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11.04.2019

"Ein guter Private Banker widerspricht dem Kunden"

Die Finanzlandschaft habe sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert, sagt Hermann Wonnebauer, seit 1. April Vorstandsvorsitzender der Zürcher Kantonalbank Österreich. Der Private Banker aus Fleisch und Blut sei mehr denn je gefragt.

Hermann Wonnebauer, Vorstand ZKB Österreich

Hermann Wonnebauer, Vorstand ZKB Österreich

Foto: ZKB Österreich

Als neuer Vorstandsvorsitzender der will Hermann Wonnebauer Bewährtes fortführen: „Die Zürcher Kantonalbank Österreich AG wird weiterhin alles daransetzen, das Beste aus zwei Welten zu vereinen: Das Netzwerk und die wirtschaftliche Stärke des Mutterkonzerns sowie die lokale und individuell auf den Kunden zugeschnittene Betreuung von den Standorten Salzburg und Wien aus.“ Die Anleger selbst hätten sich grundsätzlich nicht verändert: „Das Verhalten bewegt sich nach wie vor wechselweise zwischen Panik und Gier. Das hat auch mit zutiefst psychologischen Mustern zu tun“, sagt der neue Vorstandschef aus Salzburg. In puncto Anlegerumfeld bleibe hingegen kein Stein auf dem anderen, denn es gibt – zumindest in Europa – keinen risikolosen Zinssatz mehr wie einst auf dem Sparbuch. Ziel sei daher, einen gesunden Kompromiss zwischen höheren Schwankungen und übertriebener Konservativität zu finden. „Einige Anleger agieren trotz veränderter Vorzeichen noch in tradierten Denkmustern und lehnen etwa eine nennenswerte Aktienquote kategorisch ab. Auch die Konzentration auf Lieblingsthemen und -märkte kann gefährlich sein, weil die Diversifikation darunter leidet. Andere wiederum sind zu ungeduldig und verkaufen zu früh – mit nur kleinen Gewinnen“, weiß Wonnebauer.

Private Banker als Schutzschild vor Emotionen

Durch die heute übliche, konstante Nachrichtenflut auf dem Smartphone beschäftigen sich Anleger rund um die Uhr mit aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen. „Das macht manchmal kurzsichtig, emotional verwundbar und wankelmütig“, ist Wonnebauer überzeugt. „Daher ist es sinnvoll, ausgehend von einer gemeinsam festgelegten Strategie, die Entscheidungen an Profis abzugeben. Diese können von Emotionen weitgehend unberührt agieren und neigen weniger zu irrationalen Entscheidungen.“ Hier ist auch ein innerer Pädagoge im Berater gefragt. „Es schadet sicherlich, wenn man Anlegern angewöhnt, ihr Portfolio rund um die Uhr zu bewachen.“ Privatanleger verfügen heutzutage teilweise über gute Finanzkenntnisse. Das kann hilfreich sein, ist aber nicht immer ein Segen. „Zum Fluch wird es, wenn man denkt, allein mit einem Basiswissen langfristig erfolgreich sein zu können. Das passiert häufig bei lange steigenden Märkten, wie wir sie seit 2009 beobachtet haben. Da hat man fast immer Geld verdient, wenn man investiert war“, führt Wonnebauer aus. Das habe die Wahrnehmung vieler Anleger verzerrt. Die individuelle Analyse und die Frage, ob man besser oder schlechter als der Markt oder der Index war, fiel dann oft unter den Tisch.

"Jeder Anleger hat eine aufrichtige Beratung verdient"

„Fachwissen und laufende Weiterbildung werden bei der Einstellung unserer Mitarbeiter vorausgesetzt, qualifizieren allein aber nicht zum Investmentcoach“, betont Wonnebauer und zählt aktives Zuhören, Hilfsbereitschaft und Verständnis als zusätzliche ideale Eigenschaften auf. „Dazu gehört auch, hin und wieder nicht einer Meinung mit dem Anleger zu sein. Die Ansichten des Kunden sind keine heilige Kuh. Manchmal muss man dem Kunden widersprechen und ihn dazu bringen, noch einmal zu reflektieren. Jeder Anleger hat eine aufrichtige Beratung verdient“, ist Wonnebauer überzeugt. Der persönliche Aspekt in der Beratung sei wichtig, auch wenn Technologie nicht wegzudenken ist. „In sensiblen Bereichen, wie etwa Cyber Security bleiben wir als Privatbank immer am Ball. Nicht alle technologischen Trends sind aber vorteilhaft. Hochfrequenzprogramme in Börsennähe etwa, die versuchen, Gewinne an der Hundertstelstelle zu machen, halte ich für gefährlich. Grundlegende Anlageentscheidungen sollten nie spontan per Knopfdruck getroffen werden, sondern auf rationalen und sorgfältigen Überlegungen gründen.“