Meldungen | Marktanalyse, Marktkommentar
07.10.2021

Der Gegenwind nimmt zu

Die Preise für Energierohstoffe, insbesondere für Erdgas steigen. Sind dies die Anzeichen einer höheren Inflation und eines langsameren Wachstums? Silvia Dall'Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes, gibt eine Einschätzung.

Silvia Dall'Angelo, Federated Hermes

Silvia Dall'Angelo, Federated Hermes

Federated Hermes

Die großen Zentralbanken haben signalisiert: Sie sind kurz davor, die auf dem Höhepunkt der Covid-Krise bereitgestellten Unterstützungsmaßnahmen zu reduzieren, betont Silvia Dall'Angelo, Senior Economist bei Federated Hermes. Die US-Notenbank Fed ist auf dem Weg, im November mit dem Tapering zu beginnen. Und der Chef der Bank of England deutete an, dass eine Zinserhöhung noch vor Ende des Jahres (und damit vor dem Ende des aktuellen Ankaufprogramms) erfolgen könnte – falls sich die Inflation weiter verschlechtert.

In China steht Evergrande nach wie vor im Mittelpunkt. Die politischen Entscheidungsträger stehen vor der Herausforderung, die Ungleichgewichte, einschließlich der steigenden Verschuldung, der überhöhten Preise und der übermäßigen Risikobereitschaft im Immobiliensektor, in den Griff zu bekommen – und dabei gleichzeitig ein Ansteckungsrisiko und starke Auswirkungen auf die Wachstumsaussichten zu vermeiden. Das Basisszenario ist, dass die chinesischen Behörden eine geordnete Auflösung von Evergrande bewerkstelligen und dabei sicherstellen, dass die Ziele der Systemstabilität und des „gemeinsamen Wohlstands“ gewahrt bleiben.

Versorgungsengpässe und -unterbrechungen haben sich als hartnäckiger und weitreichender erwiesen als ursprünglich erwartet – was die Wachstums- und Inflationsaussichten beeinträchtigt. Zuletzt haben sich die Versorgungsprobleme bei den Gaspreisen und allgemein bei den Energierohstoffen gezeigt. Möglicherweise hat die Covid-Dynamik, also der Nachfrageschub nach der akuten Phase der Krise, einige strukturelle Versorgungsprobleme im Energiesektor aufgedeckt, wo schlechte Renditen und Dekarbonisierungs-Bestrebungen über mehrere Jahre hinweg Investitionen verhinderten.

Folgende positive Aspekte sorgten für eine gewisse Erleichterung und positivere Stimmung an den Märkten zum Wochenende:

• eine Einigung über die Verlängerung der Regierungsfinanzierung in den USA (und die Abwendung einer Krise hinsichtlich des US-Schuldenlimits)

• eine Verbesserung der chinesischen Einkaufsmanager-Indizes im September und einige Beteuerungen führender Zentralbanker, dass sie immer noch zuversichtlich sind, was die vorübergehende Inflation betrifft.