Meldungen | Anlegerschutz, Investmentfonds
14.08.2013

AK-Studie: Fonds-Infoblätter wenig hilfreich

Die von der EU eingeführten KIDs erfüllen ihre Aufgabe zumeist nicht, behaupten die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer. Verantwortlich seien dafür nicht nur die Fondsgesellschaften.

Seit etwa einem Jahr gibt es sie zu jedem Investmentfonds, die Kundeninformationsdokumente (kurz: KID), die laut EU-Richtlinie vorgeschrieben sind. Nicht länger als zwei A4-Seiten und leicht verständlich sollen sie das Wichtigste über den jeweiligen Fonds verraten. Eine gute Entscheidungsgrundlage für den Anleger sei sie in der Praxis nicht, behauptet die Arbeiterkammer Wien, die sich für eine Studie 40 solcher KIDs von zehn österreichischen Anbietern näher angeschaut hat. Die Erläuterungen seien in der Regel zu allgemein oder beinhalten nicht die Informationen, die für eine Risikoeinschätzung notwendig sind, kritisieren die Autoren. „Ein Hauptgrund für die viel zu wenig konkreten Angaben liegt in der KID-Verordnung selbst begründet, die eine Vielzahl an Erklärungen und Hinweisen vorschreibt, die wortgetreu anzugeben sind“, so eine ihrer Befunde. Aber auch die KAGs selbst tragen zur Verwirrung bei, meint Mitautor Christian Prantner: „Bei der grafischen Darstellung der bisherigen Wertentwicklung eines Fonds wurden verschiedene Skalierungen verwendet, sodass ein otpischer Vergleich der KIDs nicht möglich ist. Hier gibt es die Möglichkeit, dass Verbraucher, Anleger, irregeführt werden.“

Für Unverständlichkeit sorgen zudem viel zu lange und verschachtelte Sätze, die jede Menge Fachbegriffe beinhalten. Kein analysiertes Dokument konnte als gut verständlich eingestuft werden. Im Durchschnitt reichten die Dokumente auf Basis des standardisierten Hohenheimer-Index (20 = sehr gut verständlich, 0 = unverständlich) einen Wert von 6,02 – das ist nur etwas mehr als die Hälfte des angestrebten Wertes von 10. Das beste KID hat 8,12 und das schlechteste einen Index von 4,26. Auch bei der Übersichtlichkeit der Layouts gab gelungene bis mangelhafte Ausführungen. Die Autoren empfehlen jedenfalls den Banken und unabhängigen Finanzberatern, dass sie die KIDs gemeinsam mit den Kunden durchgehen, denn alleine würde ein Laie daraus nicht schlau.

Von Seiten der KAGs ist hingegen immer wieder vom hohen Aufwand zu hören, den die KIDs verursachen, da auch für jede Anlageklasse ein eigenes KID verpflichtend ist. Hier dürfte wohl auch einer der Gründe liegen, warum allgemeine und phrasenhafte Texte dominieren. Dietmar Rupar, Generalsekretär der Verbands der österreichischen Investmentgesellschaften, betont in einer ersten Reaktion, dass "es das Kundeninformationsdokument bedauerlicherweise nur bei Investmentfonds gibt". Bei anderen Kleinanlegerprodukten gäbe es nämlich gar keine Verpflichtung, solche zu erstellen. "Die Investmentfonds sind mit Ihren KIDs jedenfalls weiter als die meisten Mitbewerber. Der Fokus sollte nun beim Nachziehen dieser Anbieter liegen und nicht bei der endlosen Perfektionierung ausschließlich im Investmentfondsbereich", fordert Rupar.

 

Die Studie zum Nachlesen in der Kurzfassung