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17.02.2015

Europäer sind am besten für das Alter abgesichert

Die von Natixis Global Asset Management veröffentlichte „Retirement Index“-Studie zeigt aber auch große Unterschiede innerhalb Europas auf. Die Demografie mache überall eine private Vorsorge notwendig.

Deutschland belegt bei der finanziellen Absicherung und Lebensqualität von Rentnern laut der jüngsten „Global Retirement Index“-Studie den neunten Platz. Damit konnte sich Deutschland, ungeachtet des im Vergleich zum Vorjahr etwas schwächeren Ergebnisses, erneut seinen Platz unter den Top-10 der 150 befragten Länder sichern. Die größte Volkswirtschaft Europas zeichnet sich durch starke Fundamentaldaten und ein führendes Sozial- und Gesundheitssystem aus. Auch die Binnennachfrage und der Export haben jüngst wieder zugelegt. Die aktuellen Studienergebnisse spiegeln allerdings auch die 2014 zeitweise schwächere Wirtschaft sowie sinkende Realzinsen wider, die Rentner und Sparer in besonderem Maße belasten.

Natixis Global Asset Management (NGAM), einer der weltweit größten Asset Manager, hat die Studie in Auftrag gegeben, die vom britischen Finanzresearch-Unternehmen CoreData Research erstellt wurde. Sie basiert auf Daten aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen wie etwa der Weltbank und den Vereinten Nationen. Untersucht wurden die jeweiligen Standards der finanziellen Alterssicherung und die allgemeinen Rahmenbedingungen für Ruheständler in 150 Ländern. Dabei wurden die jeweils 20 wichtigsten Trends in den folgenden vier Kategorien genauer untersucht: Gesundheit und Qualität der medizinischen Betreuung, persönliches Einkommen und Finanzen, Lebensqualität sowie sozioökonomische Faktoren.

„Die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB hat negative Auswirkungen auf die Vermögen von Sparern und zukünftigen Ruheständlern“, so Jörg Knaf, Executive Managing Director von Natixis Global Asset Management in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. „Allerdings ist die sich inzwischen wieder verbessernde staatliche Finanzlage, einschließlich eines Haushaltsüberschusses für 2014 und eines ausgeglichenen Haushalts für 2015, ein gutes Zeichen.“

Sicherheit im Ruhestand wird für die meisten Rentner ungewiss

Die globale Studie zeigt, dass es künftig immer schwieriger werden wird, eine sichere Altersvorsorge zu betreiben. Dies gilt für Industrieländer ebenso wie für Schwellenländer. Wesentliche Gründe für diese Entwicklung sind demografische Entwicklungen, leere öffentliche Kassen, eine ungünstige Fiskalpolitik und volatile Märkte. Arbeitnehmer müssen sich auf eine wachsende Rentenlücke einstellen und frühzeitig privat für ihre Rente vorsorgen. „Zukünftige Ruheständler in Deutschland sollten sich nicht auf die gesetzliche Rente verlassen. Der Abwärtstrend, den wir seit vielen Jahren beobachten, deutet darauf hin, dass das staatliche Rentensystem in Deutschland weiter geschwächt wird“, erklärt Knaf. Global zeige sich das gleiche Bild: Jeder müsse zunehmend Eigenverantwortung für seine Altersvorsorge übernehmen.

Die weltweite Studie zeigt außerdem, dass 66 Prozent der Anleger keinen konkreten Finanzplan für ihre Altersvorsorge haben. Gleichzeitig gaben lediglich 16 Prozent der Befragten an zu wissen, wie hoch ihre jährlichen Einkünfte sein müssen, damit sie ihren Lebensstandard auch im Alter beibehalten können. Privatanleger sollten sich dabei auf Faktoren konzentrieren, auf die sie Einfluss haben – wie etwa die Finanzplanung, das Festlegen von Anlagezielen und ein größeres Engagement im Hinblick auf ihre Finanzen.

Europäische Länder schneiden im internationalen Vergleich am besten ab

Die Studienergebnisse zeigen darüber hinaus, dass Rentner in Europa im internationalen Vergleich finanziell am besten abgesichert sind. Acht der Top-10-Länder liegen in Europa. Am besten schnitt auch in diesem Jahr die Schweiz mit dem ersten Platz im Ranking ab. Hier haben die Rentner die derzeit höchste Lebensqualität und finanzielle Versorgung im Alter. Innerhalb Europas muss hinsichtlich der Lebenssituation von Ruheständlern stark differenziert werden: Die Länder in der Peripherie Europas, wie Griechenland, Italien oder Spanien, können die finanzielle Sicherheit ihrer Rentner aufgrund der starken Verschuldung und anhaltend hoher Arbeitslosigkeit nicht mehr gewährleisten. Länder wie Deutschland, die auch in diesem Jahr noch unter den Top-10 sind (Plätze 1 bis 6: Schweiz, Norwegen, Australien, Island, Niederlande, Schweden), haben die Strukturen ihrer Rentensysteme im Sinne der Bürger verbessert. In Deutschland etwa hat die Politik unpopuläre Entscheidungen, wie die Rente mit 67 zur Stabilisierung der finanziellen Absicherung im Alter, getroffen.

Weltweiter Trend: Das Modell der staatlichen Altersvorsorge wackelt

Die Studie hat gezeigt, dass nach wie vor die hohe Staatsverschuldung vieler Länder und ein verändertes Marktumfeld negative Auswirkungen auf die finanzielle Sicherheit ihrer Bürger im Alter haben. Dieser Trend ist aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung mit höheren Ansprüchen an die gesetzlichen Versorgungssysteme auf Dauer nicht mehr aufzuhalten. Selbst in Ländern, die in der Studie am besten abgeschnitten haben, sollten künftige Rentner wegen der demografischen Entwicklung bereits heute finanziell vorsorgen. „Anleger müssen sich darauf einstellen, selbst mehr für ihren Ruhestand anzusparen“, so Hervé Guinamant, Präsident und CEO für den internationalen Vertrieb bei Natixis Global Asset Management. „Und die Asset-Management-Industrie muss nachziehen, indem sie die erforderlichen Portfoliobausteine zur Verfügung stellt. Der Fokus sollte dabei auf dem Faktor Risiko und der Minimierung der Volatilität liegen, damit die Anleger ihre langfristigen Sparziele auch erreichen können“.