Kommentare & Expertenmeinungen | Emerging Markets
16.09.2015

Schwellenländer mit Fremdwährungsproblem

3000 Milliarden US-Dollar Schulden haben Unternehmen in den Schwellenländern in der US-Währung. Eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weist auf das Gefahrenpotenzial hin.

von Thomas Müller

Die hohe Verschuldung von Unternehmen in den Schwellenländern bereitet den Analysten schon länger sorgen. Günstige Rohstoffe und das Ausfallen des Wachstums in diesen Regionen könnten das Problem nun verschärfen, warnt die Bank of International Settlements (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIZ), eine Netzwerk-Organisation von 60 Zentralbanken. In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen großzügig Dollar-Kredite zu niedrigen Zinsen aufgenommen und gleichzeitig das Währungsrisiko in Kauf genommen. Wenn nun der US-Dollar tendenziell an Wert gewinnt, werden diese Kredite teurer. Damit könnten Länder wie China, Brasilien oder Russland das selbe Problem haben, wie jetzt die östlichen EU-Länder. Dort haben sich massenweise Privathaushalte und Unternehmen mit Krediten in Schweizer Franken übernommen. 3000 Milliarden US-Dollar Kreditvolumen ist laut BIZ insgesamt in den Schwellenländern ausständig. Das ist doppelt so viel wie im Jahr 2009 und eine Gefahr für die Bankensysteme dieser Länder, warnt das Institut. Die Vergabe von neuen Krediten wird hingegen weniger interessant, wenn die US-Notenbank die Zinsen erhöht. 2015 haben sich die neuen Dollar-Kredite bereits stark reduziert, was wiederum weniger Investitionen und weniger Wachstum zur Folge haben könnte.

 

Der vollständige Quartals-Bericht der BIZ "EME vulnerabilities take centre stage" auf Englisch.