Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
22.12.2017

"Anleger wollen wissen, wie ihr Geld arbeitet"

Der britische Vermögensverwalter Schroders managt bereist einen großen Teil seines Volumen mittels Nachhaltigkeits-Kriterien (ESG). Wir haben Ulrich Heuberger, Vertriebsleiter für Deutschland und Österreich, im Kurzinterview gefragt, was die einen dazu motiviert und was andere vor solchen Strategien zurückschrecken lässt.

von Thomas Müller

Ulrich Heuberger, Vertriebsleiter Schroders

Ulrich Heuberger, Vertriebsleiter Schroders

Foto: Schroders

FONDS exklusiv: Wenn Unternehmen versuchen Löhne zu drücken oder Steuern zu vermeiden, hört man oft den Einwand, dass sie dazu gegenüber den Aktionären dazu verpflichtet seien. Schließlich müsse der Gewinn maximiert werden. Wieviel Platz haben da noch die Umwelt- und Sozialkriterien?

So wie wir bei Schroders die Marktstimmung wahrnehmen sind ESG-Kriterien für Anleger sehr wichtig. Die beschriebenen Praktiken lehnen wir ganz klar ab und würden solche Unternehmen und auch nicht in nachhaltige Fonds aufnehmen. Natürlich können wir nicht verhindern, dass Unternehmen versuchen Steuern zu sparen. Als aktiver Investor versuchen wir hier aber regulierend einzugreifen, und im Dialog mit den Unternehmen auf diese Umstände hinzuweisen. Der Erfolg ist dabei recht unterschiedlich.

FONDS exklusiv: Bei wie vielen großen Unternehmen finden Sie gehört?

Das ist schwer zu sagen und hängt unter anderem auch vom Einfluss eines Investors ab. Je größer ein Konzern und je geringer das Gewicht eines Investors, desto schwieriger ist es, Einfluss zu nehmen. Aber seit den Panama-Leaks und den Paradise-Papers ist die Sensibilität in dieser Hinsicht stark gestiegen. Unternehmen versuchen generell schlechte Presse zu vermeiden. Das Bewusstsein für Transparenz und ethisches Verhalten kommt mehr und mehr in der Gesellschaft – und so auch bei den Unternehmen – an.

FONDS exklusiv: In der Schroders-Umfrage bei den institutionellen Investoren, werden immer noch Vorbehalten gegenüber ESG-Kriterien geäußert, obwohl diese erwiesener Maßen zu einer besseren Performance beitragen können. Wäre es da nicht einfacher gleich die Performance in den Vordergrund zu stellen?

Die Performance ist ja nur eine Dimension bei der Bewertung eines Fonds, das Risiko wäre eine andere. Es gibt aber sehr wohl Anleger, die mit ihrem Geld etwas gutes tun wollen und sich dafür interessieren wo und wie ihr Geld arbeitet. Bei vielen Investoren gibt es noch Vorbehalte, da es an Verständnis und Transparenz bezüglich der Evaluierung von ESG-Faktoren fehlt. Wir begegnen dem Thema beispielsweise mit einem individuellem Reporting, das beschreibt warum ein Titel in das Portfolio gekommen ist, und welche Analyse wir dem zu Grunde legen. Wir verlassen uns in diesen Analysen auf unser eigenes Research.

 

FONDS exklusiv: Kommt die Nachfrage hier von den Pensionskassen und Versicherungen oder vom Private Banking?

Die Vorreiter waren hier Investoren in den nordischen Ländern, vor allem Pensionsfonds. Diese haben sich ganz dezidiert gegen Kohle-Investments ausgesprochen. Als Analysetool haben wir hier den „Carbon-at-Risk“ entwickelt, eine Kennzahl die die Auswirkungen von steigenden Kosten für CO2-Emissionen auf die Gewinne von Unternehmen zeigt. Bei Ausschreibungen von institutionellen Investoren bekommen wir kaum eine Anfrage in der diese Kriterien nicht ausdrücklich angeführt werden. Aber auch bei Privatkunden sehen wir großes Interesse. Das Thema Nachhaltigkeit ist aber für alle Kunden gleichermaßen interessant, wir laufen da offene Türen ein.

FONDS exklusiv: Beim erwähnten Carbon-at-Risk geht Schroders davon aus, dass die CO2-Emissionen für die Unternehmen immer teurer werden müssen, um die Klimaziele zu erreichen. Die Regierungen sind bisher aber nicht durch Übereifer bei konkreten Maßnahmen zum Klimaschutz aufgefallen.

Die Regierungen haben sich mit dem Pariser Abkommen zum Klimaschutz verpflichtet und ohne massive Reduktionen der Emissionen wird es nicht möglich sein diese Ziele zu erreichen. Darum rechnen wir damit, dass CO2-Zertifikate erheblich teurer werden. Dies wird nicht alle Branchen gleichermaßen betreffen, besonders aber die rohstoffverarbeitende Industrie oder die Bauindustrie. Hier rechnen wir mit massiven Auswirkungen. Die Folgen des Klimawandels werden immer sichtbarer und können nicht mehr ignoriert werden.