Deka-Chefökonom Kater: „Zukunft des Euro entscheidet sich in Spanien und Italien”
Der Chefökonom der deutschen Dekabank, Ulrich Kater, sieht bei der Bonitätsbewertung von Volkswirtschaften durch Ratingagenturen wie Standard & Poor’s die langfristigen Belastungen, die etwa aus dem Pensions-, Pflege- oder Gesundheitssystem erwachsen werden, zu wenig berücksichtigt. Inklusive derartiger impliziter Staatsschulden würde beispielsweise die Schuldenquote für Österreich bei 297,7 Prozent liegen und das Land läge damit unter den zwölf Eurogründungsländern an guter vierter Stelle. Die Schlusslichter Luxemburg, Griechenland und Irland kämen demnach schon auf 1.000 bis 1.500 Prozent.

Chefökonom Dr. Ulrich Kater, Dekabank
Ökonom Ulrich Kater beruft sich auf eine aktuelle Studie der deutschen Stiftung Marktwirtschaft – demnach liegen vor Österreich nur Finnland mit 195,2 Prozent, Deutschland (192,6%) sowie – Überraschungsmoment –Italien mit der geringsten Verschuldung von nur 146 Prozent. Das Land habe längst die Rentenreform in Angriff genommen, so Kater.
Defizitländer tragen die Hauptlast
„Die Zukunft der Währungsunion werde sich in Spanien und Italien entscheiden“, meint Kater. Griechenland und Portugal seien Sonderfälle, die noch subventioniert werden könnten, bei Spanien oder Italien wäre dies aber nicht mehr möglich. „Wenn Italien es schafft, dann ist der Euro durch“. Derzeit geht es in erster Linie darum, Zeit zu gewinnen. Deutliche Erfolge seien frühestens in ein bis zwei Jahren zu erwarten, die nötigen Anpassungsprozesse seien mit schmerzhaften Einschnitten und materiellen Opfern verbunden. Aufhorchen lässt Kater auch damit: „Es ist keinesfalls so, dass der Norden für den Süden zahlt, im Gegenteil, die Defizitländer tragen die Hauptlast“.
Missverständnis: Der Euro ist kein ökonomisches Projekt
Des weiteren Angelsächsische Anleger säßen einem Missverständnis auf: „Der Euro ist kein ökonomisches sondern ein politisches Projekt“. Und dieser politische Wille, der auch von der Mehrheit der Wahlbürger mitgetragen werde, sei unterschätzt worden. Nur so seien die enormen Kraftanstrengungen zu verstehen. Für Entwarnung sei es aber noch zu früh. „Wir sind noch immer im Fahrwasser einer großen Finanzkrise”, so Kater.
„Keine Entschuldung über Inflation“
Kater geht nicht davon aus, dass es in der Eurozone zu einer Entschuldungsstrategie über Inflation kommen wird. Stattdessen geht er auch für die Zukunft von stark schwankenden, risikoreichen Märkten aus. Für Anleger werde daher die Risikokontrolle „sehr, sehr wichtig” werden. Kater empfiehlt in diesem Zusammenhang „eng an der Wirtschaft zu investieren”, zum Beispiel in Sachwerte wie Aktien, Immobilien oder Unternehmensanleihen. Daneben sollten „Regulierungen” beachtet werden. Insgesamt sei man durch die Krise mehr zur Realität zurückgekommen.
