Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
23.06.2016

„Das sind für uns keine Modeschlagwörter“

Vor Kurzem hat das Regensburger Investmenthaus Lacuna sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Wir haben CEO Thomas Hartauer zu den Anfängen und langfristigen Trends befragt.

von Thomas Müller

Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG

Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG

Was hat sich seit der Gründung von Lacuna vor 20 Jahren verändert?

Thomas Hartauer: Gestartet sind wir 1996 mit der Idee einen amerikanischen Immobilienaktienfonds aufzulegen, 1997 waren die Vorarbeiten dazu abgeschlossen. Der Gründer und Eigentümer, Herr Engelhardt, hat den Fonds bis zum Jahr 2000 auch selbst gemanagt. Unsere aktuellen Investmentfonds beschäftigen sich mit dem Gesundheitssektor, da gibt es derzeit zwei Fonds. Den US REIT Fonds gibt es leider nicht mehr. Das Asset Management hat sich in dieser Zeit auch verändert, den Bereich Health Care haben wir an den externen Dienstleister Bellevue Asset Management ausgelagert. Eigenes Asset Management machen wir im Bereich erneuerbare Energien und bei der Anlage des eigenen Geldes unserer Unternehmensgruppe in Aktien, Anleihen und Investmentfonds. Den ureigenen Bereich der Lacuna, Marketing und Vertrieb gibt es nach wie vor.

Denken Sie, es wäre unter den heutigen Bedingungen genauso möglich eine Investmentfirma zu gründen?

T. H.: Das wäre heute deutlich schwieriger, weil es das Aufsichtsrecht 1996 noch nicht in der heutigen Form gab. Die Rahmenbedingungen einen Asset Manager aufzusetzen waren damals wesentlich einfacher und überschaubarer. Die Anforderungen sind durch die Ereignisse am Kapitalmarkt, die wir alle kennen, durch das deutlich verschärfte Aufsichtsrecht entsprechend angestiegen. Man müsste heute einen wesentlich größeren Aufwand betreiben, um einen neuen Asset Manager aus der Taufe zu heben. Wenn man sich den Markt ansieht, gibt es auch sehr wenige Neugründungen in dem Bereich.

 

Wann sind die anderen Themen, Gesundheit und erneuerbare Energien, dazugekommen?

T. H.: Seit 1998 beschäftigt sich die Gruppe mit erneuerbaren Energien und seit 1999 mit dem Gesundheitssektor. Das sind also Themen, die wir schon sehr lange in Beobachtung und Bearbeitung haben. Das sind für uns keine Modeschlagwörter. Das gibt es ja manchmal auch, dass vor allem große Asset Manager, sei es Demographie als jüngstes Stichwort oder anderes aufgreifen und dazu ein Produkt stricken, um dazu etwas zu haben. Wir haben das schon sehr früh als langfristigen Trend identifiziert und uns auch entsprechend aufgestellt.

Das heißt, seit damals gibt es auch entsprechende Fonds dazu?

T. H.: Seit 1999 gibt es entsprechende Fonds im Gesundheitssektor. Im Beteiligungsbereich bei den erneuerbaren Energien ist es ein bisschen anders. Dort haben wir in der Unternehmensgruppe Projekte entwickelt und dann abverkauft. Das heißt, die ältesten Projekte, die wir jetzt aktuell in der Betriebsführung für unsere Kunden haben sind von 2011. Die anderen Projekte sind, als wir noch keine eigene Betriebsführung hatten, immer direkt an Investoren wie die Stadtwerke und Energieversorger verkauft worden.

Ist es in den heutigen Zeiten mit niedrigen Zinsen einfacher geworden, Anleger von Fonds oder Beteiligungen zu überzeugen? Sind die Anleger risikobereiter geworden?

T. H.: Einfacher ist es in meiner Wahrnehmung nicht geworden, es ist anders geworden. Es gibt sehr viele Leute, die aufgrund der Zinssituation feststellen, dass sie am Sparbuch oder am Konto keine Zinsen mehr bekommen und sich dann nach Alternativen umsehen. Das ist erstmal positiv, dass sich die Leute dazu Gedanken machen. Es ist aber auch so, dass viele in den Bereich Immobilien flüchten. Was man sieht ist, dass in ganz Europa die Immobilienpreise durch die Decke gehen, offene Immobilienfonds schließen, weil sie die Gelder, die sie von Kunden bekommen gar nicht mehr veranlagen können. Grundsätzlich ist gestiegenes Interesse da etwas anderes zu machen als nur festverzinsliche Themen aber deswegen sind die Kunden noch nicht so weit, dass sie einen Aktienfonds kaufen oder ein Beteiligungsmodell.

Wie groß ist das Verhältnis zwischen institutionellen Kunden und Retailkunden bei Lacuna derzeit?

T. H.: Vom Volumen her etwa 65 Prozent institutionelle Kunden und 35 Prozent retail.

Welchen Bereich schätzen Sie in den kommenden fünf Jahren als ausbaufähiger ein?

T. H.: Die Kundenverteilung unterliegt Zyklen, wie sie auch an den Börsen vorkommen. Ich bin seit 15 Jahren bei der Lacuna und habe in der Zeit Schwankungen in allen möglichen Märkten und eben auch in der Verteilung von institutionellen Kunden und Retailkunden erlebt. Es gibt Phasen in denen im Retailbereich mehr Geschäft zu machen ist und es gibt Phasen, wie aktuell, wo man mehr Geschäft im institutionellen Bereich macht. Wichtig ist es als kleines Haus so aufgestellt zu sein, dass man beide Segmente bedienen kann und ob in der nächsten Zeit der institutionelle Markt oder der Retailmarkt überwiegt ist schwer zu sagen.

Ein großes Thema wird weiterhin die Regulierung sein. Wie wird sich MiFID II konkret auf die Aktivitäten von Lacuna auswirken?

T. H.: Der Regulierung unterliegen wir ja heute schon und dass sie schärfer wird erleben wir im Prinzip jeden Monat. MiFID II ist ein größerer Sprung, insofern bedeutet das für uns schon auch einiges an Anpassung in den Arbeitsabläufen und im Geschäft mit unseren Vertriebspartnern. Aber am Ende sind das keine unüberwindbaren Hindernisse.

Gibt es andere neue Richtlinien, die sich auf Lacuna auswirken würden, beispielsweise die PRIPs?

 

T. H.: Das betrifft uns genauso wie zum Beispiel die Umsetzung von UCITS V für unsere Investmentfonds im nächsten Jahr. In Deutschland betrifft uns die Novellierung des Wertpapierhandelsgesetzes, das ab 1. Januar 2017 greifen wird. Die Liste ließe sich beinahe beliebig fortführen.

Gibt es Unterschiede beim Vertrieb in Deutschland und in Österreich?

T. H.: Der Vertrieb läuft etwas anders ab, weil wir bislang im Bereich erneuerbare Energien nur Projekte hatten, die wir deutschen Vertriebspartnern angeboten haben. In Österreich sind wir aktuell nur mit Investmentfonds präsent, also im Gesundheitssektor.

Könnte sich das ändern?

T. H.: Es gibt ganz konkrete Überlegungen, das zu ändern und in Zukunft auch Projekte im erneuerbaren Energiebereich nach Österreich zu bringen.

Wäre es auch interessant Projekte in Österreich zu starten oder geht es darum, die deutschen Beteiligungen in Österreich zu verkaufen?

T. H.: Eher Letzteres. Wir haben uns den österreichischen Markt angesehen, aber der ist im Bereich erneuerbare Energien ziemlich klein, sodass man als weiterer Anbieter kaum eine Chance hat in den Markt hinein zu kommen.

 

Gibt es neue Fonds oder Beteiligungen von Lacuna, die für Deutschland oder Österreich im nächsten Jahr interessant sind?

T. H.: Wir sind daran im Bereich erneuerbare Energien wieder etwas aufzulegen. Wir werden da in Kürze einen Fonds schließen und der Plan ist, dann im Herbst noch etwas zu machen. Es stehen mehrere Projekte zur Auswahl, insofern kann ich noch nicht genau sagen, welches es wird. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir noch ein Produkt im Herbst auf den Markt bringen.