Kommentare & Expertenmeinungen | Kolumnen
15.09.2011

Liebe Kollegen – nicht mit mir!

Vergangene Woche Donnerstag passierte etwas eigenartiges: Um 21:30 Ortszeit trat New Yorks Bürgermeister und Gründer des Bloomberg Imperiums, Michael Bloomberg, ans Podium und warnte in einer Pressekonferenz vor möglichen Anschlägen am 10ten Jahrestag von 9/11. New York oder Washington standen wieder einmal im Visier von Terroristen. Eine knappe Stunde später waren es aber keine Terroristen, sondern mein eigenes Hirn, das mich in Angst und Schrecken versetzte.
 

von Bettina M. Gordon

Vor 10 Jahren lebte ich in einem Wolkenkratzer mit Blick aufs World Trade Center. Heute lebe ich zwischen dem Kapitol, dem Sitz der US Regierung, und der Union Station, dem öffentlichen Verkehrsknotenpunkt Washingtons. Ich kann somit erwarten, evakuiert (oder schlimmeres) zu werden, sollte ein Anschlag passieren. Noch während Michael Bloomberg sprach, bat ich meinen Mann, das Wochenende in einem Hotel am Land zu verbringen. Joshua stimmte zu. Damit hätte eigentlich alles erledigt sein sollen.

 

Doch ich blieb auf der Couch liegen, starrte weiter in den Fernseher und rührte mich nicht, als nach der Pressekonferenz tonnenweise Footage von 9/11 abgespielt wurde. Die brennenden Türme. Menschen, die aus dem Fenster sprangen, darunter vielleicht ein Freund von mir. 

 

(http://www.consciousbusinessmagazine.com/carpe-diem) Der Einsturz, die ungeheure Wolke voller in Staub aufgelöster Computer, Stahlpfeiler und menschlichen Lebens. Kinder, die Tage später nach vermissten Vätern und Muttern suchten.  Spürhunde, deren Pfoten verbrannten, als sie sich über die Schutthaufen hermachten. Journalisten, die den Horror kommentieren und noch schauerlicher machen. Um 22:11 war ich mental, emotional und sogar physisch ein einem erbärmlichen Zustand.

 

Heute denke ich, es war ein verständlicher, wenn auch schwerer Fehler mich den Medien - uns Journalisten – und damit den negativen Nachrichten und Bildern, so hin zu geben. So sage ich laut: Liebe Kollegen, nicht mehr mit mir, ich gehe auf Medien Diät! Aber wo ist die Grenze zwischen gesund und ungesund? Wann ist der Punkt erreicht, wenn wir genug Information haben um Entscheidungen zu treffen aber bevor wir uns selbst zum Opfer der Informationsflut degradieren? Bevor uns der „Information Overload“ in schwache und überforderte Menschen verwandelt, deren subjektive Welt auf einmal nur mehr negativ ist?

 

Genau diese Frage stellte ich dem zertifizierten Mentaltrainer Alexander Balaska, der weltweit Manager, Spitzensportler und Entscheidungsträger auf mentale Erfolgsschiene bringt. In seinem Buch „Erfolg beginnt im Kopf“ (http://www.unibook.com/de/bucher/beste-verkaufe) spricht der Trainer (http://www.balaska.at/) von Mentaler Hygiene als Grundstein für mentale Eigenverantwortung am Weg zum Erfolg. Wie auch in seinen Seminaren bietet Balaska uns Lesern das respektvolle “Du-Wort” an, um seiner Aussage nach schneller eine größere Vertrauensbasis zu schaffen und direkter mit unserem Unterbewusstsein in Kontakt treten zu können.

 

                                                                                                                                                                

 

Herr Balaska, Alexander, warum fühlte ich mich so schlecht nach den Nachrichten?

 

„Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken.“, betonte bereits Marcus Aurelius. Jeder Gedanke, den Du denkst, wird von unserem Unterbewusstsein nicht bloß mitgehört sondern gleichfalls als Befehl seitens Deines Bewusstseins verstanden ihn auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Doch das innere Bewusstsein kann nicht unterscheiden, ob eine Vorgabe seitens des Bewusstseins nun förderlicher oder hinderlicher Natur ist, es führt als braver Diener einfach nur unsere Befehle aus. Es ist also absolut wichtig Deine Gedankenwelt auf die für Dich förderlichen Aspekte und Dinge auszurichten - vor allem auf jene, die Du vielleicht auch anstrebst zu erleben - anstatt Dich mit hinderlichen und blockierenden Denkmustern oder solch Horrorszenarien wie z.B. 9/11 aufzuhalten. Dein Unterbewusstsein nimmt Dich beim Wort, „Energie folgt der Aufmerksamkeit“, und somit kann dann auch nur ein inneres Bild einer „grausamen Welt“ in Dir entstehen. Das fühlt sich logischerweise nicht gut an, löst Unsicherheiten und Ängste aus.

 

Jeder von uns kreiert sich seine/ihre Welt. Wir sind mittlerweile über sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten, dementsprechend gibt es auch über sieben Milliarden Realitäten. Jeder Mensch ist in seiner subjektiven Welt „gefangen“, die wiederum Grundlage all unserer Entscheidungen und Handlungen ist. Diese innere Welt wird einerseits von der „Peer Group“, also all den Menschen, die uns seit Geburt an begleiten, nahestehen oder mit denen wir täglich engen Kontakt pflegen, geprägt, andererseits beeinflussen uns auch Medien tagtäglich ganz massiv. Und da leider immer noch „schlechte“, reißerische Schlagzeilen für die Medienkonzerne „gute“ Nachrichten sind, weil sie zu hohen Einschaltquoten führen, sind wir medial leider immer noch primär einem negativen Fokus ausgesetzt.

 

Was ist nun mentale Hygiene und warum ist diese so wichtig?

 

Fangen wir damit an, was mentale Hygiene nicht ist. Mentale Hygiene hat nichts mit „positivem Denken“ zu tun hat. Du kannst auch nicht jeden einzelnen Deiner bis zu 60.000 täglich produzierten Gedanken analytisch unter die Lupe zu nehmen. Dies würde konstruktives und produktives Denken komplett blockieren. Mutter Natur hat uns mit einem wunderbaren Feedback Mechanismus ausgestattet, wodurch Du lediglich auf Deine Emotionen zu achten brauchst. Fühlst Du Dich gut, so garantiere ich Dir, dass Du soeben förderliche Gedanken produziert hast. Jegliche andere Emotion, die von einem Wohlfühlen abweicht, deutet eindeutig darauf hin, dass Du hinderliche Gedanken zugelassen hast. Das heißt Gedankenhygiene ist mittels der Feedbackschleife unserer Emotionen eine sehr simple und gleichzeitig unglaublich effiziente Methode in uns drinnen mental aufzuräumen. Doch auch hier, wie bei allen anderen mentalen Techniken, könnte eine mögliche Hürde die erforderliche Disziplin darstellen.

 

Wie kann ich diese Disziplin aufbauen?

 

Zu Beginn ist es unabdingbar Dir eine Erinnerungsfunktion zu setzen, damit Du auf Deine Gedankenhygiene auch während eines turbulenten, operativen Alltags nicht vergessen kannst. Ein Post-it an einer für Dich markanten Stelle mit entsprechender Erinnerungsfunktion würde bereits reichen, Dich immer wieder während des Tages in Dich hinein fühlen zu lassen, wie es um Deine Gedankenwelt bestellt ist. Die Forschung spricht von drei Wochen, bis eine neue Tätigkeit zur Gewohnheit geworden ist.

 

Was, wenn ich doch in mein alte Gewohnheit zurückfalle?

 

Ertappst Du Dich nun dabei, wie Du Dich gerade unwohl oder unbehaglich fühlst, so sei Dir hundertprozentig gewiss, dass die Ursache hierfür in dem einen oder anderen negativen Gedanken Deinerseits liegt. Natürlich strömen äußere Reize auf uns ein, vielleicht hast Du einen schiefen Blick Deines Chefs oder Lebenspartners bekommen, oder ein Kunde hat Dich soeben gehörig genervt. Doch welches „Mascherl an Bedeutung“ Du diesem äußeren Reiz zuordnest, darüber entscheidest ausschließlich Du.

 

Die Wahrnehmung äußerer Reize findet immer nur in uns drinnen statt und so auch die Bedeutung, die wir diesen Wahrnehmungen beimessen. Deine Emotionen sind lediglich Spiegelbild Deines Gedankengutes. Wenn Du Dir mittels Deiner Gefühle also bewusst wirst, dass Du soeben hinderliche Gedanken produziert hast, so überlege einfach nur welch konkrete Gedankengänge dies waren, ob diese von äußeren Reizen initiiert wurden oder rein aus Deinen eigenen inneren Ängsten oder Zweifeln heraus kommen, und programmiere sie in die gegenteilige, für Dich förderliche Richtung um.

 

Meine Gedanken umprogrammieren? Das klingt aber schon sehr dramatisch.

 

Wenn ich von Umprogrammieren spreche, bekommst Du vielleicht das Gefühl einer schweren Aufgabe vermittelt. Doch es ist nichts anderes als statt schwarz eben weiß zu denken. Es ist kein Mehraufwand, sondern lediglich eine bewusste Neuausrichtung Deiner Gedanken in eine für Dich bessere Richtung. Denkst Du „das schaffe ich nicht“, so überlagere es einfach mit einem „ich weiß zwar noch nicht wie, aber irgendwie wird es schon gehen“. Oder anstatt Dich beständig mit der Thematik „Finanz- oder Wirtschaftskrise“ zu beschäftigen, wäre es besser Dich mit hochqualitativen Fragen zu konfrontieren, wie Du eine „interessante globale Wirtschaftssituation“ optimal für Dich nutzen kannst. Dies fühlt sich definitiv besser an und wird Dir obendrein kreativere und konstruktivere Ideen einbringen.

 

Mentale Hygiene sichert mir Erfolg? Im Ernst?

 

Die Auswirkungen mentaler Hygiene sind so unglaublich phänomenal, dass es nur verständlich ist, wenn Du Dir der vollen Tragweite noch gar nicht vollends bewusst sein kannst. So wie ein fauler Apfel in der Obstschüssel alle anderen Früchte oder ein Tropfen saurer Milch einen ganzen Eimer voll frischer Milch verderben kann, so verdirbt auch ein schlechter Denkimpuls Dein gesamtes Gedankengut, indem er weitere hinderliche Gedanken an sich zieht. Darüber hinaus konnte die medizinische Forschung eindeutig nachweisen, dass sich sogar die neuronalen Verbindungen in Deinem Gehirn anders ausrichten werden, wenn Du statt schwarz eben weiß denkst, bildlich gesprochen. Sogar wenn Du in einem Umfeld aufgewachsen bist, in der negatives Gedankengut die Vorherrschaft hatte,  kannst Du mittels konsequenter mentaler Hygiene die Stränge Deiner neuronalen Verbindungen vollkommen neu ausrichten, sodass Dir künftig negative Gedanken nur noch sehr schwer fallen werden.

Mentale Hygiene hat also tatsächlich die Kraft Dein Gehirn auch physisch neu auszurichten. Wie genial ist diese Erkenntnis! 

 

 

 

Bettina Gordon ist Journalistin, Autorin und derzeit gerade etwas überfordert. Bettina ist dabei, den technischen Details ihrer brandneuen Webseite http://www.consciousbusinessmagazine.com/ auf den Grund zu gehen. Das ist harte Arbeit. Schauen Sie doch mal vorbei auf Bettina´s Webseite und sagen Sie „Hi there!“