Kommentare & Expertenmeinungen | Investmentfonds
15.10.2014

„Wir investieren konservativ aus Eigeninteresse“

Christoph Bruns, Vorstand der Fondsboutique Loys und Fachbuchautor, sprach bei einem Wien-Besuch über seine wichtigsten Aktien-Regeln und sparte nicht mit Kritik an seiner Branche.

von Thomas Müller

Christoph Bruns

Christoph Bruns

Trotz historisch niedriger Bankzinsen und Anleiherenditen, ist der Run auf Aktien bisher ausgeblieben. Der Anteil des investierten Kapitals in Aktien bleibt in Deutschland und Österreich beharrlich unter 10 Prozent und auch Aktienfonds sind weiterhin die Stiefkinder der Privatanleger. Allenfalls die Mischfonds konnten sich vergleichsweise gut entwickeln. Was es damit auf sich hat und wie es mit der globalen Aktien-Rally weitergehen wird, hat Fondsmanager und Fachbuchautor Christoph Bruns bei einem Wien-Besuch vor Investoren und Journalisten analysiert. Seit zehn Jahren ist er nun Teilhaber und einer von drei Vorständen der Oldenburger Fondsboutique Loys. „So lange die Notenbanken die Politik der niedrigen Zinsen fortsetzen, kann auf der Aktienseite nicht viel passieren. Eine Korrektur ist aber mehr als überfällig“, sagte er zur aktuellen Situation. Mehr als 10 Prozent sollte die Korrektur aber nicht ausmachen, denn die Pensionsfonds haben viel Geld zu investieren und die Konsumenten werden nicht einfach aufhören, die Produkte der Unternehmen zu kaufen. Dass es nach 2009 an den Börsen so gut gelaufen ist, habe aber nicht mit den Unternehmen oder deren Gewinnen zu tun, sondern mit der Schwäche der „Wettbewerber“, also konkret die festverzinslichen Wertpapiere. „Mitleid mit den Bondanlegern muss man nicht haben, es gab seit Anfang der 1980er Jahre eine Anleihen-Hausse. Nicht um sonst haben die Staaten hohe Schulden aufgebaut und sind jetzt sogar höher verschuldet als vor der Krise“, meinte Bruns. „Früher sagt man: Wer gut schlafen will braucht Anleihen, wer gut leben will Aktien. Heute haben wir ein Umkehrung: Wer heute gut schlafen will braucht Aktien und wer gut leben will erst recht.“ Der Nachteil der Entwicklung: Aktien sind immer teurer geworden und es gäbe die so genannte Sicherheitsmarge nicht mehr. In der Portfoliotheorie ist das die Differenz zwischen dem Unternehmenswert an der Börse und dem angenommenen inneren Wert, den sich der Anleger anhand der Fundamentaldaten ausrechnet. Wenn der innere Wert höher ist als der aktuelle Börsenwert, ist die Aktie ein lohnendes Investment.

Die Feinde der Aktienanlage

Auch wenn die Aktienmärkte unbeabsichtigte Unterstützung durch die Notenbankpolitik Mario Draghis bekommen haben, so sieht Bruns weltweit überwiegend Feinde der Aktienanlage agieren. „Das ist zunächst einmal der Staat der Unternehmensgewinne und dann nochmal die Ausschüttungen besteuert. Fremdkapital wird immer gegenüber Eigenkapital bevorzugt, vor allem bei der Regulierung. Die Banken wiederum interessieren sich für Aktien nicht, weil sie damit weniger Geld verdienen als anderswo. Und die Fondsgesellschaften vermarkten statt Aktienfonds lieber Garantieprodukte, der größte Mumpitz“, kritisiert der Aktienexperte.

Was das Thema Risiko und Sicherheit angeht hat Bruns, der überwiegend in Chicago lebt und arbeitet, einen eher US-amerikanischen Zugang: „Volatilität wird oft nur als Instabilität und damit als Risiko gesehen. In der Wirtschaft kann man sie auch allgemein als Bewegung und Dynamik interpretieren. Alles fließt und das Leben kann nicht stillstehen, auch wenn vielleicht selbst stehen bleibt. Das heißt auch: Es gibt keine totale Sicherheit.“ Seine eigene Definition von Risiko ist „die Gefahr, Kapital innerhalb von fünf Jahren unwiederbringlich zu verlieren“. In den letzten zehn Jahren war es bei seinem Loys Global Fund in keiner Fünf-Jahre-Periode der Fall, dass die Anleger ein Minus hinnehmen mussten. Selbst zwischen 2006 und 2011 war der Fonds mit 0,8 Prozent knapp im Plus. „So gesehen hatten wir kein Risiko im Fonds seitdem ich im Unternehmen bin“, betont der Fondsmanager. Das habe auch damit zu tun, dass das Management auch Eigentümer ist und mit großen Teilen des Privatvermögens investiert ist: „Wir investieren konservativ aus Eigeninteresse. Alle sagen zwar, dass sie konservativ anlegen wollen, aber keiner tut es. Wir können unsere eigene Kultur festlegen und vorleben.“ Bei Anlagephilosophie sind die wichtigsten Zutaten Qualität, Unterbewertung, abnehmendes Risiko mit der Zeit und Diversifikation. „Bankaktien kaufen wir nicht, die können wir nicht vernünftig bewerten. Die Bankbilanzen sind ein Buch mit sieben Siegeln. Genauso kaufen wir keine Branchen, die vom Staat subventioniert werden wie die Fotovoltaik. Die Subvention kann irgendwann auch wieder weg sein“, schränkt Christoph Bruns ein. Das sei eben die Freiheit der kleinen Investmentboutiquen, große KAGs könnten da nicht mehr so flexibel sein. Daher sei die Fondsbranche heute in Wirklichkeit auch eine „Marketingindustrie und keine Asset-Manager-Industrie“, so der Loys-Vorstand zu seiner eigenen Zunft. Für das Jahr 2015 plant man bei Loys einen neuen Europa-Fonds der mit Jahresbeginn gestartet wird und auch im Management wird sich etwas tun. Fondsmanager Ufuk Boydak wird Teilhaber und Geschäftsführer und damit langfristig als künftiger Nachfolger aufgebaut.