Finanzdienstleister warnen vor unseriösen Goldanbietern
Die Investition in Gold ist aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage bei Konsumenten sehr gefragt. „Diese Tatsache machen sich seit geraumer Zeit auch unseriöse Anbieter zu nutze - und dies nicht nur im Internet,“ warnt Johann Wally, Ombudsmann der Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Wien.


Eine Investition in Gold ist - nicht nur in Krisenzeiten - als wertstabile Kapitalanlage empfehlenswert. Sie sollte mit einem Anteil von 5 bis 10 Prozent Teil eines gut gestreuten Portfolios sein. Aber manche angebotene Produkte haben mit der klassischen Goldanlage wenig gemein, meint die Fachgruppe der Finanzdienstleister. Schlimmer noch, die unseriösen Anbieter bedienen sich auch noch äußerst fragwürdiger Verkaufsmethoden: „Meist baut ihre Argumentation auf der bereits vorherrschenden Verunsicherung der Konsumenten auf. Mit Horrorszenarien, die anhand negativ überzeichneter Wirtschaftsdaten eindrucksvoll präsentiert werden, wird der Konsument somit in seiner Verunsicherung bestärkt - und ist damit zum Kauf leicht zu ,überzeugen'. Für die Finanzierung wird dann oftmals der Verkauf bereits angesparter Vermögenswerte wie z.B. einer Lebensversicherung oder sogar die Aufnahme eines Kredits angeraten", heißt es.
In Österreich ist der Goldhandel per se (= Kauf und Verkauf von physischem Gold ohne jegliche individuelle Anlageberatung) bei Vorliegen einer entsprechenden Handelsgewerbeberechtigung erlaubt. Wer Gold kaufen möchte, kann dies am besten bei der Hausbank oder der ÖGUSSA (Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt Ges.m.b.H.) tun bzw. einen gewerblichen Vermögensberater des Vertrauens zurate ziehen.
Finger weg von Internetangeboten
Ganz Finger weg heißt es bei Internetangeboten: „Die oftmals vorherrschende Meinung, dass der Direktkauf von Gold via Internet günstiger als bei der Bank sei, ist falsch", so der Ombudsmann. Gold unterliege einem Tagespreis, daher können seriöse Goldkäufe via Internet keinesfalls günstiger sein als bei der Bank. Im Gegenteil: Die Seriosität eines Anbieters im Internet sowie dessen Produkte können nur schwer überprüft werden. Im Schadensfall gebe es kaum eine Möglichkeit, diese Firmen zur Rechenschaft zu ziehen. Dasselbe gelte für Finanzierungen: Keine Kreditabschlüsse über das Internet.
Das Thema Goldanlage, neben den Kredit- und Fremdwährungsfinanzierungen (FW-Kredite) stand im Jahr 2011 im Mittelpunkt des Interesses der Konsumenten, zieht Wally Bilanz. 2011 war gekennzeichnet durch einen massiven Rückgang der Beschwerden auf 15 Prozent, während dem Beratungsaufwand mit 85 Prozent ein sehr hoher Anteil an den insgesamt 100 konkret bearbeiteten Anfragen zukam.
Kredit: Nichts geht mehr?

Eine weitere Verunsicherung bei den Konsumenten ortet Wally bei der Kreditvergabe. Aufgrund der gesetzlichen Regelungen haben sich die Kreditpolitik sowie -richtlinien der heimischen Banken im letzten Jahrzehnt zunehmend verschärft. Für viele Konsumenten ist das oftmals langwierige Entscheidungsverfahren im Zuge eines Kreditansuchens nicht mehr nachvollziehbar.
Obwohl Banken sich zunehmend um das Kreditgeschäft bemühen, sind die Anforderungen in Bezug auf die Kreditwürdigkeit erschwert sowie der bürokratische Aufwand (auch aufgrund des verbesserten Konsumentenschutzes) enorm gestiegen. Seitens der Konsumenten wird die Kreditvergabe daher oftmals als restriktiv wahrgenommen.
Positiv in diesem Zusammenhang sieht der Ombudsmann die zunehmende Anerkennung und In-Anspruchnahme der gewerblichen Vermögensberater und Personalkreditvermittler. Bei Hypothekar- und Personalkrediten unterstützen sie als Partner der Banken Konsumenten bei der Aufbereitung der Unterlagen, überprüfen die Angebote und erzielen aufgrund ihres Volumens meist die besseren Kreditkonditionen.
