Meldungen | Aktien, Marktausblick
21.01.2014

„Die Unternehmen werden liefern müssen“

Wenn sich die Gewinnerwartungen an die Unternehmen in Europa und Österreich erfüllen, steht trotz kommendem Tapering einem weiteren guten Aktienjahr nichts im Wege, war der Konsens beim Quartalsausblick „Q-Check“.

Erika Karitnig, Bawag P.S.K. Invest

Erika Karitnig, Bawag P.S.K. Invest

Foto: q-check.at

Dem allgemeinen Optimismus an den Aktienmärkten konnte sich auch die Veranstaltungsreihe „Q-Check“ vorige Woche in der Wiener Skybar entziehen. Aber im Gegensatz zu 2013 rücken 2014 die Fundamentaldaten wieder in den Mittelpunkt, waren sich die geladenen Experten einig. Die weltweite Konjunkturerholung sollte sich dabei positiv auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne auswirken. „Die Kapitalmärkte befinden sich aktuell in einer Transformationsphase. Es geht raus aus der Liquiditätsphase und hinein in eine Zeit, in der die Unternehmen wieder liefern müssen“, meinte Jörg Rohmann, Chefanalyst von Alpari Deutschland, in seiner Präsentation. Gute Wirtschaftsdaten würden auch wieder als positive Impulse für die Aktienmärkte wahrgenommen. Die Angst davor, dass die Zeit des billigen Geldes vorbei sei, rücke in den Hintergrund. „Da derartige Transformationsphasen zumeist mit erhöhter Volatilität einhergehen und die aktuelle Marktsituation schon etwas überdehnt ist, rechne ich im 1. Quartal durchaus mit einer Korrekturphase“, räumt der Analyst ein. Die (süd-)europäischen Indizes sollten aus dieser jedoch gestärkt hervortreten.

 

Jörg Rohmann, Alpari Deutschland

 



Auch Erika Karitnig, CIO Equities & Multi Assets bei der Bawag P.S.K. Invest, rechnet in Europa mit einer Erholung, wobei sich Deutschland „als Konjunkturlokomotive Europas einmal mehr sehr gut entwickeln wird“ und der Erfolg vor allem aus dem Export käme. Die Unternehmensgewinne werden steigen und damit die Gewinnerwartungen erfüllt werden. Für Anleger sei ein selektiver Einstieg daher immer noch ratsam: „Die Bewertungen zeigen trotz der Rally im Vorjahr kein Bild der Besorgnis. Sie liegen im historischen Durchschnitt, und das niedrige Zinsumfeld stützt weiter die Wirtschaft und die Aktienmärkte.“

„Wien wird 2014 outperformen!“

Thema war natürlich auch die vergleichsweise schwache Performance des ATX. Für Michael Kukacka, Geschäftsführer der Ringturm KAG und Leiter der ESPA-Österreich-Aktienfonds, ist das noch kein Grund, die heimischen Titel abzuschreiben: „Auf den ersten Blick ist der ATX im Vergleich zu anderen Indizes wie DAX oder Dow Jones ein Trauerspiel. Uns fehlen ganz einfach Titel aus den Outperformer-Branchen der letzten Jahre wie Gesundheit, Konsum oder Technologie. Den Erfolg muss man daher in der Nische suchen.“ Bei einem zweiten Blick fände man an der Wiener Börse nämlich ausgezeichnete Unternehmen, die mit einer erfolgreichen Nischenstrategie Marktführer sind sowie ein Top-Management und hohe Bilanzqualität besäßen. Dazu zählt Kukacka unter anderem Andritz, Schoeller-Bleckmann, Mayr-Melnhof oder Rosenbauer. Auch er sieht steigende Unternehmensgewinne als Schlüssel zum Erfolg: „Wien hat bei den Unternehmensgewinnen deutlich stärker verloren als Frankfurt oder New York und sich bisher auch nicht wieder erholt. 2014 sehen wir hier Aufwärtspotenzial und damit gute Chancen für österreichische Aktien.“ Wie es am Ende aussehen wird, hänge wesentlich von der Erholung der Finanzmärkte ab und den Gewinnen der Banken. „Alleine die Erste Bank macht 21% des ATX aus. Wir gehen davon aus, dass 2014 die größten Unternehmen im ATX ihre Gewinne um 20% bis 30% steigern werden.“ Anlegervertreter Wilhelm Rasinger, der im Publikum dabei war, zeigte sich gegenüber FONDS exklusiv vorsichtig optimistisch und rechnet bis Jahresende mit 5% bis 10% plus an der Wiener Börse. „Die Bäume wachsen eben nicht in den Himmel und Wien hat auch strukturelle Defizite wie zu wenige angebotene Titel. Und die Anleger lecken immer noch die Wunden der Skandale und Flops.“ Außerdem solle man nicht ständig den ATX mit dem DAX vergleichen und stattdessen auf die Einzelwerte genauer schauen, meinte auch Rasinger.

Aufwärtspotenzial für seine Branche sah - wenig überraschend – der Gastexperte des Quartals, Hannes Ametsreiter. Der CEO der Telekom Austria Group sparte zunächst nicht mit Selbstkritik: „Europas Telekomunternehmen sind vom ehemaligen Technologieführer zum Nachzügler verkommen. Das ist bedauerlich, birgt für die Zukunft aber große Chancen“. Um diese zu nützen bedürfe es einer weiteren Marktkonsolidierung, attraktiven regulatorischen Rahmenbedingungen, die Wachstum und Innovationen fördern und viel Arbeit. Die Telekom Austria sieht Ametsreiter in den Märkten Österreich und Südosteuropa als Nummer 1 oder 2 gut positioniert. Wichtigster Markt sei aber unverändert Österreich: „Hier gewinnen oder verlieren wir.“ Am Heimmarkt habe es zuletzt vor allem im Festnetzbereich (sprich: Breitband) eine positive Entwicklung mit 1500 neuen Anschlüssen gegeben.

 

Networking an der Bar, ganz in Violett.