Meldungen | Marktkommentar
08.08.2017

Anleihenmärkte bieten weiterhin Chancen

Nicholas Gartside, International CIO für Global Fixed Income bei J.P. Morgan Asset Management, über fünf Anleihen-Investments, die auch im derzeitigen Zinsumfeld Erträge abwerfen.

Nicholas Gratside, J.P. Morgan Asset Management

Nicholas Gratside, J.P. Morgan Asset Management

Foto: JP Morgan

1. Immer noch im Höhenflug: US-Hochzinsanleihen

 

US-Unternehmen befinden sich in einer guten Verfassung, und daran dürfte sich auch so bald nichts ändern, da das höhere Wachstum weltweit die Unternehmensgewinne beflügelt. Die Umsätze und der Schuldendeckungsgrad erholen sich, während die Verschuldung an sich allmählich nachlässt – allesamt positive Nachrichten für Anleiheninvestoren. Mit 1,5% in den letzten zwölf Monaten bis Juni 2017 bleiben die Ausfallraten deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 3,7%. In den letzten 18 Monaten erfreuten sich die Risikoaufschläge (Spreads) einer starken Dynamik und engten sich deutlich ein. Während wir davon ausgehen, dass diese Dynamik nicht derart stark bleiben wird, besteht in einem Umfeld allmählich steigender oder stabiler Zinsen dennoch weiterer Spielraum für eine Verengung der Risikoaufschläge. Aus technischer Sicht sind die Unternehmen bei Emissionen nicht allzu aggressiv, und die Erlöse werden größtenteils für Refinanzierungen zu niedrigen Zinsen eingesetzt.

2. Die Vorzüge von US-Unternehmensanleihen guter Bonität


Dank der Stärke des US-Unternehmenssektors bewerten wir US-Unternehmensanleihen guter Qualität positiv. Mit Renditen von mehr als 3% sind sie im Vergleich zu Staatsanleihen ähnlicher Bonität attraktiv. Das liegt auch an einer starken Nachfrage: Die Mittelflüsse in US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade-Rating befinden sich auf einem Acht-Jahres-Hoch. Die Nachfrage stammt sowohl von Privatanlegern aus den USA als auch von ausländischen institutionellen Anlegern. Wir gehen für 2017 insgesamt von einem günstigen technischen Umfeld aus, was sich aber noch nicht ganz bewahrheitet hat, da die Unternehmen in Erwartung auf weitere Zinserhöhungen ihre Emissionen offenbar vorgezogen haben.

3. Auf Banken setzen: Europas nachrangiges Bankkapital

Europäische Banken stocken unvermindert ihre Kapitalpolster auf. Das Kernkapital und die Verschuldungsgrade werden mittlerweile spielend den regulatorischen Mindestanforderungen gerecht. Banken hatten unter Bedenken von noch niedrigeren Zinsen zu leiden, die ihre Gewinne unter Druck gesetzt hätten. Diese Sorgen ließen aber nach und bis dato sind die Gewinnkorrekturen im Sektor für dieses Jahr positiv ausgefallen. Angesichts von Risikoaufschlägen um die 400 Basispunkte sind die Bewertungen auf absoluter Basis attraktiv, während die Emissionstätigkeit unproblematisch ist. Allerdings handelt es sich hier um einen Marktbereich, in dem man sich sehr selektiv engagieren sollte. Einige Banken, insbesondere aus Peripherieländern der Eurozone, haben immer noch mit notleidenden Krediten zu kämpfen. Daher ist es wichtig, die Fundamentaldaten einzelner Emittenten genau unter die Lupe zu nehmen.

4. Lokales Engagement: Schwellenländeranleihen in Lokalwährung

Die Schwellenländer profitieren von günstigen Bedingungen in den Industrieländern, darunter eine weiterhin expansive Geldpolitik und eine verhaltene Stärke des US-Dollar. Unterdessen bessern sich auch die Fundamentaldaten in den Schwellenländern dank eines nach oben tendierenden Wachstums, einer niedrigen Verschuldung im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt, sich verbessernder Leistungsbilanzen und höherer Währungsreserven, die einen Schutz vor künftigen Schocks bieten.

Derzeit bieten Schwellenländeranleihen in Lokalwährung zweifelsohne das beste Potenzial im Anleihenbereich. Die Renditen sind gesunken, sind aber nach wie vor attraktiv, und die Währungen sind gegenüber den historischen Durchschnittswerten günstig. Aus diesem Grund ziehen wir nicht-währungsgesicherte Engagements in Lokalwährungsanleihen vor. Wir müssen dann allerdings die Volatilität an den Devisenmärkten genau im Auge behalten. Der breite Sektor an Schwellenländeranleihen wurde dieses Jahr von starken Mittelzuflüssen unterstützt. Aber die Bewertungen in Lokalwährungstitel sind nach wie vor nicht ausgereizt.

5. Abstand nehmen: Kurzfristige europäische Staatsanleihen

Obwohl europäische Staatsanleihen derzeit von Zentralbankkäufen gestützt werden, sind wir dem Sektor gegenüber skeptisch. Zwar ist die Inflation in der Eurozone niedrig genug, um die Europäische Zentralbank von einer allzu aggressiven Reduzierung ihrer quantitativen Lockerung abzuhalten, allerdings beläuft sie sich doch auf über 1% und liegt somit deutlich über den Anleihenrenditen. Letztere betragen beinahe null, d. h. die Anleger realisieren inflationsbereinigte Verluste. Auch auf absoluter Basis sind die Renditen unattraktiv: 10-jährige Bundesanleihen rentieren mit 0,5% und rund 35% des regionalen Marktes weisen nach wie vor negative Renditen auf.