Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
03.03.2016

"Wir vertrauen lieber auf logisches Denken"

Maximilian Anderl managt den UBS Equity Opportunity Long Short Fund und blickt im Interview auf ein volatiles aber für den Fonds gutes Jahr 2015 zurück. Besonders Gesundheit, IT und Rohstoffe seien gerade interessant.

von Thomas Müller

Maximilian Anderl, UBS Asset Management

Maximilian Anderl, UBS Asset Management

Wenn die Aktienmärkte nach einer langen Hausse beginnen unruhig zu werden, wird auch das Setzen auf fallende Kurse wieder interessant. Mit den Leerverkäufen (short selling) können Fondsmanager diese Karte spielen. Dabei dienen die Short-Positionen nicht wie sonst üblich der Absicherung der Long-Positionen, sondern sie sollen ihren eigenen Mehrwert für den Fonds erzielen. Der gebürtige Österreicher Maximilian Anderl tut das mit dem Anfang 2015 aufgelegten UBS Equity Opportunity Long Short Fund und das Ergebnis konnte sich im ersten Jahr sehen lassen. Die Long- und die Short-Anteile haben sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt. Von den Anlegern wird das derzeit mit großem Kaufinteresse honoriert.


FONDS exklusiv: Wer sind die typischen Investoren des Equity Opportunity Long Short Fund?

Maximilian Anderl: Der Fonds hat eine diversifizierte und stabile Basis aus institutionellen und privaten Anlegern. Sie suchen nach attraktiven Renditen, aber ohne die für den Aktienmarkt typische Volatilität. Oder sie sind in Aktien investiert und erwarten Kursrisiken, die sie reduzieren möchten.

Die Top-Long-Positionen des Fonds kommen aus dem Gesundheits- und IT-Sektor. Wie sieht es mit den Short-Positionen aus?

Anderl: Derzeit sehen wir Möglichkeiten bei Investitionsgütern und Rohstoffen, wo wir einige Titel mit bereits eingepreister Erholung sehen oder relativ hohen, aber fundamental eingeschränkten Bewertungen oder Wachstumstreibern. Gleichzeitig haben schwache Bilanzen und die ökonomische Unsicherheit ein Kursrisiko erzeugt.

Im Januar haben sie neue Short-Positionen im Bankensektor gekauft. Warum erwarten Sie weitere Verluste für die Banken in diesem Jahr?

Anderl: Anfang des Jahres sind wir mit ausgewählten Banktiteln short gegangen, die für uns ein negatives asymmetrisches Risikoprofil haben, d.h. erheblich mehr Risiken als Chancen. Unser Investment-Prozess hat uns dabei Risiken auf Grund des zunehmenden Wettbewerbs und der niedrigen Zinsen angezeigt. Der Kurs ist daraufhin gefallen, und die Position wurde geschlossen.

Der Fonds hat bisher die europäischen Aktienmärkte übertroffen, aber hatte auch einige Rücksetzer. Haben Sie das Volatilitätsziel erreicht?

Anderl: Ja, die Volatilität lag bei 9,4 Prozent und damit innerhalb des Ziels von 10 Prozent im Jahr 2015. Seit der Auflage waren es 9,5 Prozent. Der Fonds hat eine Absolute-Return-Strategie, mit der wir eine konsistente positive Wertentwicklung anstreben, bei geringerer Volatilität als die Aktienmärkte. Diese haben 2015 eine besonders hohe Volatilität gezeigt, der MSCI Europe hatte 18,9 Prozent. Das hat für die Long- und die Short-Positionen gleichermaßen Gelegenheiten geboten, um Alpha zu generieren. Der europäische Aktienmarkt hat voriges Jahr 8,7 Prozent Rendite gebracht, der Long-Anteil des Fonds lag bei plus 17,9 Prozent und die Short-Positionen sind durchschnittlich um 2 Prozent gefallen. Dadurch hat sich eine starke Jahresperformance mit geringeren Ausschlägen nach unten ergeben.

Wie ist das Verhältnis von Long zu Short, und wie viel haben diese zur Performance beigetragen?

Anderl: Der Fonds ist derzeit mit plus 88 Prozent long und minus 68 Prozent short, mit einem Netto-Marktengagement von 21 Prozent. Die Volatilität hat zugenommen, und wir warten auf bessere Einstiegspunkte für einige unserer Long- und Short-Positionen. In den vergangenen fünf Jahren hat das Long-Book die Aktienmärkte übertroffen, während das Short-Book eher flache Renditen hatte und sich schlechter entwickelte. Dieser Spread hat zur Wertsteigerung beigetragen.

Die Regulatoren sehen Short-Selling kritisch und verbieten zeitweise diese Praxis sogar. Zu Recht?

Anderl: Die Möglichkeit, short zu gehen, hilft uns, die Volatilität im Fonds zu reduzieren. Es gab einige regulatorische Entwicklungen in der Vergangenheit wie das Verbot der ungedeckten Leerverkäufe – die der Fonds übrigens nie genutzt hat. Das hat einige operative Risiken beseitigt, die historisch mit dem Shorting in Verbindung gebracht wurden. Das hat auch dazu beigetragen, dass Investoren mit dem Thema Short-Selling vertrauter sind.

Einige vollautomatisierte “Blackbox Hedgefunds” haben bei der letzten Marktkorrektur Erfolge gefeiert. Werden Computer langfristig Ihre Arbeit übernehmen?

Anderl: Computer werden ja schon seit Jahren verwendet, um Teile des Investmentprozesses zu ersetzen. Sie können unserer Ansicht nach viel dazu beitragen, große Datenmengen für den quantitativen Teil des Prozesses zu verarbeiten. Aber wir sehen Schwierigkeiten bei einem sehr regelgesteuerten Entscheidungsprozess. Da verlassen wir uns lieber auf das logische Denken eines Menschen. Wir wollen den Markt langfristig übertreffen, dazu braucht es Informationen über die quantitativen aber auch die qualitativen Eigenschaften eines Unternehmens oder eines Marktes.