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25.04.2019

Erster Rohstoff-Fonds unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit

Spängler IQAM Invest hat gemeinsam mit der Research-Agentur rfu einen neuen Ansatz für Rohstoff-Investments entwickelt. Der Non-Food Commodity Index wird um den Faktor Nachhaltigkeit erweitert.

Foto: Degussa

Der Abbau von Rohstoffen ist meist mit hohen gesellschaftlichen und ökologischen Risiken verbunden. Gleichzeitig sind Rohstoffe die Grundlage unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, ohne die eine Produktion von wichtigen Gütern, eine verlässliche Energieversorgung und die Sicherung der Ernährung nicht möglich wären. Wie also nachhaltig auf den Rohstoffmärkten investieren? „Für den Strategic Commodity Fund – der Nahrungsmittel-freie Rohstoff-Fonds von Spängler IQAM Invest – wurde gemeinsam mit den Nachhaltigkeits-Spezialisten der Research-Agentur rfu ein am Markt gänzlich neuer Ansatz entwickelt“, sagt Markus Ploner, Geschäftsführer von Spängler IQAM Invest. Der Fonds investiert bereits seit über einem Jahr in den IQAM Non-Food Commodity Index. Der komplette Ausschluss von Lebensmitteln war schon ein erstes Zugeständnis an die ethischen Bedenken vieler Investoren. Nun gehe man noch einen Schritt weiter. Seit Anfang April 2019 wird im zugrundeliegenden Index und damit auch im Fonds bei der Gewichtung der Rohstoffe neben der Bewertung (Value) und der Stimmung (Sentiment) auch die Nachhaltigkeit explizit berücksichtigt.

Quantitative Rohstoff-Auswahl im Index

Wie funktioniert die Auswahl? Das Rohstoff-Universum kommt aus den drei Sektoren Industriemetall (Aluminium, Kupfer, Blei, Nickel, Palladium, Zink), Energie (Heizöl, Erdgas, Benzin bleifrei, Gasöl, Rohöl Brent, Rohöl WTI) und Edelmetall (Gold, Silber, Platin). Die Gewichtung der zehn ausgewählten Rohstoffe basiert ausschließlich anhand ihrer Nachhaltigkeitsrankings. „Für die genannten 15 Rohstoffe werden die ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette analysiert, d. h. vom Abbau über die Veredelungs- und Verarbeitungsprozesse bis hin zur Nutzung der Rohstoffe im Rahmen unterschiedlichster Produkte und Anwendungen“, erklärt Ploner.  

Nachhaltigkeits-Rating am Beispiel von Silber

Das Ergebnis der erstmals 2018 von rfu durchgeführten und alle zwei bis drei Jahre zu aktualisierenden Analysen sind Nachhaltigkeits-Ratings zu den 15 untersuchten Rohstoffen auf einer neunstufigen Skala von A+ bis C-. Folgende Faktoren fallen ins Gewicht:

Erzeugung: Die Gewinnung von jährlich rund 25.000 Tonnen Silber ist mit zum Teil starken Eingriffen in die Natur verbunden. Die hohe Recyclingquote von Silber ist positiv hervorzuheben. Daraus resultiert für den Wertschöpfungsschritt der Erzeugung („E“ in der Box) eine mit -2,5 Punkten negative, aber im Vergleich zu den beiden anderen Edelmetallen Platin und Gold weniger kritische Beurteilung.

Nutzung: Bei der Nutzung („N“) von Silber schlagen die langen Lebenszyklen in vielen der wichtigsten Anwendungsfelder positiv zu Buche: 25 % Schmuck und Silberwaren, 22% Elektro- und Elektronikprodukte, 20 % Münzen und Barren, 13 % Photovoltaikzellen. Die Bewertung ist deshalb mit +0,8 im positiven Bereich.

Ökologie und Soziales: Weiters sind die Resultate gegliedert nach der ökologischen („Ö“) und der sozialen Dimension („S“). Hierbei wirken sich die oft niedrigen Umweltstandards, die mangelhaften Arbeitsbedingungen und die Betroffenheit der Anwohner im Umfeld der Minen in den wichtigsten Herkunftsregionen – überwiegend Südamerika und Asien – negativ aus: -0,6 Punkte für die Ökologie und -1,6 für die sozialen Effekte.

Gewichtung der Rohstoffe im Index

 

Der Gesamtscore von Silber ist mit -1,0 leicht negativ, was einem Rating mit B- entspricht. Explizit berücksichtigt werden auch Zukunftstrends in Form neuer Anwendungsbereiche und Produktionstechnologien. Silber ist dafür ein positives Beispiel, denn das nachhaltige Anwendungsfeld Photovoltaik ist stark wachsend. Entsprechend zeigt der Trendindikator nach oben. Insgesamt erreicht Silber die klar beste Position innerhalb der Edelmetalle und liegt auch im Gesamtranking aller Rohstoffe – hinter Nickel und Kupfer – an dritter Stelle.

Das Gesamtranking geht dann als gewichtungsrelevanter Faktor in die Zusammensetzung des IQAM Non-Food Commodity Index ein: 14,5 % für den nachhaltigsten der 10 ausgewählten Rohstoffe, 13,5% für jenen mit dem zweitbesten Ergebnis etc. bis hinunter zu 5,5 % für den am niedrigsten bewerteten Rohstoff. „Der Performanceunterschied zwischen dem IQAM Non-Food Commodity Index und dem IQAM Non-Food Commodity Index Sustainability screened ist auf die letzten fünf Jahre gesehen gering, wenngleich die historischen Tests zeigen, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit in den letzten 20 Jahren vorteilhaft gewesen wäre“, nennt Ploner ein erstes Ergebnis.