Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
07.06.2018

Die Digitalisierung revolutioniert das Freizeitverhalten

Einkaufen, reisen, spielen, Freundschaften pflegen: Es gibt kaum einen Freizeitbereich, den die digitale Revolution nicht rasant verändert hat. Neue Konsumtrends entstehen – ebenso wie neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Erfahren Sie mehr über die Investmentchancen im Interview mit Ido Cohen, Fondsmanager des Invesco Global Leisure Fund.

von Wolfgang Regner

Ido Cohen, Fondsmanager Invesco

Ido Cohen, Fondsmanager Invesco

Foto: Invesco

FONDS exklusiv: Sie haben kürzlich bei einer Präsentation des Invesco Global Leisure Fund gesagt, dass wir vor einem umfassenden Wandel stehen bzw. bereits davon erfasst werden. Können Sie einige Beispiele geben?

Ido Cohen: Erstens verändern Geräte und Anwendungen den Medienkonsum. In den USA hat sich die Nutzung mobiler Geräte binnen fünf Jahren verdreifacht. Zweitens erlebt die Spieleindustrie ein dynamisches Wachstum. Das Marktvolumen in den USA liegt bei mehr als 100 Mrd. Euro, China liegt nur knapp dahinter. Und drittens das Online-Shopping, das weltweit stark wächst. Mehr als 300 Mio. Menschen bestellen bei Amazon. Tendenz: steigend.

FONDS exklusiv: Wie wirkt sich dieser Wendepunkt für die Unternehmen aus?

I.C.: Wir befinden uns in einem Paradigmenwechsel, bei dem sich das Konsumverhalten durch die Einführung neuer Technologien grundlegend und sehr schnell verändert. Diese Veränderung führt zu erheblichen Verschiebungen von Marktanteilen zwischen Unternehmen. Es wird Gewinner, aber auch viele Verlierer dieses Megatrends geben. Veränderung ist ein wichtiger Wachstumsmotor. Wer Ausmaß und Dimensionen wegweisender Veränderungen früher als andere antizipiert, kann dadurch Alpha- eine marktunabhängige positive Performance- generieren.

FONDS exklusiv: Wie investieren Sie in die Gewinner des sich wandelnden Freizeittrends?

I.C.: Die Fondsmanager des Invesco Global Leisure Fund investieren weltweit in Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf das gewandelte Freizeit- und Konsumverhalten ausgerichtet ist. Drei Fixpunkte möchte ich hervorheben. Erstens setzen wir auf nachhaltigen Wandel. Mit dem Fonds können Anleger gezielt in Unternehmen investieren, die nach Einschätzung der Fondsmanager langfristig erhebliches Wachstumspotenzial haben. Dazu kommt aktives Management. Die erfahrenen Fondsmanager suchen gezielt nach Unternehmen, deren Wachstumschancen sie für unterschätzt halten. Dazu analysieren sie fundamentale Daten, Bewertungen und mögliche Risikofaktoren. Und schließlich verfolgen wir einen flexiblen Ansatz. Die Fondsmanager beobachten sich verändernden Freizeit- und Konsumtrends genau. So können sie frühzeitig reagieren und in aus ihrer Sicht vielversprechende Unternehmen investieren.

FONDS exklusiv: Können Sie einige Beispiele ihrer Portfoliofavoriten geben?

I.C.: Zu den ausgewählten Unternehmen gehören zum Beispiel Amazon. Die Online Handelsplattform hat sich als dominierender Anbieter für Handelswaren, Medien und Dienstleistungen etabliert. Oder der Spieleentwickler Electronic Arts: Das Unternehmen ist im Markt für hochpreisige Videospiele sehr gut aufgestellt, dank Sportangeboten, Eigenentwicklungen und wertvollen Lizenzen wie z. B. für Star Wars. Und schließlich Facebook. Werbung im Internet und auf Mobilgeräten hat sich seit Jahren sehr gut entwickelt. Facebook ist in diesem Markt ausgezeichnet positioniert. Dieser Ansatz hat sich gelohnt. Die Anleger konnten sich in den letzten fünf Jahren über durchschnittlich knapp 16 Prozent jährlichen Wertzuwachs freuen, absolut gerechnet (kumuliert) sogar über 100 Prozent.

FONDS exklusiv: Wie sieht es mit der Bewertung aus: Kann sich auf dem aktuell hohen Kursniveau vieler Börsen ein Fondsinvestment in den Invesco Global Leisure lohnen?

I.C.: Interessanterweise ist in der Spätphase des Börsenzyklus seit 2008 die Prämie, die Anleger bereit sind für Unternehmen zu bezahlen, die langfristiges, starkes Wachstum bieten können, auf einen mehrjährigen Tiefstand gesunken. Viele dieser Unternehmen spielen eine wichtige Rolle in der aktuellen Transformation des zyklischen Konsumsektors. Hier sehen wir eine einzigartige Chance in Wachstumsunternehmen einzusteigen, deren Bewertungsabschlag nicht sehr lange Bestand haben wird. Diese profitieren von strukturellen Wachstumstreibern, also solchen, die weitgehend unabhängig vom konjunkturellen oder politischen Zyklus sind. Beispiele wären die Bereiche E-Commerce, der trotz des starken Wachstums unterschätzt wird. So entfallen in den USA nur zehn Prozent der Konsumausgaben auf den Onlinehandel. In zwei der größten Segmente des Einzelhandels hat der elektronische Handel noch kaum Fuß gefasst: Lebensmittel & Gastronomie (25 Prozent Marktanteil), Auto, Tankstellen und Autoanteile (28 Prozent). In vielen weiteren Segmenten steht der E-Commerce noch am Anfang: Bekleidung, Luxusgüter, Möbel, und Elektrogeräte (weitere zehn Prozent). Zwei Drittel des Potenzials sind also noch nicht erschlossen.

FONDS exklusiv: Könnte die zu wenig ausgebaute Logistik zum Flaschenhals werden?

I.C.: Das glauben wir nicht. Mit dem Ausbau der Logistikinfrastruktur und der zunehmenden Automatisierung werden die Lieferdienste schneller und günstiger. In Verbindung mit künstlicher Intelligenz machen schnellere Computer und Netzwerke das Suchen und Finden von Produkten einfacher und bequemer. Wir stehen vor einer Ära, in der alles auf Abruf erhältlich ist. Im Mittelpunkt des neuen „On Demand“-Marktplatzes stehen die mobilen Endgeräte. Je mehr Menschen mit diesen Geräten unterwegs sind und je mehr Transaktionen sie darüber abwickeln, desto stärker müssen sich die Werbetreibenden an diese neuen Verhaltensmuster anpassen. In den USA ist die „mobile Medienzeit“ in den fünf Jahren bis 2016 von unter zehn auf über 30 Prozent des gesamten Medienkonsums angestiegen. Wir schätzen, dass 2016 immer noch nur 23 Prozent der Werbeausgaben auf den mobilen Bereich entfielen- damit besteht hier noch erhebliches Wachstumspotenzial. Unternehmen in Bereichen wie soziale Medien oder Video-Portale profitieren von dem Rückgang der traditionellen Formate, einer höheren Werbequalität durch den Wechsel zu Video-Werbung, sowie von der direkten Verbindung mit dem Gerät, über das vermehrt online eingekauft wird, was mit verbesserten Mobile-Inhalten wiederum eine bessere Monetarisierung von Werbung ermöglichen sollte. Die Leistung der Grafikprozessoren von Smartphones hat sich seit dem ersten iPhone um rund 100 Prozent pro Jahr verbessert.

FONDS exklusiv: Wo sehen Sie die großen Gewinner des geänderten Freizeitverhalten?

I.C.: Die größten Gewinner dieses Trends dürften die Unternehmen der Unterhaltungssoftware-industrie sein. Online-Spiele generieren Milliarden an wiederkehrenden Erträgen, das macht sie so attraktiv für Investoren. Das ist ein Paradigmenwechsel für Unternehmen, die den Konsolenmarkt bedienen, der seinen Höchststand bei knapp 200 Millionen Stück erreicht hat, während es aktuell 3,5 Milliarden Smartphones gibt, Tendenz: steigend. Das Wachstum der Spielerbasis in der Gaming-Software sowie neue Online-Medienformate für Zuschauer beflügeln zudem das Wachstum eines neuen Medienformats: eSports. Trotz einer hohen Kundenbindung beläuft sich die Monetarisierung des eSports auf einen Bruchteil traditioneller Sportligen, was auf ein erhebliches Wachstumspotenzial schließen lässt.

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