Meldungen | Marktkommentar, Rohstoffe
04.07.2017

Abflüsse aus Gold-ETPs so hoch wie zuletzt Ende 2016

Jan-Hendrik Hein, Head of German Speaking Regions bei ETF Securities, kommentiert zu den Rohstofftrends der letzten Monate und zu einigen Hintergründen.

Jan-Henrik Hein, Director ETF Securities

Jan-Henrik Hein, Director ETF Securities

Foto: ETF Securities

Wir verzeichneten in der letzten Woche nach den restriktiven Äußerungen der EZB und der BoE und den unerwartet hohen Inflationsdaten in Deutschland bei Gold-ETPs Abflüsse in Höhe von 160 Mio. US-Dollar. Da eine Normalisierung der Geldpolitik erwartet wird, nahm die Risikobereitschaft zu und bei Staatsanleihen kam es zum Abverkauf. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg die Rendite um 12 Basispunkte, bei zehnjährigen europäischen Staatsanleihen, die den höchsten Stand seit Dezember 2015 erreichten, waren es im Schnitt sogar 21 Basispunkte. Im Januar 2017 hatten wir für das Jahresende einen Goldpreis von 1230 US-Dollar/Unze. prognostiziert. Da Gold in der letzten Woche unter 1250 US-Dollar fiel, folgt die Entwicklung bisher weitgehend der Prognose. Mit dem allmählichen Anstieg der globalen Realzinsen dürften die Goldpreise weiter abwärts in Richtung 1230 US-Dollar tendieren, auch wenn das Abwärtsrisiko der Goldpreise von den graduellen Zinsanhebungen und den bestehenden Extremrisiken begrenzt wird. Obwohl der US-Dollar gegenüber anderen Währungen jüngst Schwäche zeigte, wird ihm das Umfeld der steigenden Zinsen in der zweiten Jahreshälfte zuträglich und Gold abträglich sein.

Industriemetall-ETFs verzeichneten in der Woche mit 55 Mio. US-Dollar die höchsten Zuflüsse. Der amtliche Einkaufsmanagerindex Chinas für das fertigende Gewerbe, der am letzten Freitag von 51,2 im Mai auf 51,7 im Juni stieg, überraschte. Laut den Teilkomponenten des Index wurde das fertigende Gewerbe von der steigenden Auslandsnachfrage gestützt, da die Exportaufträge stark zunahmen und es Signale gab, dass auch die Inlandsnachfrage stieg. Trotz der sich aufhellenden Stimmung in der Industrie legten die Metallpreise nur 2,3 Prozent zu, da die schwachen asiatischen Aktienmärkte ein Gegengewicht bildeten.

Rohöl-ETPs zogen in der letzten Woche Gelder in Höhe von 24 Mio. US-Dollar an. Die Rohölpreise stiegen um 6 Prozent, als Brent und WTI am letzten Freitag trotz der überraschenden Zunahme der US-Lagerbestände 47,5 US-Dollar bzw. 44,9 US-Dollar pro Barrel erreichten. Die US-Energieinformationsbehörde hatte einen Anstieg der US-Bestände um 118.000 Barrel gemeldet. Die Preiszuwächse waren daher eher eine Folge der rückläufigen Ölförderung in den USA um 100.000 Barrel pro Tag in der Woche zum 19. Juni. Womöglich handelt es sich nur um einen einmaligen Preisschock, da sich die Produktionsunterbrechung im Golf von Mexiko während des tropischen Sturms Cindy vor zwei Wochen auswirkte.