Meldungen | Investmentfonds
18.04.2018

Ein Viertel hält Investmentfonds für attraktiv

Eine Umfrage anlässlich des Weltfondstags am 19. April zeigt, dass immerhin jeder vierte Österreicher Investmentfonds als Alternative zum Sparbuch in Betracht zieht. Die Markttrends des 1. Quartals 2018 sorgten vorerst für eine Konsolidierung des Fondsvolumens, besagen die neuesten Fondsstatistiken.

Heinz Bednar, Präsident VÖIG

Heinz Bednar, Präsident VÖIG

Foto: VÖIG

Das Fondsvolumen in Österreich ist im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Jahresultimo um 2,4 Milliarden Euro auf 173 Milliarden Euro leicht gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau. Für die Konsolidierung an den Märkten waren hauptsächlich politische Faktoren ausschlaggebend, wie etwa die von Amerika ausgehenden Ankündigungen, den Marktzugang von wichtigen Handelspartnern mit der Einführung von Zöllen allenfalls einzuschränken. Dennoch kam es im ersten Quartal zu Nettomittelzuflüssen in der Gesamthöhe von 866 Millionen Euro, wovon in Anleihenfonds rund 174,7 Millionen Euro, in Aktienfonds rund 173,5 Millionen Euro und in gemischten Portfolios rund 544 Million Euro flossen. Die Niedrigzinsphase trägt weiter dazu bei, dass die österreichischen Investoren tendenziell verstärkt in Aktienfonds und gemischte Portfolios investieren. „Gemischte Fonds verzeichnen mit Abstand das stärkste Wachstum und liegen im Volumen mittlerweile vor den Anleihenfonds“, stellte Heinz Bednar, Präsident der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG), gegenüber Medien fest. Wie schon in den vergangenen Jahren, nehmen der VÖIG und die Vereinigung der ausländischen Anbieter (VAIÖ) den Weltfondstag am 19. April zum Anlass, um im Vorfeld die Trends bei den Investmentfonds auf die Agenda zu bringen.

Mischfonds und Immobilien legen zu

Per Ende März 2018 lag der Anteil der gemischten Fonds bei 42,4%, jener der Rentenfonds bei 40,1%. Vor fünf Jahren lag der Anteil der Rentenfonds noch bei 45,2%. Auf einem kontinuierlichen Wachstumspfad befinden sich auch Aktienfonds, deren Anteil aktuell mit 16,5% ausgewiesen wird. „Die aktiv gemanagten gemischten Portfolios eignen sich besonders für Privatinvestoren, die aus dem Spareinlagenbereich herausgehen und den Schritt auf den Kapitalmarkt mit überschaubarem Risiko wagen“, ergänzt Bednar. Auch Immobilien sind als Anlageform für die Österreicher nach wie vor attraktiv. Davon profitieren auch die offenen Immobilienfonds, die im ersten Quartal 2018 einen Volumenzuwachs von rund 173 Millionen Euro erzielten. Das Fondsvolumen erreichtet einen neuen Rekordwert von aktuell 7,64 Milliarden Euro. „Die Immobilienfonds sind ein wichtiger Baustein der Risikostreuung im Veranlagungsprofil von Privatinvestoren“, so der VÖIG-Präsident.

International dominieren Aktienfonds

2017 war für die globale Fondsindustrie wieder ein erfolgreiches Jahr. Und die Kauflaune der Investoren hat - nach dem erfreulichen Jahr 2016 - auch 2017 angehalten: „2017 gab es die größten Nettomittelzuflüsse, die jemals erzielt wurden“, gab der Generalsekretär der VAIÖ, Berndt May, bekannt. Fonds nach der Definition der UCITS- und AIF-Regulierung erreichten zusammen weltweite Nettomittelzuflüsse in der Höhe von 2.500 Milliarden Euro und in Europa von 949 Milliarden Euro. Per Jahresende 2017 hat sich das weltweite in Fonds veranlagte Volumen auf rund 44 Billionen Euro erhöht (Stand Ende 2016: 41 Billionen Euro) und damit auch 2017 ein neues Allzeit-Hoch erreicht. Weltweit dominieren weiterhin Aktienfonds mit einem Marktanteil von 42%, in Europa beträgt der Anteil der Aktienfonds 39%. Die am Marktanteil gemessen zweitgrößte Anlageklasse sind Anleihenfonds (weltweit 21%, in Europa 27%), gefolgt von Multi-Asset-Fonds mit einem Marktanteil von 18% (sowohl in Europa als auch weltweit). Das stärkste Wachstum verzeichneten die Multi-Asset-Fonds mit einem Wachstum von 16%. „Aufgrund der weiterhin tiefen Zinsen ist die Nachfrage nach Anleihenfonds etwas geringer, aber man spürt aufgrund der Erwartung steigender Zinsen erste Anzeichen einer Normalisierung“, beobachtet May.

Interesse ist da, Wissen ist ausbaufähig

Die beiden Fondsverbände haben dieses Jahr wieder in einer repräsentativen Umfrage die Beliebtheit und Nutzung verschiedener Anlageformen von Intagral abfragen lassen (500 Befragte, 6.-13. März 2018, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung 16-69 Jahre). Die wichtigsten Ergebnisse lauten zusammengefasst wie folgt: An der Spitze der genutzten Anlageformen stehen bei den Österreichern und Österreicherinnen erwartungsgemäß „sichere“ Varianten wie Sparbuch und Bausparen. Immerhin jeder vierte Österreicher findet Fonds „attraktiv“, mehr als ein Fünftel nützt Fonds für die persönliche Geldanlage. Jeden Zweiten würde eine steuerliche Besserstellung bei längerfristigen Veranlagungen zum Kauf eines Fonds motivieren. Von Fonds erwartet man sich dabei vor allem „höhere Erträge als am Sparbuch oder beim Bausparen“ (8 von 10) bzw. ist es den Befragten wichtig, „nicht gebunden“ zu sein (78%). Die Hauptgründe dafür, warum nicht in Fonds angelegt wird, sehen die Befragten vor allem im zu geringen Wissen (7 von 10) bzw. bei zu wenig Kapital (45%). Die persönliche Beratung wird nach wie vor groß geschrieben: 50 Prozent informieren sich in der Bankfiliale bzw. beim Berater über Fonds, ein Drittel im Internet (Suchmaschinen, Foren etc.) bzw. 24% auf Bankenhomepages. „Hier sind die Fondsgesellschaften und die Bankinstitute gefordert, bei der Wissensvermittlung aktiv beizutragen, aber auch der Gesetzgeber, um die private Vorsorge zu attraktiveren“, schließt Bednar aus den Ergebnissen. „Nicht zuletzt dient der Weltfondstag am 19. April dazu, die Neugierde der Österreicherinnen und Österreicher für Fonds zu wecken.“

Vorsorgedepot wird weiterhin gefordert

Für eine Stärkung der privaten Pensionsvorsorge erwartet man sich Rückenwind im Zuge der angekündigten Einkommensteuerreform 2020. Die VÖIG und VAIÖ sind in die Gespräche dazu eingebunden und verfolgen weiter die Idee des Vorsorgedepots. Demnach sollen Kunden die Möglichkeit haben, unter Produkten wie Investmentfonds, Direktveranlagungen, Versicherungen, etc. frei zu wählen. Die ausgewählten Produkte sollten in der Ansparphase steuerbefreit werden. Bei einer nicht widmungsgemäßen Verwendung würde eine Nachversteuerung erfolgen. „Zusätzlicher Vorteil für den Staat: Das Vorsorgedepot würde keine staatliche Prämie benötigen und die erste Säule sinnvoll ergänzen“, ist Heinz Bednar überzeugt .