Kommentare & Expertenmeinungen | Interview, Investmentfonds
15.04.2015

"Wir müssen die Wahrnehmung ändern"

Charlie Thomas, Fondsmanager des Jupiter Global Ecology Growth SICAV, erklärt wie die Automobilbranche in seinen Fonds kommt und warum gerade die US-Amerikaner bei ökologischen Investments zugreifen.

von Thomas Müller

Charlie Thomas, Jupiter Asset Management

Charlie Thomas, Jupiter Asset Management

Foto: Jupiter AM

FONDS exklusiv: Was unterscheidet den Jupiter Global Ecology Growth SICAV von anderen nachhaltigen oder ethischen Fonds?

Charlie Thomas: Wir konzentrieren uns klar auf Unternehmen, die ökologische Lösungen anbieten und investieren in drei große Themen: Ressourceneffizienz, Demografie und Infrastruktur. Anders als noch in den 90er Jahren gibt es heute bereits eine Vielzahl an investierbaren Unternehmen, die unseren Kriterien entsprechen. Das mögliche Investmentuniversum umfasst derzeit rund 1200 Unternehmen. Als erstes britisches Fondshaus haben wir im letzten Jahr das Österreichischen Umweltzeichen erhalten. Dies bestätigt uns in unserem Weg und unterscheidet uns sicherlich von anderen Häusern.

Würden Sie ihren Fonds als Nischenprodukt bezeichnen?

Vom Volumen her ist es noch ein kleiner Fonds, aber das Thema Ökologie ist schon längst Mainstream. Politik und Wirtschaft können sich dem nicht mehr entziehen und der Finanzsektor hat die Investmentmöglichkeit auch erkannt. Nehmen wir etwa das Thema Ressourceneffizienz: Die Mittelklasse in den Schwellenländern wächst rasant, verwendet mehr Wasser und Strom und somit steigt auch der Ressourcenverbrauch. Wenn beispielsweise eine indische Familie eine Waschmaschine anschafft, vervierfacht sich ihr Wasserverbrauch. Grundsätzlich müsse die Wahrnehmung des ökologischen Investments geändert werden. Es handelt sich um Investments in zukünftige Trends oder noch einfacher gesagt um Zukunftsinvestments. Unser Fonds eignet sich zur Diversifikation, da wir in keine Ölkonzerne, Banken oder Pharmahersteller investieren. Das Know-how, das wir haben, haben nur ganz wenige. Es gibt nur wenige Asset Manager, die so einen langen Trackrecord vorweisen können. Wir haben diese Investmentstrategie bei Jupiter schon in den 80er Jahren implementiert.

Wie kommen Sie nun zu den ausgewählten Unternehmen? Können Sie einige Beispiele nennen?

Wir treffen ca. 250 Unternehmen pro Jahr, in der Regel den CEO und Finanzvorstand. Wir sehen uns die quantitativen Daten genau an, aber auch das Management ist uns sehr wichtig. Wir investieren primär in Firmen mittlerer Größe, von denen wir erwarten, dass sie langfristig wachsen werden. Im Schnitt halten wir einen Titel für fünf Jahre. Da wäre zum Beispiel der US-Autozulieferer BorgWarner, der Turbolader herstellt. Durch den Turbolader kann ein Motor kleiner gebaut werden bei gleichbleibender Leistung und geringerem Treibstoffverbrauch. Wir meiden oftmals die großen "neuen" Ideen, wie etwa die bekannten Tesla-Elektroautos. Von denen wurden bisher nur 25.000 Stück verkauft und noch kein Gewinn erzielt. Ein weiteres Investmentbeispiel ist Pure Technologies, die Sensoren für Wasserleitungen entwickeln. Mit dem sogenannten SmartBall lassen sich Risse in großen Abwasserrohren aufspüren, womit die Wasserverschwendung minimiert werden kann.

Wer ist denn die Zielgruppe für einen Ökologie-Fonds?

Es klingt vielleicht ungewöhnlich, aber am stärksten wächst der Markt in den USA. Es findet gerade ein Generationenwechsel von den Baby Boomern zur nächsten Generation statt und die gehen anders mit ihrem Geld um. Da spielt die Umwelt bereits eine Rolle. Am meisten wird über das Retailgeschäft verkauft, aber auch Pensionsfonds werden auf uns aufmerksam. Auch hier beginnt sich das Bewusstsein zu ändern.

Die Performance ist in den Jahren nach 2008 hinter dem MSCI World zurückgeblieben. Ist es für institutionelle Investoren nicht schwierig, dennoch zuzugreifen?

Ja, dieser Teil des Marktes wurde von der Krise härter getroffen als andere. Dennoch können wir auf eine sehr lange Historie verweisen, in der wir den weltweiten Index outperformen.

Abschließende Frage: Wie sind sie persönlich zum Thema Ökologie gekommen?

Ich hatte schon immer eine große Affinität für den Umweltschutz und habe die Möglichkeit dies mit meinem Interesse an Finanzen zu kombinieren. Ich versuche auch im Alltag umweltbewusst zu leben. Auf meinem Dach habe ich Solarpaneele und meine Heizung kann ich mit dem Smartphone steuern. Solche smarten Anwendungen, das berühmte Internet of things, sind auch ein Trend, der uns in Zukunft begleiten wird.