Kommentare & Expertenmeinungen | Kolumnen
08.10.2013

Zwei Wochen, vier Staaten, sechs Canyons und ein Baby

Im September tat ich zwei Dinge, die ich noch nie vorher in meinem Leben getan habe. Ich nahm an einer Gruppenreise teil und reiste durch die Canyonlands des Wilden Westens. Mein persönliches Prädikat: Besonders empfehlenswert.

von Bettina M. Gordon

Ich muss gestehen, ich hab eine Weltenbummlerseele. Eine ganz wunderbare, enthusiastische, liebgewonnene und zugleich unglaublich sture Weltenbummlerseele, die mich regelmäßig und beinhart aus dem eigenen Haus rauswirft. Kein Witz.

 

Kaum bin ich drei oder vier Wochen am Stück zu Hause in Washington (oder früher New York), schon fällt mir die Decke auf den Kopf und ich muss raus – für ein paar Tage oder auch länger, je nachdem, wie lange mein Mann Joshua bereit ist, sich allein um den Hund zu kümmern. Oder Joshua kommt ebenfalls mit, was seine Akzeptanz für meine Reiselust deutlich hebt. Selbst unser Hund bummelt gerne: Georgia kommt zur Freundin zur Sommerfrische (Herbst-Winter-Zwischendurchfrische), wenn wir unterwegs sind.

 

Momentan ruft mich die Welt aber ganz besonders heftig. Warum? Weil Joshua und ich – Trommelwirbel bitte, tatatataaaaa – im Winter Nachwuchs erwarten und ich ein klein wenig die Panik habe, meinen freiheitsliebenden Weltendrang für die kommenden 18 Jahre etwas einschränken zu müssen.

 

Daher habe ich Plan B ergriffen: nochmals soviel wie möglich zu reisen und das Baby schon jetzt drauf vorzubereiten, dass es abenteuerlustige Eltern/Hund hat und schon als Kleinkind eine Vielfliegerkarte haben wird. Ich wollte nochmals ab durch die Mitte, auch wenn Joshua diesmal nicht mitkommen konnte, schließlich steht ja mein Seelenheil auf dem Spiel.

 

Und für Joshuas Seelenheil (seit er weiß, dass er Vater wird, ist er schon besorgt, wenn ich nur die Straße überquere) bin ich diesmal nicht alleine losgezogen, sondern habe mich meiner allerersten Kleingruppenreise angeschlossen mit dem vielversprechenden Titel Travel Dream West. Zwei Wochen, vier Staaten und die schönsten Nationalparks im Südwesten Amerikas – Herz und Seele, was brauchst Du mehr?!

 

 

Travel Dream West wurde von der Schweizerin Helen Scholom gegründet und spricht ein internationales Publikum an, da die Touren meist zweisprachig (Englisch und Deutsch) abgehalten werden. Das passte mir sehr gut. Auf meiner Canyonlands Tour waren wir inklusive Tour Guide und professionellem Fahrer insgesamt zehn Leute aus acht Ländern: Australien/Irland, Schottland, Deutschland, Österreich/USA, England, Schweiz und Amerika.  

 

Auch vom Alter her waren wir bunt gemischt, ab 40 aufwärts. Steil aufwärts. Auch das war ok für mich, denn mit Baby-on-Bord lass ich Wildwasserfahrten, Pferdereiten oder super anstrengende Wandertouren sowieso sausen, auch wenn ich glaube, dass das australische Ehepaar – mehrfache Großeltern –mir auch ohne Schwangerschaft regelmäßig davongesaust wären, so gut waren die beiden drauf.

 

Das schönste Herz und Seele öffnende und ein Lächeln auf die Lippen bringende  Erlebnis der Reise war aber mit Sicherheit das Naturschauspiel, das sich uns täglich offenbarte. Zerklüftete Canyons mit tausenden Steinsäulen, die Wache halten, von Sturzfluten ziselierte und in Wellen geschliffene enge Schluchten mit magischem Licht, Jahrhunderte alte Stätte der Indianer in Felshänge gebaut und die endlose, karge, aufregende Weite des Westens, über die der Wind fegt und wo beeindruckende Steinformationen seit tausenden von Jahren für Menschen Zuflucht, Heiligtum und Orientierung bedeuten.

 

 

Ich bin dankbar und glücklich, eine ganze Schatzkiste an Erinnerungen mit nach Hause genommen zu haben. Und ich hoffe, dass diese Photos Ihnen heute ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen bringen und vielleicht ein wenig Sehnsucht machen, diesen wunderschönen Teil unserer Erde auch einmal selbst zu sehen. Es zahlt sich aus.

 

Bettina M. Gordon ist Journalistin und Autorin, wenn sie nicht gerade unterwegs ist. Sie ist via BettinaGordon.com und bettina (at) bettinagordon.com erreichbar.

 

 

Der Bryce Canyon im Bundesstaat Urah bietet auch im Regen einen besonderen Eindruck mit seinen tausenden Steinsäulen, die Hoodoos genannt werden, und wie stramme Zinnsoldaten über dem Land wachen. Seinen Namen hat der Canyon dem Mormonen Ebenezer Bryce zu verdanken, der sich mit seiner Familie in den 1850er Jahren dort angesiedelt hat. Als Ebenezer gefragt wurde, wie es denn so sei, in einer solch besonderen Gegend zu leben, antwortete der Pionier in guter, alter Siedlermanier: "Es ist ein höllischer Platz, um eine verloren gegangene Kuh wieder zu finden."

 

 

Natur, Natur, Natur, soweit das Auge reicht. In unserer ersten Reisewoche gab es untypisch viel Regen, was uns weitere Naturschauspiele bescherte.

 

 

Ebenfalls in Utah, nahe dem Städtchen Moab, befindet sich der Dead Horse National Park mit einem tollen Blick auf den Colorado River. In dem Park wurde übrigens die allerletzte Szene des Kassenschlagers Thelma & Louise im Jahr 1991 gefilmt, als die beiden Hauptdarstellerinnen wählen, lieber über die Klippen zu fahren, anstatt sich zu ergeben.

 

 

Ist es der Goblin State Park, oder sind wir doch auf dem Mars gelandet? Der Park der Kobolde ist ein außerirdisches Erlebnis für sich, denn die Steinwinzlinge sehen tatsächlich oft wie Kobolde aus, die bei Tags versteinert in der Sonne stehen, bei Nachts aber vielleicht die Gegend unsicher machen.

 

 

Seit Tausenden Jahren haben Amerikas Ureinwohner auf dem Kontinent gelebt und ihre Spuren hinterlassen. Dies sind die Wandmalereien im Sego Canyon, wo die Petroglyphen besonders interessante Figuren zeigen. Wer an Außerirdische glaubt, der kann in diesen Bildern leicht welche erkennen - so die Meinung vieler Besucher.

 

 

Einer der schönsten Nationalparks ist meiner Meinung nach der Arches National Park, ebenfalls im Bundesstaat Utah gelegen. Besucher finden über 2.000 dieser natürlichen Sandsteinbögen und der Park ist eine Attraktion, was in anderen Worten bedeutet: viele Busse, viele Menschen. Reisen Sie daher früh am Morgen in den Park oder genießen Sie den Sonnenuntergang am weltbekannten Delicate Arch, was wir vorgehabt hätten, wäre die Straße dorthin nicht auf Grund der Regenfälle gesperrt gewesen.... ein Grund wieder zu kommen!

 

 

Die berühmten Cliff Dwellings, die Felsenbehausung, der Anasazi Indianer, die in Mesa Verde (Bundesstaat Colorado) in den Jahren 600 bis 1.300 wohnten und dann plötzlich, fast über Nacht, ihre Heimat verliessen und aus der Geschichte verschwanden. Sie sollen die Vorfahren der PueblO Indianer sein. Es gibt über 4.000 archäologische Ausgrabungen und mehr als 600 dieser Cliff Dwellings in Mesa Verde, einem UNESCO Welterbe. Was Sie hier sehen ist der Cliff Palace, unsere Gruppe ist in das Balcony House hinabgestiegen. Die Touren sind alle von lokalen Park Rangern geführt.

 

 

Das magische Licht des Antelope Canyons in Arizona hat mich in seinen Bann gezogen! Die Wände des Canyons wurden von Sturzfluten fein ziseliert und in Wellen geformt, die dem Canyon seinen eigenen Charakter geben. Das Licht der einfallenden Sonne macht aus dem Canyon einen fast mystischen Ort - der allerdings auch lebensgefährlich sein kann. Im Jahr 1997 sind elf Touristen im Canyon ums Leben gekommen, da sie die Warnungen vor einer Flutwelle nicht ernst nahmen und nicht auf den lokalen Navajo Führer (der Canyon ist nur mit autorisierten Guides zu besichtigen) hörten. Seitdem wurden die Sicherheitsvorschriften nochmals verstärkt.

 

 

Eine wohlverdiente Pause am Nordrand des ganz Großen, dem Grand Canyons in Arizona! Die meisten der jährlich fünf Millionen Besucher sehen den Grand Canyon vom Südrand aus, ein Blick, den viele auch von Fotos kennen. Die Nordseite liegt fast 2.000 Fuß höher und anstatt der kargen Hochwüste des Südens bot uns der Nordrand eine Wanderung durch Wälder und grüner Vegetation, bevor wir von der Terrasse der Northrim Lodge diesen Ausblick genießen konnten. Die oberste Steinformation des Grand Canyons ist etwa 250 Millionen Jahre, die Grundformation des Bodens in etwa 1,8 Milliarden Jahre alt. Das gibt ein erhebendes Gefühl der Ewigkeit.

 

 

Eines der schönsten Erlebnisse der Reise hatte ich im Monument Valley, wo wir eine Nacht in der Navajo Reservation verbrachten und in einer traditionellen Lehmhütte, genannt Hogan, übernachteten. Es war eine klare Vollmondnacht mit indianischer Musik und Tradition - bitte Augen offen halten für einen meiner nächsten Beiträge, der allein diesem Erlebnis gewidmet ist.

 

 

 
Es ist nicht mehr zu leugnen: Baby-on-Board! Wir stehen inmitten der bekannten Four Corners, jenem Punkt, wo die Bundesstaaten Utah, Colorado, Arizona und New Mexico zusammen kommen. Die Four Corners Region gehört zum Großteil der semi-autonomen Indianer Nationen der Navajo, Hopi, Ute und Zuni. Und wenn Ihnen jetzt ein guter indianischer Name für mein Baby einfällt, dann lassen Sie es mich bitte wissen :-)