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10.01.2011

"Franken, Dollar und Yen profitieren von der Euro-Krise"

Mit einer Abschwächung des europäischen Wirtschaftswachstums bleiben die Euro-Ängste virulent, meint Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin 

Ursina Kubli, Bank Sarasin

Ursina Kubli, Bank Sarasin

Der Euro und der Dollar gerieten in diesem Jahr wechselseitig auf die Abschussliste der Anleger. Einerseits löste die zusätzliche Lockerung der US-Geldpolitik, das sogenannte Quantitative Easing (QE2), weltweit Ängste vor einem Währungskrieg aus. Andererseits schürte die Schuldenproblematik in den europäischen Peripherieländern die Angst, dass der Euro in der bestehenden Form nicht überleben könne. Beide Hauptwährungen hatten demzufolge zeitweise große Verluste zu verzeichnen.
"Die gegenwärtige Angst, dass die USA ihre Wirtschaft mit einem schwachen Dollar wieder beleben will und damit einen globalen Abwertungswettlauf anzettelt, ist übertrieben", meint Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin. Der positive Wachstumseffekt einer schwachen Währung werde im Falle der USA häufig überschätzt. Mit einer Exportquote von zwölf Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe der amerikanische Außenhandel nur eine geringe Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem birge die Politik eines schwachen Dollars hohe politische Risiken. Die Lockerung der US-Geldpolitik diene also nicht dazu, sich einen Preisvorteil im internationalen Handel zu verschaffen, sondern solle ein Abgleiten in die Deflation verhindern und den Arbeitsmarkt wieder beleben.
Ob das Federal Reserve System (Fed) den Kauf von Staatsanleihen im nächsten Jahr erneut aufstocken wird, hängt vom der konjunkturellen Entwicklung der US-Wirtschaft ab, meint Kubli. Gemäß dem Konjunkturszenario der Bank Sarasin wird sich die US-Wirtschaft zwar im 1. Halbjahr 2011 weiter abkühlen. Weitere geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen werden jedoch nicht nötig sein. "Die Kerninflation in den USA wird bereits in den kommenden Monaten ihren Boden finden und der Arbeitsmarkt sollte sich stabilisieren. Der Dollar wird folglich nicht durch eine expansivere Geldpolitik belastet werden. Vielmehr dürfte er im 1. Halbjahr des kommenden Jahres von den Euroängsten profitieren".
Trotz des europäischen Schutzschirms bleibe die Ansteckungsgefahr zwischen den europäischen Defizitländern virulent. Sollte auch Portugal im nächsten Jahr den Schutzschirm in Anspruch nehmen, was aufgrund des heutigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden könne, würden die langfristigen Zinsen der übrigen Defizitländer wie Spanien oder Italien ebenfalls steigen und die europäische Gemeinschaftswährung bleibe unter Druck. "Noch herrscht unter den Anlegern großer Optimismus für das europäische Wirtschaftswachstum", so die Bank Sarasin, die jedoch erwartet, dass der produktionsgetriebene Aufschwung im Euroraum bald an Schwung verliert. Damit dürften die Sorgen darüber zunehmen, ob die Steuereinnahmen ausreichen werden, um die Budgetdefizite wie geplant zu kürzen. Der Franken werde ebenfalls von den Euroängsten profitieren. Dies zeige die hohe Korrelation zwischen dem Euro-Franken-Wechselkurs und den Zinsdifferenzen von 10-jährigen Staatsanleihen zwischen den Defizitländern und Deutschland. Erst wenn die europäischen Vorlaufindikatoren im Euroraum im 2. Halbjahr des nächsten Jahres erneut steigen und erste Resultate der Sparanstrengungen vorliegen, dürften sich die Euroängste wieder etwas beruhigen. Der Franken, der zuvor auf ein überbewertetes Niveau geklettert ist, wird sich wieder abschwächen, so die Bankexpertin abschließend.