Meldungen | Aktien, Strategie
14.02.2014

Bei extremen Stimmungswerten in Aktien ein- oder aussteigen?

Das Momentum in der Marktstimmung, also die Veränderung innerhalb eines Monats, ist ein entscheidendes Signal bei Aktien, meint Frank Härtel, Asset Allocation-Spezialist bei der Bank J. Safra Sarasin.

Frank Härtel, Analyst J. Safra Sarasin

Frank Härtel, Analyst J. Safra Sarasin

Foto: J. Safra Sarasin

Die Marktstimmung bezüglich Aktien wird vor allem anhand von Stimmungsumfragen, der Veränderung der Volatilitätsindizes und dem Preismomentum der Aktienmärkte erhoben. Alle Signale sind aus «Contrarian»-Sicht zu interpretieren: Eine stark positive Stimmung deutet auf eine mögliche Trendumkehr hin und ist also als stark negatives Signal umzusetzen und umgekehrt. Die Schwankungen des Stimmungssignals über die letzten zehn Jahre waren sehr groß; insgesamt hat ein globales Portfolio im Rahmen einer Simulation (10% Übergewichtung von Aktien bei positivem Signal und 10% Untergewichtung bei negativem Signal) gegenüber dem Referenzindex mit 50% globalem Aktienindex und 50% globalem Obligationenindex einen deutlichen Mehrwert von ca. 1% pro Jahr erzielt.

Die Verteilung des wöchentlichen Stimmungssignals zeigt auf, dass die Anzahl negativer gegenüber positiver Signale überwiegt, was auch mit der globalen Finanzkrise von 2008, deren Folgen bis heute andauern, erklärt werden kann. Zwei Drittel aller Signalwerte liegen zwischen -0,5 und +0,5 Standardabweichungen (die Extremwerte schwanken zwischen -2 und +2,5 Standardabweichungen) und es stellt sich die Frage: Ist es besser nur bei extremen Abweichungen („Ausreissern“) zu reagieren und dazwischen eine neutrale Aktienpositionierung einzunehmen? In der oben beschriebenen Simulation, jedoch mit neutraler Gewichtung zwischen -0,5 und +0,5, reduziert sich der zuvor gemessene Mehrwert gegenüber dem Referenzindex auf nur noch 0,25% pro Jahr. Demzufolge führt diese Einschränkung nicht zu einem besseren (klareren) Signal, sondern zu einer Verwässerung.

Der Mehrwert des Stimmungssignals lässt sich steigern

Ist eventuell gar nicht das absolute Niveau des Stimmungssignals entscheidend, sondern die Veränderung zum Vormonat? Diese Idee basiert auf der Annahme, dass eine positive Veränderung vom Tiefst bzw. eine negative Veränderung vom Höchst ein vorlaufender Indikator für Marktpreise ist. Somit sollte eine Strategieumkehr an den Wendepunkten (also Höchst bzw. Tiefst) des Signals erfolgen und nicht bei einem Vorzeichenwechsel. Mit Hilfe der gleichen Vorgehensweise wie vorher – d.h. ein globales Referenzportfolio, welches aus 50% Aktien und 50% Obligationen besteht und eine 10% Übergewichtung von Aktien bei positivem Momentum des Signals und 10% Untergewichtung von Aktien bei negativem – ergibt sich ein deutlicher Mehrwert gegenüber dem ursprünglichen Stimmungssignal über die letzten zehn Jahre. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Warten auf Extremwerte des Stimmungssignals nicht zu einer besseren Strategie über die letzten zehn Jahre führt; jedoch die Berücksichtigung des Momentums des Signals (Veränderung zum Vormonat).

Wie sieht die Situation aktuell aus? Das Stimmungssignal ist immer noch deutlich negativ; die Veränderung zum Vormonat (also das Momentum) hat jedoch bereits gekehrt und ist leicht positiv. Isoliert betrachtet, deutet das Signal „Momentum der Marktstimmung“ auf eine positive Aktienentwicklung in den nächsten Wochen hin.