Meldungen | Banken, Marktkommentar
08.06.2012

„Sollte Europa bei der Bankenrettung wie die USA vorgehen?“

Anthony Gillham, Portfoliomanager Anleihen, Skandia Investment Group plädiert für die Rettung der Banken in Südeuropa durch den ESM.

Die Europäische Zentralbank hat es abgelehnt Spanien die Stützung seiner Großbank Bankia mit 19 Mrd. Euro zu finanzieren. Die Begründung: Der Schritt könnte EU-Recht brechen, welches der Notenbank untersagt haushaltspolitisch aktiv zu werden.
Die Weigerung ist wenig hilfreich. Spanien und die EU müssen endlich mit einem konsistenten Plan aufwarten, der besagt wie sie Kapital in ihre Banken bekommen wollen und wie die Märkte beruhigt werden sollen. Jedoch gibt es statt einem Plan nur wieder Worte des Bedauerns. Die Bankenkrise in den Griff zu bekommen ist das Schlüsselproblem für die Eurozone. Kreditinstitute sind entscheidend, weil sie über die Kreditvergabe der Transmissionsriemen der Geldpolitik in die reale Wirtschaft sind. Dieser Mechanismus funktioniert derzeit nicht und diese Situation ist besonders akut bei spanischen Banken. Denn sie haben noch eine Menge notleidender Bilanzposten in den Büchern stehen, die vom letzten Immobilienboom des Landes übrig geblieben sind.

Nur frisches Kapital würde es den Banken erlauben aus der Phase der reinen Bilanzreparatur wieder in den Normalmodus der Kreditvergabe zurückzufinden, was dann volkswirtschaftliches Wachstum anschieben würde. Gerade wegen der strengen Sparprogramme in zahlreichen EU-Ländern ist genau dies wichtig. Die von Bankia benötigten 19 Mrd. Euro sind sicherlich keine unwesentliche Summe, aber sie würde vermutlich die Eigenkapitalausstattung des Finanzkonzerns wieder auf ein normales Niveau bringen.
Europäische Töpfe sind durchaus groß genug um für die Rekapitalisierung der Banken aufkommen zu können. Italienische und spanische Banken könnten wahrscheinlich allein mit den Mitteln des Europäischen Stabilitäts-Mechanismus (ESM) versorgt werden, so wie es das TARP-Programm der US-Regierung für amerikanische Banken geleistet hat. In den USA scheint die Reparaturaktion gut funktioniert zu haben. Das wirtschaftliche Wachstum ist wieder da, wenn auch gering. Der schlichte Grund dafür ist, dass die Banken TARP nutzen durften.
Gibt es also einen besseren Weg das Schuldenproblem in Europa unter Kontrolle zu bringen als über die Kapitalisierung der Banken der Region wieder Wachstum einzuhauchen?