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27.03.2019

Anleger müssen sich auf eine volatile Dekade einstellen

Harvard-Professor John Y. Campbell kam kürzlich auf Einladung des Spängler IQAM Research Center zu den "Investment Talks" nach Wien. Er sieht den Beginn eines unsicheren Jahrzehnts und empfiehlt Anlegern sich langfristig abzusichern.

Harvard-Professor John Y. Campbell

Harvard-Professor John Y. Campbell

Foto: Spängler IQAM Invest

„Wir stehen am Beginn eines unsicheren Jahrzehnts“, warnte John Y. Campbell, Professor of Economics an der Harvard University, an der er seit 1994 lehrt. „Schuld ist die mangelnde Kompetenz der Politik wirtschaftliche Probleme zu lösen“, kritisierte der Harvard-Professor vor allem die USA und Großbritannien. „Meine Befürchtungen eines politischen Missmanagements haben sich bestätigt. Allerdings haben wir bis jetzt noch nicht die Folgen für die US-amerikanische Volkswirtschaft gesehen. Aber ich bin weiterhin pessimistisch“, so Campbell bei seinem Besuch in Wien. „Durch die Steuerkürzungen wurden kurzfristige Anreize gesetzt – zu einer Zeit, wo es gar nicht notwendig gewesen wäre. Das wirkt wie ein Zuckerschock, der nicht lange anhält.“ Der Harvard-Professor sprach beim „Investment Talk“ in Wien die geopolitischen Risiken an und meint, dass viel darauf hinweise, am Beginn eines solchen unsicheren Jahrzehnts mit hoher Volatilität zu stehen. „Die Asset-Preise weisen noch nicht ganz eindeutig darauf hin, die Volatilität scheint noch nicht dauerhaft hoch zu sein. Aber als langfristig orientierter Anleger sollte ich mich darauf vorbereiten", so seine Empfehlung.

 

Dabei würden keine kurzfristigen Optionen helfen, die gegen temporäre Schwankungen schützen. Man brauche langfristige Absicherungsstrategien. Eine solch langfristige Strategie könnten beispielsweise Growth-Aktien sein, die bei steigenden Schwankungen eine relativ hohe Stabilität aufweisen. Aber auch Unternehmensanleihen mit langem Anlagehorizont können einen Schutz vor steigender Volatilität bieten“, sagte Campbell. Allerdings müsse man sich dessen bewusst sein, dass dem Investor durch solche Absicherungsstrategien Versicherungskosten in Form langfristig etwas niedrigerer Durchschnittsrenditen entstehen.

Was können Anleger bei erhöhter Volatilität tun?

„Einer der häufigsten Fehler ist, dass Anleger nichts riskieren möchten. Das bringt ihnen niedrige Erträge auf den Sparkonten oder am Geldmarkt. Und selbst wenn die Anleger risikobereit sind, diversifizieren sie zu wenig und investieren oft nur am Heimmarkt“, weiß Campbell. „Konservative, langfristig orientierte Anleger sollten sich allerdings gegen nachteilige Veränderungen bei den Anlagechancen wie beispielsweise einer anhaltenden Erhöhung der Volatilität der Aktienmarktrenditen absichern. Die Renditen von Unternehmensanleihen sind gute Indikatoren für die langfristige Volatilität und Growth-Aktien entwickeln sich tendenziell gut, wenn sich die langfristige Volatilität erhöht. Diese beiden Investitionsmöglichkeiten können daher eine wertvolle Absicherung für langfristig orientierte Anleger sein.“