Meldungen | Investmentfonds
14.11.2017

Fondsgesellschaften richten Forderungen an die Regierungsverhandler

Bei den Fondstagen in Saalfelden wurde eine positive Bilanz des zu Ende gehenden Jahres gezogen. ÖVP und FPÖ bekamen die Wünsche der heimischen Branchenvertreter auf den Weg zur Regierung mitgegeben.

Heinz Bednar, Vorstand VÖIG

Heinz Bednar, Vorstand VÖIG

Foto: VÖIG

Das von den österreichischen Investmentfondsgesellschaften verwaltete Fondsvolumen stieg in den ersten zehn Monaten um 8,2 Mrd. Euro auf 175,3 Mrd. Euro. Das entspricht einem Anstieg um 4,9%. Die Nettomittelzuflüsse erhöhten sich um 0,9 Mrd. Euro, der Nettomittelzuwachs betrug im institutionellen Bereich 2,7 Mrd. Euro, im Publikumsbereich gab es ein leichtes Plus von 0,1 Mrd. Euro. Diese Bilanz zog die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften bei ihrer jährlichen Tagung, den Fondstagen, die dieses Jahr in Saalfelden (Salzburg) stattfanden. „Der Trend zu gemischten Portfolios hält weiter an. Dieses Anlagesegment verzeichnete einen Nettomittelzufluss in Höhe von 3,5 Mrd. Euro. Bereits 43,3% des gesamten Fondsvolumens werden in gemischten Strategien veranlagt“, sagt VÖIG-Vorstandsvorsitzender Heinz Bednar: Performancesieger waren österreichische Aktienfonds (35,46%), gefolgt von Aktienfonds Europa ex. UK (27,36%) und Aktienfonds Euroland (19,01%. Im Bereich der vermögensverwaltenden Fonds bewegte sich die Performance zwischen rund 2,8% bis 8,7%. Die Rentenfonds entwickelten sich in einem Bereich zwischen -0,14% und 1,62%. Im Bereich der Geldmarktfonds war die Performance knapp negativ.

Die Vertreter der heimischen Fondsindustrie formuliert auch ein Memorandum mit Forderungen an die gerade in Entstehung befindliche Bundesregierung. Es geht ihnen vor allem um die Begünstigung der langfristigen Vorsorge mit Investmentfonds, wie folgt:

1. Die Österreichischen Fondsgesellschaften begrüßen alle Überlegungen und Vorhaben der neu zu bildenden Bundesregierung, die ergänzende private, kapitalgedeckte Vorsorge weiter auszubauen. Wir stehen für sämtliche Vorschläge offen und bringen uns in die Ausgestaltung von Neuregelungen gerne mit unserer Expertise ein.

2. Aus Sicht der Investmentfondsbranche, aber auch aus Sicht ihrer Kunden, sind die bestehenden Rahmenbedingungen für die private Pensionsvorsorge zu starr. Den Vorsorgesparern der dritten Säule sollte ebenfalls – wie in der zweiten Säule - die Möglichkeit eingeräumt werden, zwischen verschiedenen Risikoklassen zu wählen.

3. Größtes Manko der bestehenden Zukunftsvorsorgeeinrichtung derzeit ist, dass das Investmentuniversum zu restriktiv ist und eine zwingende Kapitalgarantie vorgesehen ist. Für die langfristige Pensionsvorsorge ist schon vor dem anhaltenden Niedrigzinsniveau eine individuelle Aktienquote von großer Bedeutung. Garantieverpflichtung und Aktienquote sind aber nicht sinnvoll miteinander vereinbar und führen zu hohen Garantiekosten. Dies hat schwerwiegende Auswirkungen. Eine aktuelle Studie der Nationalbank zeigt, dass Vorsorgeprodukte in der Finanzveranlagung in Österreich eine untergeordnete Rolle spielen. Lediglich 21% der Veranlagungen sind im Vorsorgebereich, der EU-Durchschnitt beträgt 38%!

4. Unbefriedigend gelöst ist auch die steuerliche Situation. Wer langfristig für die Pension anspart wird gegenüber kurzfristigen spekulativen Anlegern gleichgestellt, d.h. es kommt bei der Realisierung von Kursgewinnen die volle KESt zum Tragen. Die Politik hat die Aufgabe die Rahmenbedingungen zu ändern. Um eine positive Stimmung für Investmentfonds und den Kapitalmarkt zu erzeugen, wäre eine Aufhebung der Wertpapier-KEST anzudenken.

5. Aus Wettbewerbsaspekten wäre es wünschenswert, die dritte Säule dahingehend zu liberalisieren, dass Kunden unter Pensionsvorsorge-Produkten, wie Investmentfonds und Versicherungen, je nach persönlicher Risikobereitschaft frei wählen können, die auf einem Sperrkonto (Vorsorgedepot) der Pensionsvorsorge (und Pflegevorsorge) gewidmet werden. Die gewählten Produkte sollten steuerlich gleich behandelt werden wie das derzeit bestehende Zukunftsvorsorgeprodukt.

6.Bei Erfüllung des Vorsorgezweckes würde die bestehende Wertpapier KESt nicht zum Tragen kommen (so diese beibehalten wird). Erst bei einer nicht-widmungsgemäßen Verwendung würde eine Nachversteuerung erfolgen. Für ein solches, nicht kapitalgarantiertes Pensionsvorsorgeprodukt wäre keine staatliche Prämie erforderlich!