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15.04.2014

Absicherung oder Verlustgeschäft?

Die Lebensversicherung wird nach wie vor als Altersvorsorge und als sichere Anlageform gesehen, besagt eine neue Umfrage des Versicherungsverbands. Der VKI warnt hingegen vor neu abgeschlossenen Verträgen, vor allem wegen teilweise hoher Spesen.

Manfred Rapf, Vorstand S-Versicherung

Manfred Rapf, Vorstand S-Versicherung

Foto: VVO/Hautzinger

In Österreich gibt es rund 9,8 Mio. abgeschlossene Lebensversicherungsverträge. Den höchsten Anteil macht dabei die klassische Lebensversicherung mit rund 7 Mio. Verträgen aus. Dem gegenüber stehen rund 2,8 Mio. fondsgebundene Lebensversicherungsverträge. Damit zählen die Lebensversicherungen gemeinsam mit Sparbüchern und Bausparverträgen zu den Topsellern unter den Finanzprodukten. Die Begeisterung scheint aber immer mehr abzunehmen, denn die Zahl der Verträge ging in den letzten Jahren zurück. Hinzu kommt die Kritik von Konsumentenschützern an den hohen Kosten, die angeblich die versprochenen Renditen wieder auffressen. Denn von den eingezahlten Prämien wird nur die Summe nach abgezogenen Kosten veranlagt, die so genannte Sparprämie. Diese kann je nach Anbieter recht unterschiedlich ausfallen. Auf die Sparprämie bezieht sich auch der gesetzliche Garantiezins von derzeit 1,75%.

Es ist also kein Zufall, wenn die Branche versucht, wieder Stimmung für ihr stärkstes Produkt zu machen. Der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) hat zuletzt eine Umfrage zum Thema beim GfK-Institut in Auftrag gegeben, und gefragt, was die Kunden denn erwarten. Die Gründe warum Österreicherinnen und Österreicher eine Lebensversicherung abschließen, sind demnach in erster Linie mit den Aspekten Pensionsvorsorge für eine lebenslange Rente (42%), finanzielle Absicherung für die Familie bzw. Hinterbliebenen im Todesfall (29%) und Vermögens- bzw. Kapitalaufbau für die Zukunft (28%) verbunden. Für mehr als die Hälfte der Befragten (52%) ist die garantierte Leistung das zentrale Kriterium beim Abschluss einer Lebensversicherung. Die gleiche Relevanz hat der Faktor Sicherheit in der Veranlagung der eingezahlten Prämien, der für fast jeden Zweiten (46%) ausschlaggebend ist. „Diese Zahlen unterstreichen einmal mehr, welch besonderes Augenmerk in Österreich auf Sicherheit und Garantie gelegt wird, wenn es ums Vorsorgen und Veranlagen geht“, sagte Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Lebensversicherung im VVO, bei der Präsentation der Ergebnisse. „Zwei wesentliche Kriterien, die ausschließlich die klassische Lebensversicherung als Vorsorgeprodukt in sich vereint“.

Sicherheit ist wichtiger als hohe Rendite

Bei der klassischen Lebensversicherung besteht der Anspruch auf die volle, vereinbarte Versicherungssumme auch schon nach der Einzahlung einer einzigen Prämie. Die Prämien dienen nicht nur dem Aufbau von Kapital, sondern decken auch die Kosten des Lebensrisikos ab. Im Erlebensfall hat der Versicherte auf Wunsch Anspruch auf eine lebenslange Rente ohne Rücksicht auf die Lebensdauer. Die Höhe der Rendite ist für die meisten Kunden zweitrangig, meint man beim VVO, und fühlt sich von der Umfrage bestätigt: Demnach ist eine möglichst hohe Rendite nur für 20% der Befragten als wesentliches Motiv für den Abschluss einer Lebensversicherung entscheidend.

Trotz der hohen Zahl an Verträgen habe Österreich im europäischen Vergleich immer noch einen enormen Nachholbedarf in der Durchdringung der Lebensversicherung, erklärte Rapf: „Während im westeuropäischen Durchschnitt rund 4,5% der Wirtschaftsleistung in die private Lebensversicherung fließen, sind es in Österreich mit 2,1% weniger als die Hälfte. Damit positioniert sich Österreich als klares Schlusslicht Westeuropas.“

Kritik an geringen Sparprämie

Wenn es nach dem Verein für Konsumenteninformation geht, wäre mehr Interesse an den Lebensversicherungen gar nicht wünschenswert, denn neu abgeschlossene Verträge seien zum Nachteil der Kunden. „Nur zwischen 70% bis 90% des eingezahlten Kapitals wird von der Versicherung veranlagt“, sagte Gabi Kreindl vom VKI gegenüber der „Presse“ und bekräftigt damit die Kritik der bisherigen VKI-Tests. Abgezogen werden Abschluss- und Verwaltungsgebühren und an den Staat geht die Versicherungssteuer. Es könne daher vorkommen, dass Kunden nach dem Ende der Laufzeit mit weniger Kapital aussteigen, als sie eingezahlt haben. „Wir kritisieren seit Jahren die hohen Kosten. Die Versicherungen sagen immer, dass sich hier etwas ändern wird. Doch bislang ist davon wenig zu bemerken“, klagt Kreindl. Manfred Rapf kann diese Zahlen nicht nachvollziehen und kontert, das er vom VKI keine genauen Daten zu den berechneten Beispielen erhalten habe. Wie hoch die übliche Sparprämie denn tatsächlich sei, kann er für die Branche allgemein nicht sagen, aber in seinem Unternehmen, der S-Versicherung, komme man auf mindestens 90%.

Garantiezins wird weiter sinken

Eine weitere Quelle der Verunsicherung ist die Garantiezinsdebatte in Deutschland, der sich auch Österreich nicht ganz entziehen kann. Die Entscheidung der europäischen Zentralbank, das Zinsniveau niedrig zu halten, lässt die Sorgen steigen, dass die Versicherungen den garantierten Zinssatz auf lange Sicht nicht mehr erzielen können. „Die österreichische Versicherungswirtschaft ist mit jener in Deutschland nicht eins zu eins vergleichbar“, betont Rapf. „In Deutschland lag das Garantiezinsniveau vor allem im Bereich der Rentenversicherung über einen viel längeren Zeitraum bei 4% als in Österreich, d.h. der durchschnittlich von österreichischen Anbietern zu erwirtschaftende Ertrag, um die abgegebenen Garantieversprechen einhalten zu können, liegt mehr als einen halben Prozentpunkt niedriger als in Deutschland.“ Der durchschnittliche Garantiezinssatz über alle Deckungsstöcke liegt in Österreich per Jahresende 2013 bei 2,8%. „Fakt ist, dass die österreichischen Versicherungen im Branchendurchschnitt trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase per Jahresende 2013 eine Gesamtverzinsung von 3,25% geboten haben, womit sie auch deutlich über dem aktuellen Sparzinsniveau liegen“, so der Branchenvertreter. Der Garantiezins werde 2015 voraussichtlich weiter auf 1,5% sinken, die Diskussion sei darüber schon im Gange.

 

 

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