Die US-Notenbank hält ihren Kurs… und löst damit eine Verkaufswelle bei Staatsanleihen aus
Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin, über die Enttäuschung der Märkte über die Untätigkeit der Fed.

Alessandro Bee, Bank Sarasin
Der Kapitalmarkt erlebt derzeit turbulente Tage. Die Renditen von Staatsanleihen sind in der letzten Woche stark angestiegen: in den USA um fast 30 Basispunkte, in Deutschland um 25 Basispunkte und selbst in der Schweiz um immerhin noch 20 Basispunkte. Auslöser für diesen Renditenanstieg war die Sitzung der US-Notenbank (Fed) vom letzten Dienstag. Nach der Sitzung kündigte die Fed weder weitere geldpolitische Maßnahmen an noch veränderte sie ihren Ausblick für die US-Wirtschaft signifikant. Genau das war aber die große Überraschung. Ein Großteil der Investoren hatte damit gerechnet, dass die Fed ein drittes Ankaufprogramm für Staatsanleihen (QE3) ankündigen werde oder wenigstens einen Hinweis auf ein solches Programm geben könnte. Eine weitere Lockerung der Geldpolitik hätte die Preise der Staatsanleihen nochmals unterstützt. Die Enttäuschung über die Untätigkeit der US-Notenbank wog in der Folge schwer und führte bei Staatsanleihen zu einer Verkaufswelle.
Die Hoffnung der Anleger auf eine weitere geldpolitische Stimulierung war nicht ganz unberechtigt. Noch im Januar hatte die Fed ihre Geldpolitik gelockert, wenn auch nur rhetorisch. Die Notenbank hatte das geplante Ende der Nullzinspolitik – worunter man Leitzinsen unter 1% versteht – von Mitte 2013 auf Ende 2014 verschoben. Aber bereits im Januar stand die lockere Geldpolitik im Widerspruch zu manchen USKonjunkturindikatoren. So notiert beispielsweise das Häusermarktvertrauen in den USA im ersten Quartal 2012 auf den höchsten Stand seit Mitte 2007. Auch auf dem Arbeitsmarkt mehren sich die positiven Zeichen: Die Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung sind auf den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2008 gefallen.
Der bessere Arbeitsmarkt dürfte denn auch der wichtigste Grund sein, wieso die Fed im März ihre Geldpolitik nicht weiter gelockert hat. Die ersten zwei Monate des neuen Jahres zeigen einen robusten Anstieg der US-Beschäftigung, welcher wahrscheinlich auch die Notenbank überrascht hat. Die Fed hatte noch im Januar die Arbeitslosigkeit für Ende 2012 bei 8,3% prognostiziert. Diese Marke wurde bereits im Februar erreicht. Setzt sich der Aufschwung in den USA fort, wird sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter verbessern und die US-Zentralbank wird gezwungen sein, ihre Prognose für die Arbeitslosigkeit nach unten zu korrigieren. Mit einem freundlicheren Konjunkturausblick wird aber eine weitere Lockerung der Geldpolitik zunehmend unwahrscheinlich. Die US-Notenbank könnte aufgrund der besseren Konjunkturprognosen gar zum Schluss kommen, das Ende der Nullzinspolitik wieder vorzuverlegen, was eine Straffung der Geldpolitik bedeutet. Vor diesem Hintergrund dürften die Investoren in diesem Jahr noch weitere Male von der Fed enttäuscht werden und die Verkaufswelle der letzten Woche wird nicht die letzte gewesen sein.
