Kommentare & Expertenmeinungen | Interview, Investmentfonds
18.03.2015

"Unsere Positionierung ist voll aufgegangen"

Jean Médecin, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac Gestion, erklärt u.a. warum es dem Patrimoine-Fonds gerade so gut geht und warum er vom QE-Programm profitieren wird.

von Thomas Müller

Jean Médecin, Carmignac Gestion

Jean Médecin, Carmignac Gestion

FONDS exklusiv: Der Carmignac Patrimoine Fonds hat sich in den letzten Monaten und besonders im laufenden Jahr recht gut entwickelt. Welche Faktoren haben da eine Rolle gespielt?


Jean Médecin: Dazu haben eigentlich alle Assetklassen im Fonds beigetragen, angefangen bei den Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie. Wir haben Italien, Spanien und im geringen Maß auch Portugal um Portfolio und diese Anleihen haben von der Konvergenz der Anleihezinsen profitiert. Diese Positionierung, die wir vor etwa zwei Jahren begonnen haben, ist also voll aufgegangen. Voriges Jahr haben wir dann einige Anpassungen gemacht und das absolute Volumen reduziert, aber dafür die Laufzeiten verlängert. Wir haben verbesserte Fundamentaldaten in Europa gesehen und etwa 10-jährige Anleihen zugekauft. Bei Unternehmensanleihen setzen wir in erster Linie auf den mehrjährigen Trend bei europäischen Banken zum Deleveraging und zur Straffung der Bilanzen. Dort erwarten wir uns attraktive Renditen zu einem angemessenen Risiko und hatten Erfolg damit. Schließlich wäre da noch die Aktienkomponente: Hier geht es uns um sichtbares und strukturelles Wachstum bei den Unternehmen, seien es Pharmakonzerne, Einzelhandelsketten oder Industrie. Obwohl wir die Emerging Markets insgesamt für riskant halten, sehen wir hier immer wieder gute Unternehmen. In Nordamerika sind wir auch sehr selektiv, denn an eine Beschleunigung der Wirtschaft dort glauben wir nicht. Die Unternehmen müssen schon aus eigenen Verdiensten heraus wachsen können. Zum Beispiel haben wir Eisenbahnbetreiber im Portfolio, die unserer Einschätzung nach auf Kosten der LKW-Logistiker weiter wachsen werden.



FONDS exklusiv: Sie haben die Emerging Markets schon angesprochen. Sind Sie zuversichtlich was den Erfolg der Reformen in China und Indien betrifft?


Jean Médecin: Die Reformen werden die langfristigen Wachstumspotenziale unterstützen, davon bin ich überzeugt. In Indien hat es außerdem auch eine Zinssenkung gegeben, dass heißt zusätzlich zum niedrigen Ölpreis kommt ein wachsendes Vertrauen in die Notenbankpolitik hinzu. Das könnte eine Spirale nach oben auslösen. Jetzt müssen nur noch die richtigen Investitionen in die Infrastruktur umgesetzt werden. In China hingegen verfolgt die Regierung ein Neuausrichtung der Wirtschaft und nimmt weniger Wachstum in Kauf. Uns interessieren hier die Unternehmen, die für den lokalen Markt arbeiten und da gibt es viele gute Kaufgelegenheiten. Wir sind einer von zwei französischen Asset Managern, die eine Lizenz zum Kauf lokaler Aktien haben.



FONDS exklusiv: Hat die Ankündigung des Quantitative Easing durch die EZB zu Jahresbeginn eine Änderung ihrer Anleihen-Strategie bewirkt?


Jean Médecin: Nein, wir profitieren in großem Ausmaß vom QE, es fördert die erwähnte Konvergenz der Anleiherenditen. Der Effekt des Programms ist ganz wesentlich, das Kaufvolumen wird etwa das Zweieinhalbfache der Neuemissionen der Eurozone ausmachen. Das bedeutet konkret weitere finanzielle Repression. Aber QE ist auch nur Mittel zum Zweck und der Zweck ist ein stärkeres Wachstum in Europa. Da müssen alle Beteiligten darauf achten. Als Investor muss man sich da hindurch navigieren und mehr global handeln. Das werden schwierige Zeiten, die auf Anleihemanager zukommen. Am wichtigsten ist es, flexibel zu sein und nicht um jeden Preis und bei jedem Risiko der Rendite nachzujagen.

 


FONDS exklusiv: Zum Schluss eine persönliche Frage: Was war der Beweggrund für Sie in die Fondsbranche zu gehen?


Jean Médecin: Ich war eigentlich immer schon an wirtschaftlichen Themen interessiert, Wirtschaft ist so ein weites Feld! Es ist manchmal reine Zahlenarbeit, aber auch Marktpsychologie und eine langfristige historische Perspektive. Abstrakt ist jedenfalls nicht. Darum stört es mich jedes Mal wenn von „Realwirtschaft“ die Rede ist. Der Finanzmarkt ist auch real, es geht um reale Ersparnisse! Aber das Wichtigste ist: Du kannst kein guter Fondsmanager sein, wenn du dich nicht selbst jeden Tag herausforderst und Neues lernen willst. Ich habe in der Erdölindustrie angefangen, das war mir dann bald zu einseitig. Dann habe ich in der Finanzbranche als Analyst angefangen und mich in Fachbereiche vertieft. Schließlich wollte ich als Fondsmanager wieder eine weitere Perspektive haben, die Zusammenhänge in einer globalisierten Welt sehen. Das muss beides im Gleichgewicht bleiben.