. Doch niemand fand bisher ein nachhaltig erfolgreiches Geschäftsmodell. Allerdings gibt es mittlerweile viele Unternehmen, die Online-Rabattangebote anbieten. Auch Google will eine Schnäppchenplattform aufziehen. Groupon glaubt jedoch, einiges besser zu machen. Etwa beim Thema Personalisierung. So erfahren die Groupon-Leute viel über den Nutzer und wissen genau, was er haben möchte. Der Fokus auf den Kunden ist extrem wichtig. "Konzerne verlieren meistens nicht wegen der starken Konkurrenz, sondern weil sie ihren Kunden aus den Augen verlieren", meint Groupon-Gründer Mason. Jedoch was den Groupon-Umsatz anbelangt, kursieren die verschiedensten Zahlen im Internet. Manche Analysten sagen 500 Millionen Dollar, andere sagen eine Milliarde Dollar, wieder andere gehen von zwei Milliarden Dollar aus. Dazu Andrew Mason mit leicht frivolem Unterton: "Es wäre doch sehr schade, wenn schon vor einem möglichen Börsengang dieses Mysterium aufgedeckt würde." Ebenso bleibt die Stoßrichtung der Expansion Groupons - noch - ein ungelöstes Rätsel. Fast alle arrivierten Konkurrenten zieht es nach China - dort wächst der Markt mit Schnäppchenunternehmen gewaltig.
Und nur, wenn ein solcher Vorstoß einigermaßen gelingt, kann die aktuelle Bewertung, die zwischen 15 bis 20 Milliarden Dollar pendelt, möglicherweise gerechtfertigt erscheinen. Bisher konnte Groupon allerdings auch ohne China gewaltig wachsen: Seit Anfang 2010 ist die Kundenzahl von zwei auf 50 Millionen gestiegen. Allerdings plant auch in diesem Web 2.0-Segment ein "alter" Bekannter ein Konkurrenzangebot: Richtig geraten, auch Google will ein ähnliches Rabattservice im Internet aufbauen. Dieses "Offer Ads"-Tool ermöglicht Unternehmen, ihre Werbeanzeigen bzw. Rabattangebote auf von ihnen gesponserten Suchlinks zu platzieren. Fusionsgespräche soll es übrigens auch schon gegeben haben - sie wurden angeblich ergebnislos beendet, da Groupon eine Bewertung von sechs Milliarden Dollar als viel zu gering zurückgewiesen habe. Dafür gewann Groupon Private Equity Investoren um Kleiner Perkins Caulfield & Byers, die mit rund 950 Millionen Dollar bei Groupon eingestiegen sein sollen. Für welchen Anteil diese Summe bezahlt wurde, ist nicht bekannt. Eine Werbekampagne rund um die "Super Bowl" ging jedoch kräftig in die Hose, einige Spots wurden als politisch und sozial "inkorrekt" gebrandmarkt.
Bewertung: Derzeit nicht faßbar, daher Börsengang abwarten. Hinweis: Derzeit wachsen neue kopierte "Rabattcoupon-Sites"
wie Schwammerl aus dem Boden
LinkedIn: Profi-Netzwerker
Der Weltmarktführer für soziale Netzwerke plant nach der Übernahme eines Aktienpaketes am deutschen Konkurrenten Xing an die Börse zu gehen. Doch im Vergleich zu Facebooks "geleakedem" operativen Gewinn enttäuschte LinkedIn zuletzt bei dieser Kennzahl. Allerdings gab es einen kräftigen Umsatzsprung um über 70 Prozent.
Letzte aktuelle Bewertung: Zwei Milliarden Dollar (dennoch kein Schnäppchen)
Zynga: Facebook-Parasit mit Milliardenbewertung
Zynga konzentriert sich aktuell darauf, soziale Internet-Netzwerk-Spiele auf Facebook zu platzieren. Die populärsten bisher sind CityVille, FarmVille und andere. Private Equity-Investoren sollen knapp vor einer neuen Finanzierungsrunde stehen, die Zynga 500 Millionen Dollar einbringen soll. Das würde einer Gesamtbewertung von schwindelerregenden 10 Milliarden Dollar entsprechen.
Bewertung: aberwitzig. Empfehlung: Nur nicht anstreifen
