Meldungen | Aktien, Marktkommentar
30.08.2013

„Wir sind weiter optimistisch“

Sanjay Natarajan, Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS, bevorzugt derzeit US-Aktien und warnt davor, die Emerging Market pauschal negativ zu beurteilen.

Sanjay Natarajan, Fondsmanager bei MFS

Sanjay Natarajan, Fondsmanager bei MFS

Foto: MFS

Trotz der jüngsten Beruhigungsversuche von Notenbankchef Ben Bernanke blieben die Aktienmärkte nervös. Obwohl die Volatilität etwas erhöht ist, schätzen wir Aktien aufgrund ihrer günstigen Bewertungen und der besseren Aussichten für die Weltwirtschaft auf lange Sicht weiter optimistisch ein. Dabei bevorzugen wir nach wie vor die Industrieländer und hier insbesondere die USA gegenüber den Emerging Markets sowie rohstoffabhängigen Märkten. Rohstoff- und Grundstoffwerte leiden unter dem hohen Rohstoffangebot, dem stärkeren US-Dollar und dem schwächeren Wachstum der Emerging-Market-Länder.

USA wachsen noch unterdurchschnittlich

Steigende Realrenditen und eine fallende Inflation sind traditionell gut für Aktien, handelt es sich doch um Anzeichen für ein stärkeres Wachstum. Am besten entwickeln sich die Aktienmärkte meist, wenn sich die Langfristrenditen bei etwa 3,5 % bis 4,5 % einpendeln. Trotz des guten Arbeitsmarktberichts und einiger anderer überraschend guter Konjunkturdaten wächst die US-Wirtschaft noch immer unterdurchschnittlich. Daher wird die Fed ihre Leitzinsen vermutlich später erhöhen, als es viele Marktteilnehmer zurzeit erwarten. In dieser Übergangsphase könnten defensivere Sektoren hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben – beispielsweise Konsumverbrauchsgüter und Gesundheitswerte. Wenn sich dann die Konjunkturdynamik auf längere Sicht verbessert, spricht einiges für Qualitätstitel. Dazu zählen Aktienwerte aus dem Konsumgebrauchsgütersektor, dem Finanzsektor und dem Technologiebereich. Die Konsenserwartungen für Konsumgebrauchsgüter und Finanzwerte sind mit 11% bzw. 20% bereits sehr hoch.

Emerging Markets: Exportunternehmen bevorzugt

Die Schwellenländer haben unter dem jüngsten Renditeanstieg am stärksten gelitten. Traditionell ziehen Investoren Liquidität aus den Emerging Markets ab, wenn US-Aktien steigen, was wiederum Auswirkungen auf das Kreditwachstum hat. Deutlich werden aber auch die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten und Sektoren. Rohstofflastige Länder sowie Länder mit höheren Dollarschulden beziehungsweise Leistungsbilanzdefiziten sind am stärksten betroffen. Zu diesen zählen etwa Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika. Die Kombination aus der erwarteten Rückführung der Anleihekäufe der Fed und schwächerem Wachstum hat die Kapitalkosten steigen lassen. Dadurch sind die Kurse von EM-Aktien noch weiter zurückgegangen.

Die Folge war, dass die Gewinnrevisionen in den meisten Sektoren negativer geworden sind. Zweifellos sind das keine guten Zeichen, doch sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Es gibt einige sehr solide Unternehmen, die interessante Kaufkandidaten sind. Mittlerweile dürften einige Sektoren schon allein deshalb recht widerstandsfähig sein, weil sie einen Großteil ihres Umsatzes außerhalb der Heimatmärkte erzielen. Hierbei denken wir an Software-, Medien- und Technologiefirmen.

Europa stabilisieren sich die Margen

Europa und Japan sind von den Tapering-Erwartungen weniger betroffen, da hier die eigenen Themen dominieren. Natürlich gibt es nach wie vor Risiken, wie der jüngste Renditeanstieg in Portugal gezeigt hat. Aber auch in Europa und Japan lassen wir uns bei unseren Anlageentscheidungen vor allem von möglichen Wendepunkten leiten. In Europa sind die Gewinnrevisionen weiterhin negativ (-7 % seit Jahresbeginn), doch stabilisieren sich allmählich die Margen. Auch gibt es eine Reihe anderer positiver Zeichen. Die Investorenstimmung ist noch immer sehr negativ (ein Kontraindikator). Die EZB und die Bank of England scheinen zu einer noch expansiveren Geldpolitik bereit. Und viele regelmäßig erhobene Konjunkturdaten verbessern sich. Noch immer sollten Investoren vor allem auf Qualitätsunternehmen mit US-Bezug setzen. Im Vergleich zu Japan erscheinen einige Sektoren attraktiv. Insbesondere Finanzwerte profitieren von der Konjunkturerholung und der Expansion im Ausland.

In Japan haben sich die beiden ersten Phasen der Abenomics positiv ausgewirkt. Die Konjunktur macht Fortschritte, die Gewinne steigen und der Yen wertet ab. Sorgen macht uns aber vor allem die dritte Phase: die langfristigen Strukturreformen. Es ist unsicher, ob die Ziele gehalten werden. Doch sobald Klarheit herrscht, können wir fundierte Anlageentscheidungen treffen.