Meldungen | Versicherungen
15.03.2017

Allianz Österreich wächst trotz schrumpfendem Markt

Der Versicherungskonzern konnte die Prämieneinnahmen leicht steigern, was vor allem der Sparte Schaden-Unfall zu verdanken war. Die der laufende strategische Prozess soll diesen Trend für die Zukunft absichern.

Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender Allianz Gruppe Österreich

Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender Allianz Gruppe Österreich

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Im Vergleich mit der Versicherungsindustrie darf sich die Allianz Gruppe in Österreich in allen Geschäftssegmenten für 2016 über zum Teil deutlich bessere Umsatzzahlen freuen. „Ein starkes Vertriebsergebnis hat uns in einem insgesamt schrumpfenden Markt ein Prämienplus von 1,0 Prozent beschert“, sagte Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, bei der Präsentation der Bilanz von 2016. Zudem stehe man an einem historischen Wendepunkt mit einem neuen Geschäftsmodell: Der strategische Fokus liege künftig auf einer für den heimischen Markt einzigartigen Verschränkung von analoger und digitaler Produkt- und Servicewelt, und zwar auf Basis des persönlichen Beratervertriebs. Die Digitalisierung werde in diesem Fall keinen Abbau von Personal bedeuten sondern im Gegenteil zu mehr Mitarbeitern und Partnern im Vertrieb führen, ist Littich überzeugt: „Wir investieren in unseren Vertrieb. Denn, die persönliche Beratung der Allianz, die in Österreich im Spitzenfeld der Kundenbewertung liegt, in Kombination mit der neuesten digitalen Technik, wird sicherstellen, dass wir Kunden gewinnen.“

Alle Bereiche über dem Markt

In der Allianz Elementar Versicherungs-AG, dem Schaden-Unfall/Krankenversicherer der Gruppe, wurde bei den Prämieneinnahmen die Milliardengrenze geknackt. Im Segment Schaden-Unfall konnte ein abgegrenztes Bruttoprämienwachstum um 2 Prozent auf 937 Millionen Euro erzielt werden. Die Krankenversicherung boomt weiter: Ein Plus von 7,9 Prozent ließ die Einnahmen auf 68,4 Millionen Euro steigen. Die entsprechenden Referenzwerte im Markt lagen bei lediglich plus 1,7 Prozent bzw. plus 4,7 Prozent. Allerdings wachse man bei der Krankenversicherung mit einem vergleichsweise geringen Marktanteil, räumte der Österreich-Chef der Allianz ein.

Bei der Lebensversicherung konnte man sich den Markttrends nicht ganz entziehen: Musste die Branche ein Minus von 9,1 Prozent hinnehmen, so fiel der Rückgang im Umsatz bei der Allianz mit 2,2 Prozent moderat aus. Insbesondere ist dabei die Neuausrichtung im Neugeschäft gelungen. 93,0 Prozent basieren auf jener Produktlinie, die mit einer Garantie auf die Sparanteile ausgestattet ist sowie eine Top-Gesamtverzinsung von 3,0 Prozent aufgewiesen hat.

Über alle Geschäftssegmente gerechnet, ergibt sich bei den abgegrenzten Bruttoprämien ein Plus von 1,0 Prozent auf 1.395 Millionen Euro, dem ein Minus von 2,1 Prozent im Markt gegenüber steht. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle waren insgesamt rückläufig, und zwar um 3,2 Prozent auf 957,6 Millionen Euro. Im Bereich Schaden-Unfall gingen die Leistungen um 4,7 Prozent auf 573,8 Millionen Euro zurück, in der Krankenversicherung stiegen diese um 9,2 Prozent auf 41,6 Millionen Euro an. In der Lebensversicherung gab es mit 1,8 Prozent einen leichten Rückgang auf 342,2 Millionen Euro.

Combined Ratio verbessert, Gewinn gibt nach

Die Kapitalanlagen wuchsen um 4,3 Prozent auf 6.235,0 Millionen Euro. Das Versicherungstechnische Ergebnis reduzierte sich, bedingt durch den Abrieb in der Lebensversicherung, um 7,0 Prozent auf 69,7 Millionen Euro. Das Investmentergebnis ging nach 230,1 Millionen im Jahr 2015 – einem Jahr mit Sondereffekt aus der Solvency-Risikooptimierung – und vor dem Hintergrund des Niedrigzinsumfeldes um 21,4 Prozent auf 180,8 Millionen Euro zurück. Die Combined Ratio hat sich 2016 nochmals verbessert: „Ein Wert von 93,0 nach 94,0 Prozent steht für ein nachhaltig gesundes Portfolio“, so Littich. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit war rückläufig, und zwar um 10,0 Prozent auf 110,7 Millionen Euro. Der Gewinn lag dennoch mit 87,4 Millionen Euro (minus 6,3 Prozent) deutlich über dem Wert von 2014 mit 80,1 Millionen Euro. „Wir haben uns nicht nur wirtschaftlich gut geschlagen, sondern auch im Vergleich die Konkurrenz vertrieblich getoppt. Wir sind in einem rückläufigen Markt gewachsen, haben 13.000 neue Kunden gewonnen und dürfen uns sowohl im Bereich Schaden-Unfall als auch Leben über die höchste Kundenzufriedenheit in unserer Industrie freuen“, resümiert der Vorstandsvorsitzende.

„Echtes“ digitales Geschäftsmodell

Vor eineinhalb Jahren hat die Allianz einen strategischen Prozess gestartet, die Gestaltung der Kundenbeziehungen in eine neue Dimension zu führen. Kern dabei ist, es den Kunden so „einfach“ wie möglich zu machen, ob im Kontakt, in der Beratung, im Angebot oder in den Services. „Voraussetzung ist eine EDV, die ‚wirkliche‘ Digitalisierung ermöglicht, also sich nicht nur als digitale Oberfläche darstellt. Das bedeutet direktes Arbeiten in unseren Systemen, ohne weitere Schnittstellen und in Echtzeit, mit dem Ergebnis auf Knopfdruck. Zum Beispiel die Krankenversicherung: Arztrechnung fotografieren, Daten in App eingeben, fertig. Die Auszahlung der Leistung wird ausgelöst“, präzisiert Littich. Die Kunden bewegen sich heute in unterschiedlichen „Einkaufswelten“, von analog bis digital. Die Allianz will nicht nur in allen Dimensionen Anbieter sein, sondern hat sich als einziger in der Branche für ein neues Geschäftsmodell entschieden, das die analoge und die digitale Welt verschränkt. „Was immer der Kunde auch will, wir bieten immer die Möglichkeit, analog und/oder digital mit uns zu interagieren, auch online, aber trotzdem vor Ort, sprich ‚humandigital‘. Wir geben nämlich der digitalen Welt ein Gesicht“, fasst Littich die neue Strategie zusammen. Die Seite www.allianz.at werde zu personalisierten Seiten der Allianz-Berater ausgebaut mit einem Potenzial von 1.300, ausgestattet mit der kompletten „smarten“ Allianz-Welt.