Kommentare & Expertenmeinungen | Altersvorsorge
09.08.2018

Eigeninitiative von Mitarbeitern stärken

Auf drei Säulen soll die österreichische Alterssicherung stehen: der staatlichen, betrieblichen und privaten Pension. Getragen wird sie aber faktisch nur von einer: der gesetzlichen Pensionsversicherung. Sie deckt 85 bis 90 Prozent der Einnahmen und Ausgaben des österreichischen Pensionssystems ab. Wer sich dieses Drei-Säulen-Modell einmal bildlich vorstellt, erkennt schnell: Stabilität sieht anders aus.

von Kay Schelauske

Wie kommt das? Vermutlich liegt es an den konträren Sichtweisen, die unvereinbar gegeneinanderstehenden. Die einen propagieren die gesetzliche Pensionsversicherung als Garanten für eine auskömmliche gesicherte Altersversorgung. Unterstützung erhält diese These aktuell durch den Ageing Report der Kommission der Europäischen Union. Danach wird sich der Anteil der öffentlichen Pensionsausgaben am heimischen Bruttoinlandsprodukt in den nächsten 40 Jahren lediglich um 0,5 auf 14,4 Prozent erhöhen. Auch der Bundeszuschuss zur staatlichen Pensionsvorsorge soll bis dahin bei sechs bis sieben Prozent nahe-zu konstant bleiben.

Die anderen sehen die hiesige Alterssicherung durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft und begrenzter finanzieller Ressourcen des Staates gefährdet. Aktuell gestützt wird diese These vom jüngsten Ergebnis des „Melbourne Mercer Global Pension Index 2017“, der vom Beratungsunternehmen Mercer initiiert wird. Die Studie untersucht und bewertet die Altersversorgung von Ländern im Hinblick auf deren Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Österreich landete auf dem 21. von 30 Plätzen – und damit hinter Malaysien, Polen und Brasilien. Der Grund: Das hiesige Pensionssystem basiere nicht auf einem nachhaltigen Modell, das aktuelle und zukünftige Generationen tragen kann.

Entgeltumwandlung stärken

Welcher Seite man sich auch näher verbunden fühlt – der richtige Weg liegt wie so oft in der Mitte. Unterschiedliche Instrumente zur Altersvorsorge gibt es. Verschiedenen Chance-Risiko-Profilen werden sie ebenfalls gerecht, ein neues Fass braucht man da nicht aufmachen. An anderer Stelle lohnt es sich vielmehr, von den Erfahrungen der deutschen Nachbarn zu profitieren: bei der Entgeltumwandlung. Dazu müssten die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Warum müssen Firmenpensionen zu mindestens 50 Prozent durch Arbeitgeberhand finanziert sein? Österreichische Dienstnehmer sollten auch in die Lage versetzt werden, dass sie innerhalb eines zu bestimmenden Rahmens staatlich gefördert, Teile ihres Bruttoverdienstes für ihre künftige Firmenpension einsetzen können. Gerade bei Lohnerhöhungen zahlt sich das dann oft mehr aus als der sonst verbleibende Nettolohnaufschlag. Die Förderung lässt sich so gestalten, dass Beschäftigte mit geringerem Einkommen überproportional profitieren würden. Optimalerweise könnte der Arbeitgeber seine dadurch erzielte Ersparnis bei den Lohnnebenkosten obendrauf packen – und so seine soziale Kompetenz und die Mitarbeiterbindung stärken. Eine echte Win-win-Situation.

Es wird Zeit, dass die Eigeninitiative heimischer Arbeitnehmer betrieblich für ihr Pensionsalter vorzusorgen, umfänglich gestärkt wird. Ob der neuen Regierung ein solcher großer Wurf gleich in ihrer ersten Legislaturperiode gelingt, scheint derzeit eher fraglich. Denn die geplanten Reformansätze fokussieren sich bislang auf das Einkommenssteuergesetz. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.