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19.12.2018

Ein neues Gleichgewicht finden: Rückkehr zur Normalität?

Noch seien die Aktienmärkte noch nicht an einem Punkt angelangt, um wieder stärker ins Risiko zu gehen, sagt Talib Sheikh, Fondsmanager des Jupiter Flexible Income SICAV bei Jupiter Asset Management.

Talib Sheikh, Fondsmanager Jupiter AM

Talib Sheikh, Fondsmanager Jupiter AM

Foto: Jupiter

Mit Blick auf 2019 werden wir genau beobachten, ob es den globalen Märkten gelingt, ein neues Gleichgewicht zu finden. Dabei geht es darum, die Akzeptanz höherer Zinsen und den Rückgang der enormen Liquidität gegen die relativ guten Aussichten auf ein beständiges, wenn auch unspektakuläres globales Wirtschaftswachstum auszubalancieren. Nach den letzten vier Monaten dieses Jahres zu urteilen, sollten sich Anleger auf eine holprige Phase an den Märkten einstellen.

In den letzten zehn Jahren haben die Zentralbanken die Märkte gestützt, indem sie die Zinsen auf historischen Tiefständen gehalten und durch die quantitative Lockerung rund 15 Billionen US-Dollar in die Weltwirtschaft gepumpt haben, um das Wachstum nach der Finanzkrise von 2007/08 wieder anzukurbeln. Diese Maßnahmen haben zu erheblichen Marktverzerrungen geführt: Allein am Anleihemarkt rentieren aktuell Staatsanleihen im Wert von rund 8,5 Billionen US-Dollar mit einer Negativrendite; in der Eurozone sind es 27,5 Prozent der Staatsanleihen. Das bedeutet, dass Investoren dafür bezahlen, diese Papiere zu halten.

Die Notenbanken, allen voran die Fed, wissen, dass eine derartige Situation langfristig nicht haltbar ist. Nicht umsonst war ja immer die Rede von einer unkonventionellen Geldpolitik. Dass die Zinsen seit zwei Jahren wieder steigen, liegt daran, dass die Fed – wie auch wir – das globale Wirtschaftswachstum inzwischen für ausreichend stark hält, um höhere Kreditkosten verkraften zu können. Der Übergang zu einer Normalisierung der Geldpolitik hat den Märkten sichtbar zu schaffen gemacht und sich in einer hohen Marktvolatilität und negativen Renditen im bisherigen Jahresverlauf für die meisten Anlageklassen außer Barmitteln niedergeschlagen. Die Schwellenländer haben dies besonders zu spüren bekommen und die Länder und Unternehmen in der Region haben erhebliche US-Dollar-Schulden angehäuft. Mit der durch den Zinsanstieg bedingten Aufwertung des US-Dollars wird die Rückzahlung dieser Darlehen für sie immer teurer.

Daher stellt sich die Frage: Werden sich die Märkte auf die höheren Zinsen einstellen, wenn die Wirtschaft weiterwächst? Angesichts der anhaltenden Volatilität an den Märkten setzen wir mit unserem Fonds weiter auf hochwertige Vermögenswerte wie US-Anleihen und US-Aktien, die beide vom außergewöhnlich starken Wachstum der US-Wirtschaft profitieren. Wir verfolgen eine breite Diversifikation und einen agilen Ansatz. Darüber hinaus präferieren wir Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern und finanzbezogene Schuldtitel. Insgesamt ist die Aktienquote in unserem Portfolio aufgrund des aktuellen Marktklimas aber geringer als sie es normalerweise vielleicht wäre. Nach dem heftigen Ausverkauf der letzten Monate sehen wir jetzt wieder mehr Potenzial für Wertsteigerungen. Natürlich gibt es einen Punkt, an dem Anlagewerte so günstig sind, dass wir versucht sein könnten, mit unseren Portfolios wieder etwas stärker ins Risiko zu gehen. Diesen Punkt haben wir aber noch nicht erreicht. Doch wenn es so weit ist, dürfte das signalisieren, dass die Märkte sich auf ein neues Gleichgewicht zwischen Liquidität und Wirtschaftswachstum eingependelt haben.