Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
14.08.2019

Künstliche Intelligenz: Roboter an die Macht!

Der Technologiesektor zeigt weiterhin starke Dynamik. Das gilt etwa für die Bereiche Cybersecurity, Online-Werbung, Robotik, Digitalisierung und Automation und künstliche Intelligenz (KI). Wie er letzteres Segment einschätzt, erklärt Johannes Jacobi, Fondsmanager des Allianz Global Artificial Intelligence.

von Wolfgang Regner

Johannes Jacobi, Fondsmanager Allianz Global Investors

Johannes Jacobi, Fondsmanager Allianz Global Investors

Foto: Allianz Global Investors

FONDS exklusiv: Herr Jacobi, was ist eigentlich Künstliche Intelligenz (KI)?

Johannes Jacobi: Als Künstliche Intelligenz wird die Fähigkeit eines Programms oder einer Maschine (Roboter) bezeichnet, wie ein Mensch zu denken, zu lernen und zu handeln und mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Wir bringen Maschinen derzeit bei, zu sehen, zu hören, zu navigieren und in Echtzeit zu interagieren. KI umfasst zahlreiche Disziplinen: Deep Learning, maschinelles Lernen, Big Data, 3D-Kameras etc. Durch das Zusammenwirken all dieser Technologien wird KI Realität. Unternehmen, die solche Innovationen wirksam nutzen können, dürften in ihrer jeweiligen Branche zu den Gewinnern gehören. Kognitive Systeme verstehen Bildsprache, Sprache und andere unstrukturierte Daten wie der Mensch auch. Sie können Schlüsse ziehen, grundlegende Konzepte erfassen, Hypothesen aufstellen sowie Ideen ableiten. Anhand neuer Informationen, Interaktionen und Ergebnisse verbessern sie ihre Expertise und hören nie auf zu lernen.

FONDS exklusiv: Wie weit ist die Forschung bei KI schon fortgeschritten?

J.J.: Künstliche Intelligenz ist keine Zukunftsmusik: Sie ist bereits Realität und erleichtert den Alltag der Menschen. Aufgrund der erheblich gestiegenen Prozessorleistung und der ebenfalls gewachsenen Speicherkapazität hat sich das Potenzial der KI bis heute vervielfacht. Beispiele wären etwa Wetterprognosen, Prognosen effizienterer Ernteerträge unter Berücksichtigung verschiedener Umweltveränderungen, Medikamentenentwicklung und die personalisierte Medizin werden mittels KI optimiert bzw. erst möglich gemacht, oder auch im Einzelhandel die Möglichkeit, durch Einsatz von KI- und maschineller Lerntechnologie das Kauferlebnis der Kunden noch interaktiver und persönlicher zu gestalten.

FONDS exklusiv: Was brachte den Durchbruch?

J.J.: Der echte technologische Durchbruch kam, als auf KI basierende Systeme bzw. Programme in die Lage versetzt wurden, Fragen zu verstehen und darauf zu antworten. So wie zB. Siri, eine Software von Apple, die der Erkennung und Verarbeitung von natürlich gesprochener Sprache dient und so Funktionen eines persönlichen Assistenten erfüllen soll. Siri führt auch Kommandos aus, die sonst eine manuelle Eingabe erfordern. Der besondere Nutzen liegt also darin, das Gerät mit der Siri-Software ohne Augenkontakt für komplexere Aufgaben bedienen zu können. Ähnliches hat Amazon mit „Alexa“ geschafft. Dieses System hat binnen kurzer Zeit enorm viel dazu gelernt und wird neben der Sprachassistenz vor allem dazu verwendet, um Amazon-User genau zu analysieren, Verkaufsmuster zu antizipieren und potenzielle Bestellungen in der Zukunft ziemlich akkurat zu prognostizieren. Amazon erhält so ein komplett virtuelles Bild einzelner Kunden. Ähnlich läuft es bei Netflix: Da die Sehgewohnheiten der Kunden bekannt sind, kann das Angebot genau kundenspezifisch passend zugeschnitten werden. Das geht umso besser, je mehr Daten zur Verfügung stehen. Aufgrund der hohen Kundenbasis verfügt Netflix wie auch Amazon über Systeme, die mit diesen „Big Data“ auf der Basis der Konsumgewohnheiten ihrer Kunden Vorschläge machen können. Man kann den Start der KI im Jahr 2012 feststellen, als Google ein neuronales Netz entwarf, das imstande war, Katzen auf seinem Youtube-Videokanal zu identifizieren. Das war möglich, da es offenbar sehr viele Katzenvideos auf Youtube gibt. Mit einem hohen Datenmaterial wurde dieses Netzwerktraining überhaupt erst realisierbar. Denn am Anfang hatte das neuronale Netz keine Ahnung, wie Katzen eigentlich aussehen.

FONDS exklusiv: Wie können Anleger von dieser Entwicklung profitieren?

J.J.: Wir denken, das KI ein riesiges Thema darstellt, nicht nur für Unternehmen, sondern sie ist auch auf komplette Volkswirtschaften anwendbar. Vier Faktoren haben dazu geführt: Die stark gesteigerte Prozessorleistung, effizientere Speichermedien, die viel günstiger und dabei noch leistungsfähiger sind als früher, effizientere Algorithmen und schließlich das sich selbst verstärkende Momentum, was die massiven Investitionen in diesen Bereich anbelangt. Aber die Möglichkeiten der KI gehen weit über den Einsatz in Robotern hinaus. Bis 2035 könnte die breite Anwendung auf KI beruhender Technologien die Wachstumsraten vieler entwickelter Länder verdoppeln. KI könnte die globale Wirtschaftsleistung bis 2030 um 15,7 Billionen Dollar steigern und birgt in einer Welt rapiden Wandels enorme kommerzielle Chancen. Investitionen in KI-Forschung weltweit tragen zu beschleunigter Innovation bei. Sogar in Peking ist die Errichtung eines KI-Distrikts für bis zu 400 Unternehmen geplant, die Partnerschaften mit internationalen Universitäten, Forschungsinstituten und Großunternehmen eingehen sollen. Zusammenfassend gesagt könnte KI das Wachstum in vielen Sektoren steigern.

FONDS exklusiv: Wo investieren Sie beim Allianz Global Artificial Intelligence?

J.J.: Zahlreiche Unternehmen aus den Bereichen Automobilbau, Konsumgüter, Gesundheitswesen und Finanzen profitieren bereits von KI. Dazu kommt die Entwicklung neuer KI-Anwendungen und neuer Software, um bessere Erkenntnisse zu gewinnen und sinnvollere Entscheidungen zu treffen. KI-Anwendungen führen zu einem höheren Automatisierungsgrad, besseren Empfehlungen, rascheren Entscheidungen und beträchtlichen Kosteneinsparungen. Last but not least können KI-Infrastruktur und Begleittechnologien den Aufbau eines KI-Ökosystems erst ermöglichen. Zum Bereich KI-Infrastruktur gehören Unternehmen aus den Bereichen Halbleiter, elektronische Bauteile und Infrastruktursoftware. Der Allianz Global Artificial Intelligence investiert vor allem, aber nicht nur in Technologie. Es gibt auch Profiteure der KI etwa im Bereich der Landwirtschaft. Nach der Aussaat und der ersten Wachstumsperiode erhält ein Farmer von einem System der KI individuelle Hinweise, wo und auf welchem Feld er welche Mengen an Dünger, Pestiziden und Herbiziden ausbringen soll und wo er weniger davon benötigt. Diese KI, die z.B. Unkraut oder Schädlinge in Millisekunden identifiziert, wurde vom US-Traktorenhersteller Deere entwickelt- also keinem Technologiekonzern. Und doch ist es ihm gelungen, die dafür nötige technologische Infrastruktur und Softwareplattformen aufzubauen. Denn diese Technologie ist jener der Gesichtserkennung sehr ähnlich.

FONDS exklusiv: Welchen Ausblick können Sie abschließen geben?

J.J.: Der Ausblick ist vielversprechend. KI wird nahezu alle Märkte komplett verändern, etwa auch im Gesundheitswesen durch eine bessere Diagnostik, Prävention und Medikation auf der Basis von Unmengen an Patientendaten. Daraus lassen sich Muster auslesen und Therapievorschläge erarbeiten. Auch im Bereich der Automobil-Sicherheitssysteme erwarten wir große Fortschritte bis hin zum autonomen Fahren.