Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
28.02.2019

Technologie: Megatrends haben weiter Bestand

Die Technologiebranche war eine der wenigen Sektoren, die 2018 eine positive Performance erzielen konnte, zumindest was die zehn besten Fonds betrifft. Branchenexperten, wie Alison Porter, Portfoliomanagerin im Janus Henderson Global Technology Team, gehen davon aus, dass die Techno-Megatrends auch 2019 für gute Renditen sorgen könnten.

von Wolfgang Regner

Alison Porter, Portfoliomanagerin Janus Henderson

Alison Porter, Portfoliomanagerin Janus Henderson

Foto: Janus Henderson

FONDS exklusiv: Auf welche disruptive Trends in der Technologie setzen Sie in Ihrem Fonds setzen und warum favorisieren Sie gerade diese?
 

Alison Porter: Ein globaler Technologie-Fonds sollte seinen Anlegern naturgemäß Zugang zu einer Reihe von disruptiven Trends geben. Die Anlagestrategie des Janus Henderson Horizon Global Technology Fund basiert auf vier übergreifenden Themen: Transformation des Internets, z.B. durch Cloud Computing, der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs, der Infrastruktur der nächsten Generation und der Künstlichen Intelligenz (KI). Wir denken, dass die Konvergenz und gegenseitige Beschleunigung dieser Metatrends immer neue Opportunitäten in diesem Sektor bieten und konzentrieren uns darauf, diejenigen Unternehmen zu entdecken, die davon langfristig am meisten profitieren.

FONDS exklusiv: Welche Geschäftsmodelle würden am meisten unter einer Disruption durch technologische Innovation leiden? Können Sie einige Beispiele für Innovationen nennen, die ihren Schöpfern langfristige Wettbewerbsvorsteile für ihr Geschäft eröffnen?

A.P.: Die technologische Disruption gewinnt an Fahrt, begleitet von unaufhaltsamer Konvergenz technologischer Trends. Die Hälfte der Weltbevölkerung ist mittlerweile online und verfügt über Mobilgeräte. Das eröffnet den Zugang zu immer mehr Verbrauchern, während rasante Fortschritte im digitalen Zahlungsverkehr die Monetisierung von Online-Diensten ermöglichen. In vielen Schwellenländern lernen die Menschen mit dem Smartphone zu bezahlen, noch bevor sie eine Kreditkarte haben. China entwickelt sich derweil mit rasantem Tempo zu einer bargeldlosen Gesellschaft.

FONDS exklusiv: Welche Unternehmen profitieren konkret von diesen Trends?

A.P.: Ant Financial, die Tochtergesellschaft für Online-Finanzdienstleistungen von Alibaba, ist einer der größten Profiteure dieser säkularen Entwicklung. Das Unternehmen hat in einer Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr 14 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 150 Milliarden Dollar eingeworben, womit es eines der am höchsten bewerteten Finanzunternehmen der Welt ist, sogar noch vor Goldman Sachs. Dass seine Investoren dem Unternehmen einen so hohen Wert zusprechen, ist der Tatsache geschuldet, dass Ant Financial zuvor bereits die Finanzindustrie Chinas auf den Kopf gestellt hat und dies – mittels seines Investments in Paytm – gerade in Indien wiederholt. Mit Menschen, die mittels ihres Handys Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen, ist die Disintermediation von physischen Banken bereits eingeleitet- die Bankkunden werden von den traditionellen Banken unabhängig.

FONDS exklusiv: Wo machen sich die von Ihnen genannten Megatrends noch bemerkbar?

A.P.: Generell sorgt die Digitalisierung für neue Trends in der Cloud und bei künstlicher Intelligenz. Die Cloud (dezentrale Anbietung von Software über das Internet) demokratisiert die Technologie, hat sie doch einen massiven Rückgang der Kosten für Rechenleistung bewirkt und ermöglicht es jedem, überall, jederzeit und zu sehr niedrigen Kosten auf Cloud-Dienstleistungen zuzugreifen. Amazon, Alibaba und Co. ziehen die nächste Generation der Technologiefirmen heran, die wie Netflix und Spotify komplett in der Cloud aufgebaut sind. Auch die künstliche Intelligenz hat endlich einen Wendepunkt erreicht. Die rasant gesunkenen Kosten für Rechenleistung - getrieben durch das Mooresche Gesetz, nach dem die Miniaturisierung der Halbleiter die Anzahl der Schaltkreiskomponenten auf einem Chip alle 12 bis 24 Monate verdoppelt, wodurch die relativen Kosten sinken, und die Cloud - machen maschinelles Lernen und neuronale Netze in einem Ausmaß möglich, das vor wenigen Jahren noch undenkbar war. Dramatisch sinken derweil die Kosten für Datenanalysen, sodass wir Durchbrüche in Bereichen wie der Bild- und Sprachverarbeitung erleben. Der Sprachassistent Alexa von Amazon ist hierfür ein gutes Beispiel.

FONDS exklusiv: Was hat sich bei der Entwicklung dieser Trends gegenüber früheren Perioden der Technologiebranche verändert?

A.P.:
Anders als früher entwickeln sich diese Technologien rasant zu kommerziellen Produkten, da sie aufgrund der weltweiten Verbreitung des Internets, der Cloud und der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs schneller als jemals zuvor Abnehmer finden. Hierdurch kommt eine Positivspirale für Technologieunternehmen in Gang, die neue Technologien ähnlich schnell monetisieren und Gewinne in sich rapide entwickelnde Neuerungen reinvestieren können. Diese technologische Konvergenz, z.B. das Zusammenwachsen von Medieninhalten mit dem Internet, sowie das Internet der Dinge- und das schiere Ausmaß der Innovationen werden immer schneller immer mehr Branchen von Grund auf verändern. Schon heute steht die Automobilindustrie ganz im Zeichen der Disruption, wie Elektrofahrzeuge, Fahrdienste und autonomes Fahren anschaulich belegen. Seit gut hundert Jahren resultiert der Wettbewerbsvorteil von Autobauern aus der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und dem Betrieb von überaus komplexen Produktionsanlagen. Nun müssen sie sich an den Gedanken gewöhnen, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft wesentlich einfachere Autos um Elektromotoren und Batterien herum bauen werden. Zudem müssen sie lernen, Algorithmen zu programmieren, die ihre Autos steuern, und Apps zu entwickeln, mit denen man einen Fahrdienst rufen kann. Automobilhersteller werden nicht umhinkommen, sich zu Technologieunternehmen weiterzuentwickeln, um mit neuen Produkten den Markt auf den Kopf stellenden Anbietern wie Tesla, Uber und Waymo mithalten zu können.

FONDS exklusiv: Welche Technologieaktien wären auch unter Value-Aspekten interessant?

A.P.:
Vor dem Hintergrund unserer Investment-Kriterien ist das Team sehr auf Bewertungen fokussiert, um Wachstum zu einem vernünftigen Preis zu identifizieren. Unser Team nutzt verschiedene Bewertungskennzahlen, um attraktive Unternehmenswerte in gegenläufigen Sub-Sektoren und verschiedenen Entwicklungsphasen zu finden. Alibaba, Microsoft und Broadcom gehören zu den Werten, die wir schon lange halten. Das aus China stammende multinationale Konglomerat Alibaba vereinigt mit Online-Handel und Chat-Diensten auf Webportalen, elektronischen Zahlungsmitteln und Cloud Computing viele unserer wesentlichen Investment-Themen. Das Unternehmen hat erst kürzlich überzeugende Ergebnisse vorgelegt und den positiven Ausblick trotz makroökonomischer Unsicherheiten bestätigt. Wir glauben, dass bei einer Markterwartung für das von Gewinnwachstum im Kalenderjahr 2020 von 25 Prozent (Quelle: Bloomberg Konsenserwartung für den Gewinn am 13. Februar 2019) die Bewertung weiterhin attraktiv ist. Weiters glauben wir, dass Microsoft starke Wachstumsaussichten hat, insbesondere angesichts seines Hybrid-Cloud-Angebots, das führende On-Premise-Technologie (lokale Nutzung von Software) mit seinem öffentlichen Cloud-Computing-Dienst Azure kombiniert. Unter dem Management-Team aus CEO Satya Nadella und CFO Amy Hood hat Microsoft den Übergang zu einem Cloud-Geschäftsmodell vollzogen und steigende Gewinne präsentiert. Aus unserer Sicht wird die Aktie zu einem vernünftigen Preis gehandelt, wenn man bedenkt, dass die Gewinne in den nächsten drei Jahren mit einer jährlichen Rate von knapp 15 Prozent wachsen sollen (Quelle: Bloomberg Konsenserwartung für den Gewinn). Der Halbleiterhersteller Broadcom unterhält eine Reihe starker Geschäftszweige in wichtigen langfristigen Wachstumsmärkten, vor allem im Markt für Datencenter-Switches (Netzwerkschalter), Radiofrequenztechnologie für Mobiltelefone und bei KI/ASIC-Chips- das sind anwenderspezifische Halbleiter für die künstliche Intelligenz. Die Aktie, die zurzeit eine Dividendenrendite von 3,8 Prozent erbringt, hat unserer Meinung nach gesunde Wachstumsaussichten und eine attraktive Bewertung.

FONDS exklusiv: Welche Auswahlkriterien sind für Ihren Investmentprozess entscheidend?

A.P.: Es handelt sich um eine fokussierte indexorientierte Bottom-up-Strategie, die stabile risikoadjustierte Erträge erbringen soll. Viele neu aufkommende Technologien bieten spannende Opportunitäten, aber der Technologiesektor ist auch volatil und Tech-Investitionen erfordern spezialisierte Manager, die es verstehen, sich entlang des „Hype Cycle“ zu bewegen. Bei aufstrebenden Technologien werden oftmals die Bewertungsparameter vernachlässigt. Unser Bottom-up-Ansatz konzentriert sich auf Investitionen in Firmen, die über realistische Wachstums-erwartungen und vernünftige Bewertungen verfügen sowie langfristige Markteintrittsbarrieren etabliert haben.