Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
02.02.2017

"Wohlstand bringt auch die Nachfrage nach Gesundheit mit sich"

Die meisten Investoren strafen die Gesundheitsmärkte in den Emerging Markets noch mit Nichtbeachtung. Dabei handelt es sich bei diesen, vor allem, wenn man sich den Gesundheits-Sektor in Asien ansieht, um jene Märkte mit dem höchsten Wachstum. Wir haben den Vertriebsdirektor des Gesundheits-Spezialisten Lacuna, Ingo Grabowsky, im Interview um eine Bestandsaufnahme gebeten.

von Wolfgang Regner

Ingo Grabowsky, Vertriebsdirektor Lacuna

Ingo Grabowsky, Vertriebsdirektor Lacuna

Foto: Lacuna

FONDS exklusiv: Woran identifizieren Sie die großen Wachstumschancen im asiatischen Health Care-Sektor?

Ingo Grabowsky: Durch den Wirtschafts- aufschwung der letzten Jahre hat sich in Asien eine wachsende Mittelschicht etabliert, die es sich leisten kann und will, in die eigene Gesundheit zu investieren. China ist beispielsweise, nach den USA, bereits der zweitgrößte Gesundheitsmarkt der Welt. Trotzdem gibt es noch massives Aufholpotenzial, da in China nur etwa 5,6 Prozent des BIP für Gesundheit ausgegeben werden. In den USA betragen die Ausgaben 17 Prozent, in Deutschland beläuft sich dieser Wert auf elf Prozent. Dieser Aufholprozess ist auch notwendig, da sich die Gesellschaft mit dem zunehmenden Wohlstand immer mehr dem Westen angleicht. Das betrifft die Überalterung genauso wie die ungesunde Lebensweise bis hin zur Zunahme von Wohlstandskrankheiten wie Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauferkrankungen. Was die wachsende Mittelschicht betrifft, so geht man davon aus, dass sich diese im asiatisch-pazifischen Raum bis zum Jahr 2030 versechsfachen wird. Schon alleine durch diese Tatsachen ist praktisch sichergestellt, dass der Bereich Gesundheit in Asien auf lange Sicht ein bedeutendes Segment bleibt und noch an Bedeutung gewinnen wird.

Das heißt, der neue Wohlstand hat seinen Preis, besonders im Bereich der Gesundheit.

Ingo Grabowsky: In der Tat, vor allem für Privatpatienten. Denn die Gesundheitssysteme Asiens sind eben bei weitem noch nicht so stark ausgebaut wie jene in Europa oder den USA. Die staatlichen Ausgaben für Gesundheit nehmen zwar zu und die Regierungen erkennen, dass sie handeln müssen. Dennoch wird in vielen asiatischen Ländern Gesundheit noch zu einem großen Teil privat finanziert oder aber bestimmte Leistungen werden nicht von der Kasse übernommen. Der steigende Wohlstand bringt auch eine stark steigende Nachfrage nach Gesundheit mit sich. Wer es sich leisten kann – und das ist ein immer größerer Anteil der Bevölkerung – investiert privat in die eigene Gesundheit. Die chinesische Regierung trägt beispielsweise dem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen in ihrem neuen Fünf-Jahresplan Rechnung, lässt dabei aber ausreichend Spielraum für private Anbieter.

Können Sie einige Beispiele aus der Region Asien-Pazifik geben?

Ingo Grabowsky: Sämtliche Länder befassen sich damit, wie sie am besten damit umgehen und darauf reagieren, dass die Bevölkerung wächst, altert und der Bedarf im Gesundheitsbereich steigt. Es werden Kapazitäten ausgebaut und die Länder versuchen, ihre Gesundheitssysteme zu restrukturieren und effizienter zu machen. Bei der Entwicklung neuer Technologien tut sich in den asiatischen Ländern generell einiges. Mobile Health gewinnt immer mehr an Bedeutung, gerade in China. In Singapur gibt es eine „Smart Nation“-Initiative mit dem Ziel, neue Technologien so einzusetzen, dass sie die Lebensqualität der Bewohner erhöhen. Japan ist dabei, ein senioren-freundliches Umfeld zu gestalten. Ein Beispiel: Es gibt Mini-Märkte, die Fertiggerichte verkaufen, bei denen auf einer Skala von ein bis fünf angeführt ist, wie schwierig das Essen zu kauen ist. Auch Robotik kommt bei der Pflege und Hilfestellung für Ältere zum Einsatz. In Singapur geht es ebenfalls darum, Kapazitäten zu erweitern, die Gesundheitsvorsorgen auszubauen sowie neue Betreuungsmodelle einzuführen. Es wird erhoben, wie ältere Menschen, auch in den eigenen vier Wänden, besser unterstützt und betreut werden können. In Südkorea gibt es im Beauty-Bereich großes Potenzial, man kann hier durchaus schon von einem nationalen Jugend- und Schönheitswahn sprechen. Jung und aktiv zu sein, oder zumindest zu wirken, gilt in Südkorea als besonders attraktiv.

Woraus resultiert das starke Wachstum?

Ingo Grabowsky: Asiens Gesundheitsmarkt zeigt schon seit Jahren ein überdurchschnittlich hohes Wachstum. Starke Motoren für dieses Wachstum sind vor allem die eingangs erwähnten demografische Faktoren, der Aufstieg einer finanzkräftigen Mittelschicht und die Verwestlichung des Lebensstils. Die Überalterung der Bevölkerung führt dazu, dass die Zahl der chronischen Erkrankungen deutlich in die Höhe geht. Auch die laufenden Innovationen und der Aufholprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, spielen natürlich eine große Rolle. Dazu kommt ein weiterhin positives regulatorisches Umfeld. Bei den Generika etablieren sich Biosimilars und komplexe Nachahmerprodukte, im Bereich Medtech & Services entstehen neue, innovative Geschäftsmodelle zur Effizienzsteigerung.

Wie sieht dies mit Blick auf die Health-Care-Teilmärkte aus?

Ingo Grabowsky: Die größten Wachstumstraten weist Biotech mit jährlich zehn bis 15 Prozent auf. Bei den Generika gibt es einen Zuwachs in der Größenordnung von acht bis zehn Prozent, im Bereich Services liegt das Wachstum zwischen zwei und zehn Prozent. Medtech wächst mit fünf bis sechs Prozent jährlich und auch in der Pharmabranche gibt es jährliche Steigerungsraten von um die drei Prozent.

Wer profitiert am stärksten vom Ausbau der asiatischen Gesundheitsmärkte?

Ingo Grabowsky: Große Möglichkeiten bieten sich vor allem jenen, die effektive Lösungen für die bestehenden Gesundheitsprobleme anbieten können und in den Bereichen tätig sind, die langfristige Herausforderungen und Trends in den Gesundheitssystemen der asiatischen Länder darstellen. Das sind durchaus Unternehmen vor Ort, Firmen der Wirtschaftszweige Generika und Biotech. Aber auch Anbieter von Gesundheitsversicherungen und Gesundheitsdienstleistungen. Gerade der Subsektor Biotech strahlt eine große Innovationskraft aus. Mit einem weltweiten Gesamtjahresvolumen von 130 Milliarden Dollar liegt er nur noch knapp hinter Generika. Zahlreiche Krankheiten können noch nicht oder nicht ausreichend behandelt werden, es gibt also noch genügend Innovationspotenzial. Gelingt einem Unternehmen der Pharma- oder Biotechbranche bei der Forschung der Durchbruch, ist das Potenzial für Milliardenumsätze vorhanden. Und natürlich profitieren auch die Anleger unseres Lacuna Asia Pacific Health Fonds von diesem Wachstum.

Welche Daten gibt es hierzu?

Ingo Grabowsky: Es gibt Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, wonach die Bevölkerung Asiens bis zum Jahr 2045 um etwa eine Milliarde Menschen wächst. Es leben in knapp 30 Jahren dann also mehr als fünf Milliarden Menschen in Asien, heute sind es rund 4,4 Milliarden. Dabei wächst vor allem der Anteil der über 65-Jährigen in der Gesellschaft. Etwa die Hälfte der älteren Menschen der gesamten Weltbevölkerung lebt in Asien. Mit dem Alter steigt auch die statistische Wahrscheinlichkeit, an verschiedenen chronischen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes zu leiden, an Krebs zu erkranken oder einen Schlaganfall zu erleiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein über 65-Jähriger Arthritis bekommt, ist etwa fünf Mal höher als bei einem unter 44-Jährigen. In China hat sich alleine die Zahl der Diabeteserkrankten in den letzten 15 Jahren mehr als vervierfacht.

Wie schätzen Sie den chinesischen Gesundheitsmarkt ein?

Ingo Grabowsky: Prinzipiell werden die Kapazitäten und die Infrastruktur massiv ausgeweitet. Das Land nimmt sich ganz gezielt dem Thema chronische Krankheiten an, schon alleine deshalb, weil es absolut notwendig ist. Immerhin wissen etliche Chinesen beispielsweise gar nicht, dass Sie an Diabetes leiden, weil Ihnen die Diagnose noch nicht gestellt wurde. Vom Wachstum profitieren viele lokale Unternehmen. Immer mehr chinesische Firmen erkennen den medizinischen Bedarf und schaffen es, vor Ort Lösungen zu entwickeln und damit erfolgreich zu sein. Das Unternehmen Tonghua Dongbao hat es geschafft, sich erfolgreich auf dem Markt für das von Diabetes-Patienten benötigten Insulin zu positionieren und ist in einem sehr umkämpften Markt hinter dem dänischen Anbieter Novo Nordisk an zweiter Stelle. Ein weiterer großer Treiber des Gesundheitsmarktes in China ist Mobile Healthcare. So werden Smartphone-Apps zum Hauptmittel, um User und Patienten zu erreichen. Hier matchen sich viele kleine Firmen mit guten Ideen, das Zeitfenster für First Mover ist schmal. Auch große Unternehmen wie Alibaba Health, Tencent oder Xiaomi investieren massiv in diesen Bereich.

Was sollten Investoren beachten?

Ingo Grabowsky: Anleger, die selbst in Asiens Gesundheitsmärkte einsteigen wollen, benötigen sehr viel Know-how bezüglich des Investmentuniversums und seiner Unternehmen. Fehlt ihnen dieses, sollten sie alternativ auf Anbieter setzen, die über eingehende Erfahrungen auf diesen Märkten und intensive Kenntnisse ihrer Unternehmen verfügen. Denn bei allem Potenzial darf man nicht vergessen, dass es sich bei einer Region mit sehr vielen Schwellenländern um ein sehr anspruchsvolles Umfeld handelt. In diesem sind wir mit unserem Lacuna AsiaPacific Health-Fonds nun seit mittlerweile seit knapp elf Jahren aktiv. Wir haben bewiesen, dass man mit uns und einem Nischenprodukt auf dem asiatischen Markt sehr erfolgreich sein kann. Der Fonds war vier Mal der Gesundheitsfonds mit der besten Jahresperformance und wurde mehrmals für seine Top-Leistung ausgezeichnet. Seit der Fonds aufgelegt wurde, hat sich das Fondsvolumen in etwa verzehnfacht, was ihn auch für große Anleger sehr attraktiv macht. Wir sehen in ihm einen sinnvollen, Erfolg versprechenden Baustein für ein diversifiziertes Portfolio.