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16.05.2018

Edelmetalle im UCITS-Gewand

Der französische Asset Manager OFI hat mit dem „OFI Precious Metals“ eine Besonderheit auf den deutschsprachigen Markt gebracht: Der erste UCITS-Fonds, der Edelmetalle beinhaltet. Warum das auch für konservative Anleger interessant sein kann, erklärt Fondsmanager Benjamin Louvet im Kurzinterview.

Benjamin Louvet, Fondsmanager OFI Asset Management

Benjamin Louvet, Fondsmanager OFI Asset Management

Foto: OFI

FONDS exklusiv: Der OFI Precious Metals ist der erste UCITS-Fonds mit Edelmetallen. Eigentlich dürfte es so etwas gar nicht geben.

Benjamin Louvet: Nachdem Gold und andere Edelmetalle in der Regel über Futures, also Derivate, gehandelt werden, wären sie in einem UCITS-Fonds nicht zulässig. Damit die Assetklasse für die Kunden besser zugänglich wird, haben wir das mittels Swaps über einen Bankpartner gelöst. Damit ist das Risiko für den Fonds eingegrenzt. Außerdem haben wir eine Währungsabsicherung, weil die Edelmetalle ja in US-Dollar gehandelt werden.

FONDS exklusiv: Ihre Kunden sind vor allem konservativ investierende Institutionelle. Wie passt ein Edelmetall-Fonds mit dem Schwerpunkt Gold, in die Investment-Philosophie von OFI?

B.L.: In der Tat ziehen die meisten institutionellen Investoren die Assetklasse der Edelmetalle nicht einmal in Erwägung. Gold zahlt keine Dividenden und keine Zinsen und bedeutet für sie nur zusätzliches Risiko im Portfolio. Darum liegt die Zielgruppe für den Fonds eher im Bereich Private Banking. Grundsätzlich hat sich die Situation aber dahingehend verändert, dass auch andere Assetklassen keine reale Rendite mehr bringen oder sogar im Minus sind. Verglichen mit diesen steht Gold ohne Zinsen wieder etwas besser da. Darum überlegen inzwischen auch einige Institutionelle mittels Gold zu diversifizieren, statt Einlagezinsen für die Barbestände zu zahlen. Wir glauben auch, dass diese Phase der Nullzinsen noch lange dauern wird.

FONDS exklusiv: Was macht Sie da so sicher?

B.L.: Man muss sich nur die Staatsverschuldung der USA anschauen. Diese ist von 70 Prozent des BIP im Jahr 2008 auf 107 Prozent im Jahr 2017 gestiegen. Die absolute Zinsbelastung ist aber sogar leicht gesunken, weil die Zinsen so niedrig sind. Bei anderen großen Ländern ist die relative Verschuldung noch viel größer. Das macht es auf absehbare Zeit unvorstellbar, dass die realen Zinsen steigen werden. Die nominalen Zinsen steigen zwar wieder und die US-Notenbank wird weitere Zinsschritte setzen. Allerdings gehen wir davon aus, dass mit dem Wirtschaftswachstum auch die Inflation steigt und zwar schneller als die nominalen Zinsen. Das bedeutet sinkende Realzinsen und diesen helfen dem Goldpreis. Das zeigt die langfristige Erfahrung seit den 1970er Jahren, als der Goldstandard von Bretton-Woods aufgehoben wurde. Abgesehen davon war Gold immer schon eine gute Absicherung gegen geopolitische Krisen.

FONDS exklusiv: Gilt das auch für andere Edelmetalle?

B.L.: Nachdem Silber stark mit Gold korreliert, ist der Effekt ähnlich. Bei Platin hingegen handelt es sich um ein Industriemetall, dass für Dieselkatalysatoren eingesetzt wird. Deshalb ist der Kurs voriges Jahr gefallen. Langfristig könnten Wasserstoff-Brennstoffzellen für einen höheren Bedarf von Platin sorgen. Ein Wasserstoff-Auto benötigt 40 Gramm Platin während ein Katalysator heute nur ein Zehntel davon braucht. Palladium hat zuletzt profitiert, weil es in Benzinkatalysatoren verwendet wird. Hinzu kommt, dass inzwischen weniger Palladium auf den Markt kommt, als die weltweite Nachfrage verlangen würde.

FONDS exklusiv: Wer kann in den Fonds einsteigen?

B.L.: Inzwischen ist der Fonds sowohl in Deutschland als auch in Österreich zum Vertrieb zugelassen. Er ist auch für Privatkunden ohne hohe Mindestanlagesumme zugänglich, lediglich die Gebühren unterscheiden sich von der institutionellen Anlageklasse. Ab 700 Euro ist man als Anleger dabei. Wir empfehlen aber nicht mehr als rund 5 Prozent des Portfolios in Edelmetalle anzulegen.