Kommentare & Expertenmeinungen | Interview, Investmentfonds
28.05.2015

"Wir wollen ein konzentriertes Angebot"

Eric Bramoullé, Geschäftsführer der Bawag P.S.K. Invest, im Interview über seine weiteren Pläne nach der Übernahme durch Amundi und wie er Bankkunden und unabhängigen Finanzberater erreichen will.

von Thomas Müller

Eric Bramoullé, CEO Bawag P.S.K. Invest

Eric Bramoullé, CEO Bawag P.S.K. Invest

Foto: Amundi

FONDS exklusiv: Welche Vorteile sehen Sie durch die Übernahme der Bawag P.S.K. Invest?



Eric Bramoullé: Kurz gesagt, die Bawag P.S.K. ist in Österreich und Amundi war es nicht. Wir hatten zwar ein Sales-Team in Deutschland, das auch Österreich mitbetreut hat, aber kein komplettes Team eines Asset Managers mit Compliance, Risk Management etc. Außerdem soll Wien eine Drehscheibe für deutschsprachigen Raum und die Nachbarländer Österreichs werden. Ohne Team vor Ort ist es eben schwer Kundenbeziehungen aufzubauen. Wir sehen hier viel Potenzial, denn der Markt ist entwickelt, aber es gibt noch Bedarf beim Anlegen der Ersparnisse.

 



Gibt es ein konkretes strategisches Ziel?



Wir wollen bei jeder Übernahme eine starke Partnerschaft aufbauen, wir kaufen nicht nur Fondsgesellschaften, die für uns dann Produkte liefern. Bei der Bawag P.S.K. haben wir schnell gesehen, dass wir das selbe Mindset, die selben Ziele der Entwicklung haben. Neben dem Bankenvertrieb wollen wir auch den Vertrieb über unabhängige Finanzberater nutzen. Ähnlich wie bei der Übernahme von CPR Asset Management in Frankreich wollen wir hier eine Plattform für die Vertriebspartner schaffen, die ein gutes Angebot und Service bietet. Das vorrangige Ziel ist aber vorerst ein starkes Vertriebsnetz über die Filialen der Bawag P.S.K.

 



Bis wann soll dieses Vertriebsnetz stehen?



Es geht zügig voran, bereits vor dem Closing haben wir schon begonnen uns mit dem Management der Bawag P.S.K. auszutauschen. Darum hat es nicht einmal ein Monat gedauert, bis wir den ersten gemeinsamen Fonds Amundi Global Aggregate anbieten konnten. Wenn es ein gegenseitiges Verständnis gibt, kann man sehr schnell arbeiten. Wir haben international schon viel Erfahrung mit dem Aufbau von neuen Netzwerken gesammelt und es ist Teil unserer Aufgabe und unserer DNA zu verstehen, was das Besondere bei einem Netzwerk ist. Bei der Bawag PSK war die Kombination aus Postfiliale und Bank sehr interessant. Insgesamt sind wir gut im Plan und am Ende des Jahres wird sich die Zusammenarbeit eingespielt haben. Mit den Umsätzen sind wir derzeit sehr zufrieden.

 



Sind weitere Fonds für Österreich in der Pipeline?



Wir haben noch einen weiteren in Vorbereitung, den wir im Sommer präsentieren werden. Danach werden wir uns weiter überlegen, wie wir die Produktpalette gemeinsam weiterentwickeln werden. Wir wollen auch hier Schritt für Schritt vorgehen. 2016 wollen wir mit der Umsetzung fertig sein. Wir haben in jedem Land ein sehr konzentriertes Retail-Angebot, alle 90 Luxemburger Fonds auf den Markt zu bringen, wäre nicht sinnvoll. Damit wären die Vertriebsmitarbeiter überfordert und könnten nicht adäquat beraten.

 



Wie sieht es mit dem institutionellen Geschäft aus?



Hier ist die Situation eine ganz andere, wir können mit dem institutionellen Vertrieb jederzeit starten.

 



Bei welchen Anlageklassen wird die Bawag P.S.K. Invest einen Schwerpunkt setzen?



Meiner Einschätzung nach werden wir eher sicherheitsorientierte Fonds vermarkten, die etwas weniger Rendite liefern, aber dafür den Kapitalerhalt als Ziel haben. Die österreichischen Verhältnisse sind sehr konservativ, da wird für den Retailkunden höchstens ein diversifiziertes Portfolio mit geringem Aktienanteil möglich sein. Ich könnte mir langfristig zum Beispiel den Fonds Amundi Patrimoine gut für Österreich vorstellen. Dieser hat 5 Milliarden Euro Volumen und ist ein Absolute-Return-Fonds mit 5 Prozent Renditeziel. Wir müssen aber noch den Markt genauer studieren, ob es dafür eine Nachfrage geben könnte.