Meldungen | Emerging Markets, Marktkommentar
06.08.2019

"China bleibt trotz Handelsstreit attraktiv"

David Raper und Baijing Yu, Portfoliomanager des Comgest Growth China bei der Fondsgesellschaft Comgest, sind der Ansicht, dass trotz der jüngsten Konjunkturabschwächung die Gesamtsituation in China für Investoren günstig bleibt.

Baijing Yu, Portfoliomanager Comgest

Baijing Yu, Portfoliomanager Comgest

Foto: Comgest

Die Verhandlungen im Handelskonflikt zwischen den USA und China verliefen bis April weitgehend positiv und konstruktiv. Doch dann setzte eine Kehrtwende ein, nachdem sich China und die USA gegenseitig beschuldigten „unkooperativ“ zu sein. Die USA erhöhten daraufhin die Zölle auf Importe aus China im Wert von 200 Mrd. US-Dollar von 10% auf 25% und untersagten US-Unternehmen, mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei Geschäfte zu machen. Dann jedoch überraschte eine leicht positive Nachricht erneut die Märkte: US-Präsident Donald Trump beschloss, US-Unternehmen doch Geschäfte mit Huawei zu erlauben und stimmte zu, die Handelsgespräche beim G20-Gipfel Ende Juni wieder aufzunehmen. Doch nach nur wenigen Tagen ruderte Trump zurück und beließ es schließlich doch bei einem Kooperationsverbot zwischen US-Unternehmen und Huawei.

Wettbewerb fördert technische Innovation

Obwohl die langfristige Beilegung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China nicht ganz ausgeschlossen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Einigung im Bereich von 0% bis 100% – ist also nicht vorhersehbar. Was jedoch vorhersehbar ist, sind die Spannungen zwischen beiden Ländern, die wohl auch künftig in vielerlei Facetten bestehen bleiben, selbst wenn ein Deal zustande kommt. Der dadurch erzeugte Wettbewerb um die Technologieführerschaft dürfte dazu führen, dass beide Länder weiterhin umfangreich in Innovation investieren, was gute Voraussetzungen für die Schaffung vieler großartiger Unternehmen sind. Mit Blick auf die jüngsten Konjunkturdaten aus China, scheinen die US-amerikanischen Strafzölle allmählich Wirkung zu zeigen. So ist Chinas Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal dieses Jahres auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gefallen. Zwar wuchs die chinesische Wirtschaft um 6,2%, im Vorquartal waren es jedoch 6,4% gewesen. Zudem brachen die Exporte in die USA ein und auch die Industriegewinne fielen schwach aus. Angesichts des anhaltenden Handelskonflikts mit den USA, einer schwächeren globalen Nachfrage und Problemen auf dem heimischen Markt, bemüht sich die chinesische Regierung, ein weiteres Abrutschen der Wachstumsraten unter die Sechs-Prozent-Marke durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen zu verhindern. Ihr Ziel dabei ist es, ein angemessenes Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, nicht aber einen starken Wachstumsimpuls zu setzen.

Comgest Growth China schlug Index

Trotz der jüngsten Marktturbulenzen zeigten sich viele der von uns ausgewählten Titel im Portfolio unseres Flaggschiff Comgest Growth China (ISIN: IE0030351732) von den Entwicklungen weitgehend unbeeindruckt, wobei sich der Fonds im 1. Halbjahr besser als der MSCI China Index entwickelte. Zu den Performance-Spitzenreitern gehörten Chinas größter Versicherungs- und Finanzdienstleister Ping An Insurance, der Biotechnologiekonzern 3SBio und das Sportbekleidungsunternehmen Anta Sports. Ping An veröffentlichte seine Jahresergebnisse und erzielte erneut ein starkes Wachstum von über 20%, getragen von höheren agenturgetriebenen Margen im Versicherungsgeschäft. Der Versicherer hat sich zuletzt erfolgreich auf private Bankkunden ausgerichtet. Seine kontinuierlichen Investitionen in Innovationen haben Cross-Selling-Potenzial und interessante Portale wie One Connect, Ping An Doctor und Autohome hervorgebracht. Auch 3SBio entwickelt sich weiterhin gut. Dank drei bislang nur gering verbreitete Medikamente (EPO, TPO und TNF-alpha), dürfte 3SBio auch in den nächsten Jahren um mehr als 20% wachsen. Weitere Medikamente, die sich derzeit noch in der Pipeline befinden, sollten zudem in den nächsten 2-3 Jahren auf den Markt kommen. Aber auch Anta Sports verbuchte ansehnliche Kursgewinne. Dank seines erweiterten Markenportfolios mit Anta, Fila, Descente, Kolon und den von Amer neu erworbenen Marken Solomon, Arc'Teryx und Wilson profitiert der Bekleidungsspezialist von der steigenden Sportnachfrage. Seine anhaltenden Investitionen in das Produktportfolio ergänzende Marken sowie in Forschung & Entwicklung dürften die Position als Top-Player in China sichern und seinen Einfluss auf der globalen Bühne verstärken.

Der Aktienkurs von Baidu, dem chinesischen Pendant zu Google, litt dagegen erheblich unter den schwachen Q2-Prognosen. Sein Wachstum gründet das Unternehmen auf seinem stabilen, aber langsamer wachsenden Kerngeschäft, während die Video-Plattform iQiYi und Initiativen im Bereich der künstlichen Intelligenz auf kurze Sicht kein Wachstum gebracht haben. Wir haben den Dialog mit dem Management intensiviert, um zu verstehen, ob es den Turnaround schaffen kann. Auch bei Samsonite standen Umsatz und Margen im 1. Quartal unter Druck. Erstere wurden vor allem durch rückläufige Großhandelsaufträge und die Touristenzahlen in den USA, aber auch durch rückläufige B2B-Umsätze in China beeinträchtigt. Trotzdem bleiben wir zuversichtlich, dass Samsonite seine Lieferkette verlagern kann, um den Margendruck zu mindern.

Chinas steiniger, aber richtiger Weg in die Zukunft Ende 2018 war China mit einem Anteil von 16% am globalen BIP die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Zugleich ist es im MSCI AC World Index mit einem Gewicht von nur 3,6% weiterhin unterrepräsentiert. Im Zuge der Öffnung seines Kapitalmarktes dürfte Chinas Gesamtgewicht in den MSCI Emerging Markets Indizes bis August 2019 auf 32% und bei vollständiger Einbeziehung auf 40% steigen. Das Gewicht im MSCI AC World Index sollte bis August 2019 auf 4% steigen und könnte schließlich mit dem des Vereinigten Königreichs oder Japans vergleichbar sein. Dann ist eine direkte Länderallokation für bestimmte globale Anleger wahrscheinlich sinnvoller als das Engagement über einen globalen Schwellenmarkt- oder Asienfonds.

Chinas Bemühen um die Öffnung seines Marktes ist in eine neue Phase eingetreten, und sein Masterplan zur Transformation in eine führende innovative Wirtschaft mit einer recht wohlhabenden Gesellschaft kommt voran. Der Weg dorthin wird nicht geradlinig verlaufen und große Herausforderungen bereithalten. Die damit einhergehenden Chancen nutzen wir auf die bekannte Art und Weise: Wir suchen weiter im Rahmen unserer Qualitätswachstumsstrategie nach soliden Unternehmen in einer Wirtschaft, die sich rasant entwickelt.