Meldungen | Marktkommentar
30.05.2018

Afrikanische Anleihen übergewichten!

Mehr Rendite als etablierte Schwellenländer und kaum Korrelation mit anderen Märkten, das spricht für afrikanische Staatsanleihen, meint Claudia Calich, Managerin des M&G Emerging Market Bond Fund

Claudia Calich, Fondsmanagerin M&G

Claudia Calich, Fondsmanagerin M&G

Foto: M&G

Die so genannten Frontier Markets, die in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung unterhalb der klassischen Schwellenländer rangieren, spielen in den Portfolios der meisten Anleger noch eine untergeordnete Rolle. Politische und finanzielle Risiken sind oft groß – doch manche dieser Länder entwickeln ihre ganz eigene Erfolgsstory, die auch für Anleger spannend sein kann. Etwa in Afrika: Dort sind vor allem Ägypten und Nigeria interessant. Ägypten ist ein gutes Beispiel für eine aufstrebende Marktwirtschaft, die die Phase der Stabilisierung schon überwunden hat und sich jetzt im Aufschwung befindet. Anzeichen dafür sind gesunde Erholungssignale, wie eine aufwertende Währung und sinkende Inflationserwartungen. Eine geringe Inflation erhöht zudem die real erzielbaren Renditen für Investoren und erlaubt es der Notenbank, die Zinsen zugunsten der Privatwirtschaft niedrig zu halten. Genau diese Kriterien verbessern aktuell die Anlageperspektiven im Land der Pyramiden, Ägypten macht Fortschritte im Reformprozess, die Inflation sinkt, der Tourismus kehrt zurück und die Wachstumsprognose für dieses und nächstes Jahr liegt bei jeweils mehr als vier Prozent. Für ihren Fonds habe sie sowohl in Staatsanleihen in ägyptischen Pfund als auch in harter Währung investiert.

Südlich der Sahara macht inzwischen Nigeria mit einer positiven Entwicklung der Wirtschaft auf sich aufmerksam. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern ist die Verschuldung niedrig, die Wirtschaft ist unterstützt durch den stärkeren Ölmarkt weiter aus der Rezession herausgekommen. Banken haben notleidende Aktiva, vor allem im Ölsektor, restrukturiert und können sich jetzt wieder auf die Qualität ihrer Kreditbücher und ihre Rentabilität konzentrieren. Außerdem hat sich die Liquidität der nigerianischen Währung Naira verbessert. Allerdings muss man die wirtschaftliche Erholung genau beobachten, auch weil Nigeria eines der niedrigsten Steueraufkommen in Afrika hat.

Daneben halte ich Anleihen der Elfenbeinküste sowie aus Senegal und Ghana für interessant. Im M&G Emerging Markets Bond Fund haben wir Anleihen aus Afrika übergewichtet und 13,8% in der Sub-Sahara-Region investiert, im Vergleich zur neutralen Position von 7,6%. Nigeria hat daran mit 3% den höchsten Anteil. Nordafrika und der Nahe Osten machen 12,1 % aus, verglichen mit einer neutralen Gewichtung von 8,4%. Frontier Markets können Investoren deutlich höhere Renditechancen eröffnen, die zudem mit dem Gesamtmarkt kaum korrelieren – eine umfassende Due Dilligence aller Anleihechancen und -risiken vorausgesetzt. Häufig weisen diese jungen Anlagemärkte noch keine oder nur eine begrenzte Erfolgsbilanz auf, da bislang kaum Anleihen fällig geworden seien. Für dieses spezielle Risiko bieten Frontier Markets aber oft einen höheren Renditeausgleich als bereits etablierte Schwellenländer.