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16.03.2016

Kollege Roboter übernimmt

Auf die Technologie-Bereiche Automation und Robotik hat sich der Indexentwickler Robo Global spezialisiert. Die Rendite der Zukunft komme von den Roboter-Herstellern, sagt CEO Richard Lightbound.

von Thomas Müller

Der humanoide Roboter "Pepper" von Softbank

Der humanoide Roboter "Pepper" von Softbank

Foto: Softbank

Ein Drittel der Arbeitsplätze könnten in den nächsten 20 Jahren von Robotern eingenommen werden, schreibt der Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey in seiner Studie "The Future of Employment". Vor allem Berufe, die wenig Kreativität und soziale Interaktion erfordern, seien davon betroffen. Selbst wenn diese Prognose nicht in dieser Heftigkeit eintritt, wird die Automatisierung allein schon wegen der technischen Fortschritte eine größere Rolle im Alltag spielen als heute. Vielleicht nicht gleich als mechanischer Hotel-Portier, wie es bereits im technik-affinen Japan gemacht wird. Aber ein heftig diskutiertes Thema in Europa sind bereits die selbstfahrenden Autos, an denen von den Technologiekonzernen mit Hochdruck gearbeitet wird. Dass Automatisierung auch ein Investmentthema ist, davon ist Richard Lightbound, Europa-CEO des Indexentwicklers Robo Global bereits jetzt überzeugt. Auf Einladung von ETF Securities hat der Experte in Wien den „Robotics and Automation UCITS Index“, vorgestellt, der als erster Branchenindex diesen Megatrend abbildet. „Wir haben seit den 1960er Jahren, als die ersten Roboter in der Autoindustrie eingesetzt wurden, einen immensen Fortschritt erlebt. Den größten Sprung haben wir aber erst im vergangenen Jahrzehnt gehabt“, erklärte Lightbound. „Roboter werden einmal so selbstverständlich sein wie heute Computer und so wandlungsfähig wie das Internet.“ Exemplarisch sei etwa der Dach-Sensor auf dem selbstfahrenden Auto von Google, der vor zehn Jahren noch einige 10.000 US-Dollar gekostet hat und nun für 300 US-Dollar hergestellt werden kann.

Vom Lager-Roboter ersetzt

Ein weniger sichtbares Beispiel, dass sich aber umso konkreter bei den Kosten auswirkt ist das automatisierte Warenlager des Onlinehändlers Amazon. In einem konventionellen Versandzentrum müssen die Mitarbeiter jeden Tag mehrere Kilometer zu Fuß zurücklegen, um die Waren aus den Regalen zu holen. „Mit Robotern, die ferngesteuert durch das Lager fahren und bestellte Produkte einsammeln, entfällt dieser Arbeitsschritt. Der Effizienzgewinn für das Unternehmen beträgt bis zu 20 Prozent“, weiß Lightbound. Zu den sinkenden Kosten für die Technologie kommen die steigenden Löhne in den früheren Billiglohnländern in Ostasien, die die Automaten interessant machen. Nicht ohne Grund kauft China die Hälfte der weltweiten Produktion an Industrierobotern und Südkorea hat bereits die höchste Industrieroboter-Dichte vor Japan, Deutschland und den USA.

Im Index, den der CEO und sein Team erstellt haben, befinden sich derzeit 79 Titel aus 15 Marktbereichen von denen die Güterproduktion, Gesundheit und die Antriebstechnologie die wichtigsten sind. Die USA (36 Prozent) und Japan (28 Prozent) dominieren wenig überraschend die Länderaufteilung. Unter den Unternehmen finden sich u.a. der Sensoren-Entwickler Mobileye, der Industrieroboterhersteller Kuka und der Drohnenhersteller Parrot. Die größte Position ist die Cyberdyne Inc., die mit ihren künstlichen Gliedmaßen für Aufsehen gesorgt hat.

Gekauft werden kann der Index als synthetischer ETF bei ETF Securities, der Anfang 2015 aufgelegt wurde. Den Anlegern hat er bisher aber wenig Freude gemacht und hat seit der Auflage 6 Prozent verloren. Grund dafür waren die herben Korrekturen bei den 3D-Druck-Firmen und in der Sparte Energie mit bis zu minus 48 Prozent. Erst im Februar und März dieses Jahres konnte sich der Kurs etwas erholen.