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19.06.2017

"Der Kapitalmarkt braucht eine zentrale Ansprechperson"

Die Raiffeisen Centrobank (RCB) lud die Medien vorige Woche zu einem Halbjahresbilanz mit Ausblick. Als Key Note Speaker war Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, zu Gast und adressierte auch die politischen Akteure.

Heike Arbter, Valerie Brunner (beide RCB), Christoph Boschan

Heike Arbter, Valerie Brunner (beide RCB), Christoph Boschan

Foto: M. Plos

Bevor der Börse-Chef die Neupositionierung der Wiener Börse AG präsentiert, gab Bernd Maurer, Chefanalyst der RCB, einen Kapitalmarktausblick. Während ein durchschnittlicher Bullenmarkt rund 60 Monate andauert, befindet sich der S&P 500 mittlerweile seit rund 100 Monaten im Aufschwung. Zu Beginn dieses Zeitraumes (2009 - 2017) hat sich zwischen den globalen Leitindizes und den Randmärkten wie dem ATX eine Lücke aufgetan, die der ATX seit 2015 schließt. Der Grund hierfür ist naheliegend: „Während unmittelbar nach Ausbruch der Finanzkrise Sicherheit das Maß aller Dinge war, und die verfügbare Liquidität in den amerikanischen Markt und in die größten europäischen Indizes floss, die daraufhin bereits 2013 ihre Höchststände von 2007 überschritten haben, steht der österreichische Markt in den vergangenen beiden Jahren stärker im Fokus. Das hohe Wachstum der osteuropäischen Volkswirtschaften, ein verbessertes Umfeld für die im ATX hoch gewichteten Finanzindustrie und gute Unternehmensergebnisse tragen diesen Aufschwung und haben zu einer Outperformance des ATX im Vergleich zum europäischen Stoxx600 seit 2015 geführt“, erläuterte Maurer. Die Bewertungen im ATX seien mittlerweile angemessen. Der Index notiert rund 36% unter seinem Indexstand von Juli 2007 während die globalen Leitmärkte nur noch wenig Luft nach oben haben würden. Heike Arbter, Head of Structured Products bei der RCB, wies vor diesem Hintergrund auf die Teilschutz-Zertifikate hin, die einen Einstieg in Aktien oder Indizes mit hohen Sicherheitspuffern ermöglichen.

Österreich und die Welt

Seit nunmehr einem Jahr steht Christoph Boschan der Wiener Börse vor und treibt die Weiterentwicklung des heimischen Börseplatzes voran. Unter dem Titel „Österreich für die Welt – Die Welt für Österreich“ hat er über die aktuelle Positionierung der Wiener Börse, ihre noch wenig bekannten Stärken und die zukünftige Ausrichtung des Handelsplatzes referiert: „Wir bieten eindeutig die besten Zahlen hinsichtlich Marktanteil, Liquidität und Preisstellung in österreichsichen Aktien. Für österreichische Investoren möchte die Wiener Börse One-Stop-Shop werden.“ Dass diese nämlich hauptsächlich in ausländische Aktien investieren ist auch nach Auffassung des CEOs richtig – der österreichische Aktienmarkt sei zu klein für ein ausreichend diversifiziertes Portfolio. Der Handel dieser Aktien soll künftig auch über den Handelsplatz der Wiener Börse möglich sein. Während 133 US-Aktien sowie DJ Industrial Average und NASDAQ 100 seit 31. Mai in Wien bereits handelbar sind werden in naher Zukunft wohl weitere europäische Blue Chips ins Auge gefasst. Während Geschäfts- und Marktentwicklung positiv sind bleiben die politischen Rahmenbedingungen schweirig. Zwar findet der CEO der Wiener Börse bei allen Entscheidungsträgern ein offenes Ohr, er wünscht sich aber von einer neue Regierung ein Kapitalmarktprogramm und eine zentrale Ansprechperson, ebenso wie die (Wieder-) Eröffnung des Dritten Marktes für KMUs um mittelfristig wieder mehr Unternehmen an die Börse zu bringen.