Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
10.11.2016

"Ich höre heute viel intensiver zu"

Ottmar Heinen lenkt bald die Geschicke der Lacuna AG, die 2017 zu einer GmbH wird. Wir haben mit ihm am Rande einer Tagung u.a. über künftige Schwerpunkte gesprochen und über ein Ereignis, das bis heute sein Leben prägt.

von Thomas Müller

Ottmar Heinen, ab 2017 Geschäftsführer Lacuna

Ottmar Heinen, ab 2017 Geschäftsführer Lacuna

Foto: Lacuna

FONDS exklusiv: Sie haben in Ihrem Vortrag betont, dass Sie Rheinländer sind. Würden Sie sagen es gibt so etwas wie einen rheinländischen Führungsstil?

Ottmar Heinen: Also der rheinländische Führungsstil, den ich gelernt habe, ist, dass man sich klar positionieren muss aber letztendlich immer aus der Position primus inter pares agiert. Das heißt, die Mitarbeiter wissen wer die Kompetenz hat, wenn wirklich eine Entscheidung getroffen werden muss, aber auf der anderen Seite pflege ich einen sehr offenen Umgang und einen sehr offenen Führungsstil. Das heißt, es ist immer bekannt, welche Ziele wir verfolgen. Ich binde meine Mitarbeiter, insbesondere die der Führungsebene in die Entscheidungsfindung mit ein, aber am Ende des Tages, wenn es wirklich einen Dissens geben sollte oder eine notwendige Entscheidung ansteht, dann wird sie getroffen. Was aber sicher etwas mit dem rheinischen Naturell zu tun hat, ist, dass ich meinen Mitarbeitern den Spaß an der Arbeit und an unseren Aufgaben vermittle, den ich selbst habe. Denn nur, wenn man etwas mit Freude und Überzeugung tut, macht man es dauerhaft gerne und erfolgreich.

FONDS exklusiv: Wird es nächstes Jahr weitere personelle Umstellungen bei Lacuna geben?

Nein, beim derzeitigen Personal wird es keine weiteren Wechsel geben. Wir werden teilweise Aufgaben intern etwas anders verteilen und wir werden uns ansehen, wie die Geschäftsentwicklung im Lauf des nächsten Jahres ist und dann in den Bereichen, wo es notwendig und sinnvoll ist, insbesondere im Vertrieb, wieder personell verstärken.

FONDS exklusiv: Werden Sie als neue Führung auch neue Schwerpunkte setzen oder bestehende ausbauen? Oder gibt es Bereiche, die man schließen könnte?

Also wir bauen darauf auf, was wir in den letzten Jahren gemeinschaftlich erfolgreich umgesetzt haben. Auf der einen Seite ist natürlich die Kooperation mit Bellevue ein ganz wichtiger Fokus, weil wir einfach überzeugt sind, dass wir den Weg, den wir im Healthcare-Bereich eingeschlagen haben, ein guter gewesen ist. Das ist eine erfolgreiche Nische in der wir im nächsten Jahr unsere Bemühungen verstärken werden. Das zweite Themenfeld, das wir in den letzten Jahren erfolgreich angeschoben haben, war in Deutschland der Bereich der alternativen Energien. Da ist der Status im Moment, dass neue Windparks in Deutschland nicht weiter wie Früchte im Wald wachsen. Deswegen schauen wir in diesem Segment nach sinnvollen Opportunitäten für unsere Kunden, die sich ergeben. Das heißt, wir bleiben auch in der Zukunft den alternativen Energien treu.

FONDS exklusiv: Und wo sehen Sie Chancen, dass sich etwas ergibt?

Wir sind seit gut eineinhalb Jahren daran, uns auch intensiv mit dem Ausland zu beschäftigen. Nach B kommt C und als Bayer denkt man dann nicht, nach B kommt Chemnitz, sondern dann sieht man sich eben Canada an. Nach intensiver globaler Analyse der Energiemärkte konzentrieren wir uns seit eineinhalb Jahren auf Kanada. Unserer Meinung nach braucht man lokale Expertise und jetzt sind wir in einer Phase, wo wir das Gefühl haben, relativ kurzfristig mit erfahrenen Joint-Venture-Partnern vor Ort aktiv werden und dann eben im nächsten Jahr unsere Produktpalette um kanadische Photovoltaikprojekte im ersten Schritt und in der Folge auch um Wind ergänzen zu können.

FONDS exklusiv: Sie sprechen bei den Präsentationen relativ offen über Ihre eigene Krankengeschichte mit Diabetes. Ändert sich der Blick auf die Gesundheitsbranche, wenn man selbst betroffen ist?

Ich bin vor knapp 13 Jahren von heute auf morgen zum Diabetiker Typ 1 geworden. Keine Vorzeichen, keine Veranlagung, einfach eine Laune der Natur, mich mit einer derzeit lebenslang begleitenden Krankheit zu belegen. Dadurch habe ich mich selbstverständlich mit der Krankheit und dem Healthcare-Sektor auseinandergesetzt. Daher war Lacuna mir damals schon ein Begriff gewesen, bevor ich vor sechs Jahren in das Unternehmen eingetreten bin. Somit kannte ich damals schon den Lacuna Apo-Bank Biotech-Fonds und den Asia Pacific Healthcare-Fonds. Ich fand das immer interessant, weil ich einfach das Gefühl hatte, Gesundheit ist etwas, das uns lebenslang begleitet. Und in dem Moment, wo Sie eben auch selbst davon wirklich betroffen sind, beschäftigen Sie sich damit, was auf dem Markt ist. Und dann kommen Sie aus dem Asset-Management-Bereich und schauen sich an, was haben die da drin und überlegen sich, warum haben die das da drin und beschäftigen sich etwas intensiver damit. Und wenn dann aus heiterem Himmel, aus einer gesunden Situation heraus, der liebe Gott eben mal wirklich „anläutet“…. dann betrachten Sie das Leben, die Arbeit und wie Sie letztendlich das Leben erfüllen, ganz anders. Sie überlegen sich intensiver:„Was tue ich?“, „Wie verbringe ich meine Zeit?“, „Was esse ich?“..., Sie werden bewusster. Das heißt, in dem Moment haben Sie auch ein anderes Bewusstsein, was das Arbeiten bedeutet.

FONDS exklusiv: Wie war das vorher?

Für mich ist Arbeit in der Vergangenheit nie bewusst Stress gewesen. Die Frage, wo fängt Stress an und wo ist die 100%-Marke, ist ja fließend, aber an bestimmten Punkten kommt letztlich dieser kleine Glockenschlag, der auch über Medikamente, regelmäßige Untersuchungen, den Austausch mit Ihren Ärzten passiert, wo Sie sich ein Stück zurück setzen und eben sagen: „Auszeit, ich brauche eine gewisse Distanz um wieder frei zu werden und den Akku aufzufüllen“. Diese Distanz bedeutet dann: ganz weit weg vom Tagesgeschehen und einmal 14 Tage niemanden mehr sehen und dann auch mit der nötigen Distanz wieder daran zu gehen und zu sagen: „Okay, ich schaue mir das Ganze aus einem anderen Blickwinkel nochmal neu an.“ Derjenige, der diese Glockenschläge nicht verstanden hat, vergeudet das wertvollste Gut, das wir haben. Man muss nicht wirklich auf der Intensivstation liegen und sich damit beschäftigen, was da abläuft, aber spätestens dann muss Ihnen das bewusst werden.

FONDS exklusiv: Denkt man auch über die Gesundheits-Investments anders, wenn sie nicht mehr eine rein abstrakte Sache sind?

In dem Moment wo Sie wirklich davon betroffen sind, beschäftigen Sie sich intensiver damit und haben einen ganz anderen Blickwinkel. Das ist eben nicht nur ein Produkt, es ist etwas, mit dem Sie selbst leben. Dann wird einem bewusster, was im eigenen Umfeld passiert, nicht nur auf sich selbst bezogen. Sie hören viel intensiver zu und Sie bekommen mit, wenn jemand etwas hat und Sie überlegen sich an der Stelle auch aus dem Portfolio heraus, das Sie haben, wenn z.B. Ihnen jemand etwas von seinem Tinnitus erzählt.

FONDS exklusiv: Es ist nicht selbstverständlich, mit der eigenen Biografie so locker umzugehen. Was hat Sie dazu motiviert?

Zum einen gibt es viel zu viele, die sich in eine Jammerecke verkriechen, „Oje, mir geht es ja so schlecht“. Mir geht es ja nicht schlecht, ich arbeite viel, ich habe Spaß an der Arbeit auch bei Lacuna macht das Arbeiten wahnsinnig viel Spaß. Ich kann da immer wieder darauf zurückgreifen und sagen: „Passt mal auf, ich kann euch zeigen, was tatsächlich Realität ist.“ Nicht um Mitleid zu heischen sondern, um zu zeigen, selbst wenn ihr das habt, könnt ihr vernünftig leben, könnt ihr Leistung bringen, könnt ihr erfolgreich sein und könnt Gas geben. Da bin ich gerne ein Vorbild, zumindest ein unterbewusstes. Wo ich kein Vorbild sein möchte, ist beim Jammern.

FONDS exklusiv: Abschließend etwas ganz anderes: Wann haben Sie sich zum ersten Mal gedacht, dass Sie ins Asset Management möchten?

Ich bin im Jahr 2000 nach 17 Jahren Sparkasse in Aachen zum Asset Management der Generali Gruppe gekommen. Die erste Berührung mit Asset-Management-Produkten ist natürlich schon bei der Sparkasse passiert. Ich war sehr frühzeitig erfolgreich in der Kundenberatung tätig und für mich war immer der große Blumenstrauß interessant, den man einem Kunden anbieten konnte. In etwa wie die Zusammensetzung eines kleinen Puzzels. Das fand ich wahnsinnig spannend. Daher war der nächste Schritt zwar nicht logisch, aber es war schon sehr naheliegend, innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche zu bleiben und dann in das Themenfeld Asset Management hineinzuwachsen. Mittlerweile sind das 16 Jahre und bis auf wenige Momente sind die verflogen wie nur etwas. Seit sechs Jahren bin ich jetzt bei Lacuna und falls mir da langweilig werden sollte, bin ich daneben im Lions Club aktiv. Wenn ich Glück habe, werde ich dort nächstes Jahr Governor des Distriktes Rheinland Süd. Mir ist vieles im Leben passiert und meistens Gutes und ich möchte ein bisschen etwas davon zurück geben.