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23.04.2020

Alle Menschen müssen gleichermaßen Zugang zu Trinkwasser erhalten

Eine der größten Herausforderungen für Nachhaltige Entwicklung stellt die zunehmende Wasserverknappung dar, die sich durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und Klimawandel ergibt. Dies berichtet der Fachbeirat „Ökoworld Water for Life“ und verweist auf die „World Water Week“, die im vergangenen Jahr in Stockholm stattfand. Im Fokus: Die sozialen Auswirkungen der Wasserverknappung und mögliche Gegenmaßnahmen.

Sauberes Wasser

Sauberes Wasser

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Wasserverknappung hat mit dem quantitativen Management und der gerechten Verteilung der verfügbaren Wasserressourcen zu tun. Dies gilt gerade auch angesichts der in vielen Regionen immer größeren Unberechenbarkeit von Niederschlagshäufigkeiten und -intensitäten als Folge des Klimawandels. Dies berichtet der Fachbeirat „Ökoworld Water for Life“ des Fondsanbieter Ökoworld. Das Ziel, allen Menschen gleichermaßen Zugang zu Trinkwasser zu verschaffen, ist eines der Sustainable Development Goals, kurz SDGs, der Vereinten Nationen. Dabei geht es auch um die Aufrechterhaltung bzw. um die Verbesserung der Qualität der knapper werdenden Ressourcen. Hier ergeben sich aber zunehmend größere Probleme – wie der Fachbeirat im Folgenden ausführt.

Qualität der Grundwasserressourcen aufrechterhalten

Den weit überwiegenden Teil der zugänglichen Süßwasserressourcen machen Grundwasservorkommen aus (ca. 30 Prozent des Süßwassers; 69 Prozent ist unzugängliches Gletscher- und Permafrostwasser). In Deutschland werden rund 60 Prozent des genutzten Wassers aus Grundwasser gewonnen. Die Erhaltung und die Aufrechterhaltung der Qualität der Grundwasserressourcen sind neben deren nachhaltiger Nutzung (nur erneuerbare Vorkommen dürfen genutzt werden) von herausragender Bedeutung. Qualitätsbetrachtungen sind aber auch für Oberflächenwasser erforderlich, aus dem in Deutschland rund 30 Prozent des Trinkwassers gewonnen werden.

Wachsende Wasserverantwortung

Ein wesentlicher Aspekt, der auch bei der „World Water Week“ eine wichtige Rolle spielte, ist die größer gewordene Wasserverantwortung aller, die intensiv Wasserressourcen nutzen. Dazu zählen vor allem auch Unternehmen aus Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft und Kraftwerke. Es ist erforderlich, dass alle Unternehmen die Verantwortung für Wasserressourcen und deren Management über die Unternehmensstandorte hinaus auf die Wassereinzugsgebiete ausdehnen, die durch ihre Tätigkeit betroffen sind. Auch dies gilt nicht nur für die Entnahmemengen (Quantität), sondern auch im Hinblick auf die Qualität der Wasserressourcen. Dabei geht es um die Vermeidung der Belastung von Oberflächengewässern und Böden durch Schadstoffe, damit diese nicht ins Grundwasser bzw. Trinkwasser gelangen.

Zu hoher Fleischkonsum belastet Grundwasser

Ein nach wie vor nicht gelöstes Problem für die Trinkwasserversorgung stellt die Belastung des Grundwassers durch Nitrat in Regionen mit intensiver Massentierhaltung dar. Nicht gelöst ist das Problem deshalb, weil die Hauptursache, der zu hohe Fleischkonsum, nicht angegangen wird.

Die Trinkwasserverordnung in Deutschland schreibt einen Nitrat-Grenzwert von 50 mg/Liter vor. Dieser wird an zahlreichen Grundwasser-Messstellen überschritten, z.T. bereits seit mehr als 25 Jahren. Deutschland wurde daher 2018 vom Europäischen Gerichtshof wegen Verstoßes gegen die EU-Nitratrichtlinie verurteilt.

Nitrat ist eine Gefahr für den menschlichen Organismus

Nitrat kann im menschlichen Organismus in Nitrit umgewandelt werden, was besonders für Säuglinge eine große Vergiftungsgefahr darstellt. Zudem können aus Nitrit organische Verbindungen entstehen (Nitrosamine), die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Nitrat gelangt über verschiedene Wege ins Grundwasser. Haupteintragspfad ist übermäßige Düngung, meist mit Gülle aus der Massentierhaltung, z.T. aber auch durch Düngung mit Mineraldünger z.B. beim intensiven Maisanbau. Pflanzen können nicht den gesamten Stickstoff aufnehmen, der in die Böden eingebracht wird. Die Nitratwerte, die wir heute im Grundwasser sehen, sind die Auswirkungen der Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte. Es dauert teilweise viele Jahre, bis das Sickerwasser aus überdüngten Böden ins Grundwasser gelangt.

Nitrateintrag ist steigender Kostenfaktor für Wasserversorger

Für Wasserversorger stellt der übermäßige Nitrateintrag ein großes Problem dar. Denn für jedes Kilogramm Stickstoff, das aus dem Wasser entfernt werden muss, fallen laut einer Studie Kosten von fünf bis 15 Euro an. Ausgehend von dieser Zahl schätzen Experten die Kosten durch übermäßige Nährstoffausbringung künftig in Deutschland auf acht bis 25 Milliarden Euro pro Jahr. Zudem ist davon auszugehen, dass sich das natürliche Nitratabbauvermögen von Grundwasserleitern zunehmend verringert und das Problem dadurch immer größer wird.

Zunehmende Belastung von Oberflächengewässern und Grundwasser

Ein weiteres Problem für die Trinkwasserversorgung stellt in zunehmendem Maße die Belastung von Oberflächengewässern und z.T. auch des Grundwassers mit z.B. Arzneistoffen, Industriechemikalien und Pflanzenschutzmitteln dar. Zwar lassen sich diese Spurenstoffe – es handelt sich um Gemische zahlreicher verschiedener Substanzen – mit technischen Verfahren (oxidative Verfahren, Aktivkohle, Membranfiltration) aus dem Rohwasser, das für die Trinkwasseraufbereitung verwendet wird, entfernen. Jedoch müssten auch bei solchen Stoffen vorrangig die Ursachen angegangen werden: Erstens müssten Risikostoffe rechtzeitig als solche erkannt und ihr Einsatz im Zweifel vermieden werden (Vorsorgeprinzip). Zweitens müssten Emissionen stärker begrenzt werden oder besser ganz unterbleiben. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass die genannten technischen Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung weltweit überhaupt nur in wenigen Ländern verfügbar sind.

Zu den Autoren

Bei der Beobachtung und Bewertung der weiteren Entwicklung im Wasser- bzw. Klimasektor und bei der Einschätzung von Produkten und Technologien wird ÖKOWORLD für die Fonds ÖKOWORLD WATER FOR LIFE und ÖKOWORLD KLIMA durch einen dreiköpfigen wissenschaftlichen Fachbeirat unterstützt.

 

Die Mitglieder:

 

 

Prof. Dr. Gerald Haug - Direktor der Abteilung Klimageochemie im Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz

 

 


Dr.-Ing. David Montag - Oberingenieur am Institut für Siedlungswasserwirtschaft der RWTH Aachen

 

 


Prof. Dr.-Ing. Harald Bradke - Leiter des Competence Center Energiepolitik und Energiesysteme des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe