Meldungen | Marktanalyse, Marktausblick, Marktkommentar, Märkte
15.07.2021

Ausblick auf das zweite Halbjahr

Die Konjunkturerholung wird voranschreiten, wie Vorlaufindikatoren aufzeigen, betont Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. Doch was bedeutet die Entwicklung für Anleger?

Ingrid Steiler, CIO Raiffeisen KAG

Ingrid Steiler, CIO Raiffeisen KAG

Raiffeisen KAG

Das erste Halbjahr 2021 ist schön nach Drehbuch für den Film „Die Weltwirtschaft lässt die Covid-Krise hinter sich“ verlaufen, konstatiert Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. Aktien, und hier vor allem die zyklischen Vertreter, konnten zulegen, die gesamte Renditekurve hat sich nach oben verschoben und ist auch steiler geworden. Diverse Rohstoffe zeigten spürbare Preisanstiege. Getrieben war diese Marktentwicklung von besseren Konjunkturdaten inklusive sinkender Arbeitslosigkeit, höherer Inflation und einer starken Erholung der Unternehmensgewinne. Gerade in den vergangenen Wochen hat sich die Diskussion über die Inflation und mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik verstärkt. Die Aussagen der US-amerikanischen Notenbank Fed in Richtung etwas früherer Zinsanhebungen haben kurzfristig für Verunsicherung gesorgt, bevor die Notenbanker wieder zurückgerudert sind.

Im zweiten Halbjahr werden uns wohl einerseits diese Themenschwerpunkte, andererseits aber auch die Marktentwicklungen erhalten bleiben. Die Konjunkturerholung wird voranschreiten, das zeigen die Vorlaufindikatoren. Die eine oder andere Inflations- und Infektionszahl wird zu hochgezogenen Brauen der Anleger, aber nicht zu nachhaltigen Aktienkorrekturen führen. Und die Unternehmen werden auf ihrem Erholungspfad weitergehen. Klarerweise sind die guten Nachrichten zum Teil schon durch die erwähnte positive Performance vorweggenommen worden. Konjunktur- und Marktzyklus sind jedoch noch relativ jung, Potenzial ist weiterhin vorhanden. Auch den Rohstoffen wird weiterhin Preisfantasie zugebilligt.

Unternehmensanleihen: keine relevanten Spreadanstiege bei Euro-Anleihen in Sicht

Bei Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) waren wir bereits in den Vormonaten zurückhaltend. Wir erwarten vorerst keine relevanten Spreadanstiege bei Euro- Unternehmensanleihen.

Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen: attraktive Risikoprämien

Unsere Sicht auf Schwellenländer-Hartwährungsanleihen bleibt unverändert positiv. Die globale wirtschaftliche Erholung unterstützt auch die Ertragserwartungen dieser Anleiheklasse, wenngleich das Ende der Covid-Pandemie in den Emerging Markets langsamer vonstattengeht. Wir erwarten vorerst keinen wesentlichen Aufwärtsdruck bei den Risikoprämien von EM-Hartwährungsanleihen, sondern bewerten diese nach wie vor als attraktiv.

Entwickelte Aktienmärkte: Geldpolitik bleibt immens wichtig

Waren die internationalen Aktienmärkte im April und Mai in einen Konsolidierungsmodus eingetreten, zeigten sie sich im Juni wieder von der sehr starken Seite. Wobei die etwas rigideren Aussagen der US-Notenbank kurzfristig für Verstimmung an den Märkten sorgten. Damit ist einmal mehr klar, dass die Frage des weiteren Pfads der Geldpolitik von immens wichtiger Bedeutung ist. Wir erwarten auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld.

Schwellenländer-Aktien: Konsolidierungsphase setzt sich fort

Die Annahme, dass Aktien aus den Emerging Markets vor einem Ausbruch nach oben stehen, hat sich nicht bewahrheitet. Vielmehr setzt sich die Konsolidierungsphase fort. Dass der asiatische Raum nunmehr vermehrt mit Ausbrüchen der Delta-Variante zu kämpfen hat, führt dazu, dass Emerging Markets gegenüber Aktien aus entwickelten Märkten im Juni schlechter abschnitten. Beim Gewinnwachstum ist erkennbar, dass die Regionen Lateinamerika und Osteuropa, deren Unternehmen besonders von der Krise getroffen waren, jetzt sehr stark aufholen.

Rohstoffe: Angebotsthemen treten in den Fokus

Die Rohstoffmärkte präsentieren sich weiter von der festen Seite. Dabei treten vermehrt Angebotsthemen in den Fokus, die die zyklischeren Rohstoffsegmente unterstützen. Nicht verwunderlich ist, dass sich im Umfeld steigender Renditen Edelmetalle schwächer präsentieren. Die US-Renditeanstiege im Juni haben daher auch bei Gold wieder zu Wertrückgängen geführt.