Meldungen | Altersvorsorge
05.10.2016

Allianz Pension Sustainability Index: Österreich bleibt im Mittelfeld

Australien, Dänemark und Schweden bleiben an der Spitze, Österreich kommt auf Österreich auf Platz 28. Demografische Trends spielen eine entscheidende Rolle.

Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender Allianz Gruppe Österreich

Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender Allianz Gruppe Österreich

Foto: Allianz Gruppe Österreich

Wie nachhaltig oder reformbedürftig sind die Pensionssystem in verschiedenen Ländern der Welt? Diese Frage versucht die Allianz-Studie „Pension Sustainability Index“ zu beantworten, die den gegenwärtigen Stand und die zukünftige Entwicklung der Altersvorsorgesysteme von weltweit 54 Staaten analysiert. „Österreichs Pensionssystem liegt in Sachen Nachhaltigkeit weltweit im Mittelfeld. Um zu den Gipfelstürmern aufzuschließen, ist vor allem eine Stärkung der zweiten und dritten Säule notwendig“, kommentiert Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse. Auf Basis von Variablen wie demografischen Trends, der Situation der Staatsfinanzen sowie der Ausgestaltung des Pensionssystems wird im Allianz Pension Sustainability Index die Notwendigkeit weiterer Pensionsreformen in einer Kennzahl zusammengefasst: Bei einer Gesamtbewertung von 10 besteht kein Bedarf – ein Score von 1 deutet auf hohen Reformdruck hin. Weltweit weist Australien – wie auch im Jahr 2014 – das nachhaltigste Pensionssystem mit dem geringsten Reformdruck auf, Platz 2 belegt Dänemark, gefolgt von Schweden. Mit Chile, Frankreich, Japan, Malaysia und Mexiko konnten fünf Länder im Vergleich zum Ranking 2014 mehr als fünf Plätze gutmachen. Im aktuellen Index deutlich abgerutscht – ebenfalls um mindestens fünf Plätze – sind neben Kroatien und Irland auch Russland und die Schweiz. Auf dem 54. und damit letzten Platz befindet sich Thailand, knapp hinter China, Slowenien und Griechenland. Das nachhaltigste Pensionssystem der D-A-CH-Region hat laut aktueller Studie die Schweiz (Platz 13), gefolgt von Deutschland (Platz 25). Österreichs Pensionssystem wird in Sachen Nachhaltigkeit weiterhin ein eher durchschnittliches Zeugnis ausgestellt und es belegt somit Platz 28.

Frühe Reformen zeigen Wirkung

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass vor allem jene Länder gut positioniert sind, deren Altersvorsorgesysteme breiter angelegt sind und die ihre jeweiligen Reformen frühzeitig begonnen haben. „Ein gutes Ranking im Index deutet darauf hin, dass das Pensionssystem eines Landes mit aktuellen und künftig zu erwartenden demografischen Entwicklungen mithalten kann. Frühzeitig eingeführte Reformen scheinen hier langsam aber sicher Früchte zu tragen“, erklärt Brigitte Miksa, Leiterin International Pensions bei Allianz Asset Management AG.

Der Pensionsindex veranschaulicht darüber hinaus jene Indikatoren, die den Reformdruck für Altersvorsorgesysteme erhöhen. Dazu zählt auch der Alterungsprozess der Bevölkerung eines Landes, dessen Entwicklung aus dem „Altenquotient“ abgelesen werden kann. Dieser misst das Verhältnis zwischen den Über-65-Jährigen zu denjenigen im Haupterwerbsalter zwischen 15 und 64 Jahren. Wie die Allianz Studie zeigt, wird sich der Altenquotient bis 2050 in vielen Regionen der Welt deutlich steigern: Spitzenreiter ist Lateinamerika mit einer Verdreifachung dieses Wertes, in Nordamerika und Europa wird ein Zuwachs um 75 Prozent prognostiziert. Als wesentliche Treiber für diese Entwicklung sehen Studienautoren vor allem niedrige Geburtenraten sowie den Übergang der Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Hierzulande wird der Altenquotient von derzeit 28,3 auf 54,8 im Jahr 2050 steigen. Das bedeutet, dass immer weniger Erwerbstätige für eine immer größer werdende Anzahl an Pensionisten aufkommen müssen. „Der Rucksack der arbeitenden Bevölkerung wird 2050 fast doppelt so schwer sein wie heute“, folgert Littich.

1. Säule: Österreich mit weltweit fünfthöchsten Ausgaben

Ausschlaggebend für die langfristige Nachhaltigkeit eines Pensionssystem sind unter anderem auch die Staatsausgaben für die erste Säule: Im globalen Vergleich gibt Österreich 13,9 Prozent des BIP für die erste Säule aus – und liegt damit auf Platz 5. Spitzenreiter ist Griechenland (16 Prozent), am wenigsten in Europa bringen die Niederlande auf (7 Prozent), weltweit Singapur (0,7 Prozent). Globale Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf das Verhältnis zwischen Bruttopension aus der ersten Säule und durchschnittlichen Bruttoeinkommen (Bruttoersatzrate): Dieser Wert beträgt hierzulande 51 Prozent. Damit liegt Österreich weltweit auf Platz 13, die höchste Bruttoersatzrate mit 79 Prozent erhalten Spanier, gefolgt von Luxemburgern (77,7 Prozent). Schlusslichter sind Mexiko und Chile mit jeweils 5 Prozent. „Das Umlagesystem bietet zwar eine gute Grundversorgung, aber die zweite und dritte Säule werden künftig an Bedeutung gewinnen“, schätzt Littich. „Niemand kann genau voraussagen, wie hoch die staatliche Pension in zwanzig, dreißig oder mehr Jahren ausfallen wird. Die Lebensversicherung ist die einzige Sparform, welche nicht nur eine Leistung an sich, sondern auch die Höhe der Pension über lange Zeithorizonte garantieren kann – auch wenn Kunden hundert Jahre oder älter werden.“