Meldungen | Gold & Edelmetalle
30.04.2021

Der bessere Krisenschutz

Immer mehr Anleger greifen als Krisenschutz auch bei Bitcoin – anstelle bei Gold – zu. Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, verweist auf die Tücken bei solch einer Strategie.

Joe Foster, VanEck

Joe Foster, VanEck

VanEck

„Die Frage von Gold vs. Bitcoin stellt sich derzeit mehr denn je“, meint Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck, in seinem aktuellen Goldkommentar. Der Bitcoin als Anlagewert erfahre mittlerweile eine breitere Akzeptanz. War der Bitcoin-Markt bisher auf Kleinanleger ausgerichtet, hat der Bitcoin im Laufe des vergangenen Jahres jedoch in bedeutendem Maße Einzug in den institutionellen Bereich gehalten. „Es scheint, als ob dieser Anlagewert nicht mehr länger als eine Modeerscheinung oder technische Kuriosität abgetan werden kann“, so Foster.

Allerdings stehen Bitcoin-Anleger noch vor großen Herausforderungen, wie der geringen Geschwindigkeit und Kosten von Transaktionen, regulatorischer und behördlicher Aspekte und der Frage, wie man Hacks und illegale Aktivitäten verhindert. „Unter der Annahme, dass all diese Herausforderungen im Laufe der Zeit bewältigt werden können, stellt sich die Frage, wo sich der Bitcoin im Anlageuniversum künftig positionieren und welche Auswirkungen er auf Gold haben wird“, so der Goldexperte.

Die Diskussion über Gold vs. Bitcoin geht weiter

„Das größte Potential des Bitcoin besteht in der Möglichkeit eines dezentralen globalen Zahlungssystems und eines Ersatzes für Bargeld“, sagt Foster. „Viele Investoren glauben, dass der Bitcoin ein Wertspeicher ist, der künftig sicherlich eine Absicherung gegen die Entwertung von Währungen bieten könnte.“ Der Grund, warum sich Investoren auf Gold vs. Bitcoin und nicht auf andere Kryptowährungen konzentrieren, sind laut dem Goldexperten ihre gemeinsamen Eigenschaften wie das begrenzte Angebot oder ihre Unkorreliertheit. Das Anti-Establishment-Ethos der Bitcoin-Nutzer sei vergleichbar mit dem mangelnden Vertrauen vieler Goldanleger in das Finanzsystem.

Es gebe aber auch markante Unterschiede: „Der Bitcoin ist kein materieller Vermögenswert. Wie Papiergeld hat er nur so lange einen Wert, wie die Öffentlichkeit von seinem Wert überzeugt ist. Ohne öffentliches Vertrauen ist der Bitcoin wertlos. Gold ist real. Es wird in der Elektronik, Medizin und Luft- und Raumfahrt eingesetzt. Es wird täglich von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt zur Schau gestellt. Gold hat einen Nutzen, der über seine Verwendung als Wertspeicher hinausgeht, und ist mit der Kultur und Geschichte der Menschheit eng verwoben“, sagt Foster.

Das aktuelle von Risiko und Unsicherheit geprägte Anlageumfeld ist sowohl für Gold als auch für Bitcoin vorteilhaft. Während der Bitcoin vielleicht einige Goldinvestoren am Rande abspenstig macht, wird dieser Anlagewert künftig wohl auch neue Investoren in den Bereich der sicheren Häfen locken. „Vielleicht findet Gold eine neue Verwendung als Stabilisator in volatilen Krypto-Fonds“, sagt Foster. „In jedem Fall handelt es sich nicht um eine Welt des Konkurrenzkampfes zwischen Gold und Bitcoin. Vielmehr haben wir es mit einer Welt von Gold und Bitcoin zu tun, in der beide Werte nebeneinander existieren können.“