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16.07.2012

Coface-Länderrating: Die Krise in Südeuropa vertieft sich

Spanien, Italien und Zypern werden ihre Probleme nicht so bald lösen können, meinen die Analysten des Kreditversicherers. Auch in Indien und Argentinien zeigen sich Schwächen.

Der Kreditversicherungs-Konzern Coface hat seine Risiko-Bewertungen für mehrere Länder herabgestuft. Neben Südeuropa sind Indien und Argentinien davon betroffen. Die Rezession in Südeuropa näme immer ausgeprägtere Züge an und habe von Spanien und Italien bereits auf Zypern übergegriffen. Angesichts der sich verschlechternden Konjunkturlage hat Coface Spanien und Italien mit der Bewertung A4 auf die negative Watchlist gesetzt und Zypern, dessen Situation Anlass zur Sorge gibt, von B auf C herabgestuft. Die Wirtschaftsleistung in diesen drei Ländern wird im Jahr 2012 voraussichtlich um 2,0% (Spanien), 1,8% (Italien) bzw. 1,3% (Zypern) schrumpfen, so die Prognose Kreditversicherer.

 

In Spanien war im ersten Quartal 2012 eine deutliche Vertiefung der Rezession zu verzeichnen: Die Wirtschaftsleistung im Industrie- und Dienstleistungsbereich ging stark zurück und die Immobilienpreise fielen um 30% im Vergleich zum Spitzenwert von Dezember 2007. Die Arbeitslosenrate steigt weiter an und liegt seit März 2012 über der 24%-Marke. Zahlungsverzüge und Unternehmenskonkurse haben in Spanien merkbar zugenommen und betreffen nicht mehr nur Unternehmen aus der Baubranche, sondern auch solche aus den Bereichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, Elektrogeräte, chemische Industrie und Nichtfachhandel. Durch das langsame Wachstum kommt es zu keiner Reduzierung der Staatsschulden und die Lage auf dem Sekundärmarkt bleibt weiterhin merklich angespannt.

 

Italien verzeichnete auch im ersten Quartal 2012 - zum dritten Mal in Folge - wieder einen Rückgang des BIP, und zwar um 0,8%. Die Wirtschaftsleistung im Industriebereich sank noch rascher als zuvor, wobei insbesondere die Baubranche einen Rückgang von 15,1% im Jahresverlauf zu beklagen hatte. Die Arbeitslosigkeit hat Rekordhöhen erreicht und lag im April 2012 bei 10,2%. Unter Bedingungen, in denen Reformen zu einer wachsenden Desillusionierung der Bevölkerung führen könnten, stellt die Höhe der Staatsverschuldung eine Bedrohung dar. Inwieweit das Land die Verschuldung in den Griff bekommt, hängt in großem Maße von den Markterwartungen ab, die jedoch häufigen Änderungen unterworfen sind. Coface registriert eine drastische Verschlechterung der Zahlungsstatistik bei italienischen Unternehmen, speziell in den Bereichen Metallverarbeitung, Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion, Bauwesen und Textilindustrie.

 

Zypern ist das fünfte Land der Eurozone, das bei der Währungsunion um Hilfe angesucht hat. Der Bankensektor stellt mit einer Bilanzsumme, die das Siebenfache des zypriotischen BIP beträgt, ein systemisches Risiko dar: Hier kommt das mit Griechenland verbundene Risiko in erheblichem Ausmaß zum Tragen. Die Privatverschuldung erreicht mit 311% des BIP (2011) den Spitzenwert in Europa, die Verschuldungsrate der Unternehmen beläuft sich auf 186% des BIP. Die Baubranche leidet weiterhin an den Folgen der geplatzten Immobilienblase. Auch die petrochemische Industrie musste aufgrund von Unterbrechungen der Stromversorgung Rückschläge hinnehmen.

 

Indien: Ein Wachstumsmodell gerät unter Druck

 

Coface hat die allgemeine Bewertung des Landes (A3) auf die negative Watchlist gesetzt. In Indien schwächen die nachlassende Außennachfrage sowie die restriktive Geldpolitik im Zeitraum zwischen März 2010 und Oktober 2011 das Wirtschaftswachstum. Coface rechnet für 2012 mit einem BIP-Wachstum von 6,5% im Jahresverlauf. In diesem Quartal erreichte das Wirtschaftswachstum seinen niedrigsten Wert seit neun Jahren, gleichzeitig wurde ein Rückgang der Produktionsleistung verzeichnet. Nach einem Kurssturz von 23% im Juni 2012 ist die Rupie angesichts des hohen Länderrisikos und des Rückgangs der ausländischen Direktinvestitionen weiterhin unter Abwertungsdruck. Diese anhaltenden Belastungen im Zusammenhang mit der Währungspolitik, den Inflationsängsten und der Höhe der Staatsverschuldung lassen trotz der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums keinen Spielraum für Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft zu. Darüber hinaus hat die geschwächte Position der Kongresspartei nach den Wahlen im März 2012 den Zeitplan für Strukturreformen ins Stocken gebracht. Das anhaltend hohe Ausmaß an Korruption, wenig effiziente Infrastrukturen und der Qualitätsrückgang bei den ordnungspolitischen Maßnahmen geben ausländischen Investoren Anlass zu Bedenken. Daher hat das Wirtschaftsklima negative Auswirkungen auf das Wachstum.

 

Argentinien herabgestuft, Indonesien verbessert sich

 

In Folge der Umsetzung restriktiver Devisenbewirtschaftungsmaßnahmen und des negativen Wirtschaftsklimas wurde auch Argentinien von B auf C herabgestuft. Diese Maßnahmen erschweren sowohl Import- als auch Exportunternehmen den Zugang zu Devisen. Die Instabilität der ordnungspolitischen Maßnahmen und der zunehmende Interventionismus der Regierung beginnen, das wirtschaftliche Vertrauen sowohl bei Haushalten als auch Unternehmen zu untergraben und tragen so zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums bei.

 

Doch nicht nur schlechte Nachrichten haben die Experten von Coface parat: Bei Indonesien wurde die Bewertung des Landes (B) und auf die positive Watchlist gestellt. Der Inlandsmarkt profitiere von günstigen demografischen Faktoren. Rohstoffexporte nach China tragen zur Stabilisierung des ausgeprägten Wachstums bei. Die fortschreitende Verbesserung des Länderrisikos, die zur Restrukturierung des Bankensektors umgesetzten Reformen und die kontinuierliche Korruptionsbekämpfung hätten einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der indonesischen Wirtschaft und deren Fähigkeit, sich im zunehmend schlechter werdenden globalen Wirtschaftsklima zu behaupten, geleistet.