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10.12.2018

Fünf Anleger-Vorsätze für das Jahr 2019

Otto Lucius vom Österreichischen Verband Financial Planners gibt Privatanlegern einige goldene Regeln mit auf den Weg, die aber auch über den Ein-Jahres-Horizont hinaus ihre Berechtigung haben.

Otto Lucius, Vorstandsmitglied Verband Financial Planners

Otto Lucius, Vorstandsmitglied Verband Financial Planners

Foto: Verband Financial Planners

Unabhängig davon, welche der unzähligen, anlässlich des Jahreswechsels zu erwartenden Prognosen zutreffend sein werden und welche nicht, sind Anleger gut beraten, einige wichtige Grundregeln zu beachten. Der Österreichische Verband Financial Planners hat fünf wichtige Neujahrsvorsätze zusammengefasst, die Konsumenten dabei unterstützen sollen, ihr Geld sicher durch die kommenden zwölf Monate zu manövrieren.

Vorsatz 1: Nur kalkulierbare Risiken eingehen

Österreichische Privatanleger gelten ob ihrer oftmals sehr ausgeprägten Sicherheits- und Liquiditätsbedürfnisse als besonders risikoavers. Nun, da die anhaltende Niedrigzinsphase schon seit Jahren jegliche risikolose Kapitalvermehrung unmöglich macht und auch Immobilien in den Augen vieler Anleger kein Allheilmittel mehr sind, entwickeln sogar die sonst so zurückhaltenden heimischen Privatinvestoren vermehrt Risikoappetit. Otto Lucius, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners, steht dieser Entwicklung grundsätzlich positiv gegenüber, warnt jedoch auch davor, das Pendel zu stark in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen zu lassen. „Wer seine finanziellen Lebensziele erreichen möchte, muss heute zwangsläufig etwas Risiko in Kauf nehmen. Dieses muss jedoch gut kalkuliert sein“, hält der Experte fest und rät vor der eigentlichen Investitionsentscheidung zu einer eingehenden Prüfung der finanziellen Ist-Situation und einer professionellen Risiko-Chancen-Analyse. „Darüber hinaus ist auch eine Streuung über unterschiedliche Anlageklassen, Investment-Regionen und -Branchen unerlässlich“, so Lucius.

Vorsatz 2: Langfristig planen, aber flexibel bleiben

Politische und ökonomische Unsicherheitsfaktoren, allen voran der im Frühjahr anstehende Brexit, aber auch die Tatsache, dass die Jahresprognosen der internationalen Finanzexperten keinen gemeinsamen Nenner zu finden scheinen, lassen darauf schließen, dass den Märkten mit 2019 ein volatiles Jahr bevorsteht. Um den zu erwartenden Schwankungen ein „Schnippchen“ schlagen zu können, ist es im kommenden Jahr besonders wichtig, Investitionsentscheidungen mit einem langfristigen Horizont zu planen. Hierbei gilt es jedoch zu bedenken, dass langfristige Investitionen nur dann sinnvoll sind, wenn Anleger gleichzeitig eine realistisch kalkulierte und kurzfristig verfügbare Liquiditätsreserve bereithalten. Von Direktiven à la „drei Netto-Monatsgehälter sind als Liquiditätsreserve ausreichend“ hält Lucius wenig: „Eine Liquiditätsreserve ist etwas höchst Individuelles und nicht zuletzt vom jeweiligen Lebensstandard und der familiären Situation abhängig.“ Langfristanleger, die ihre Reserve zu knapp kalkulieren oder gänzlich auf selbige verzichten, gehen jedenfalls ein finanzielles Risiko ein, da Vermögen im Rahmen einer langfristigen Planung oftmals auch langfristig gebunden wird, oder ein Aus- beziehungsweise Umstieg mit hohen Kosten verbunden ist.

Vorsatz 3: Den Lebensabend im Auge behalten

 

In den meisten Umfragen zum Thema Geld betonen die Konsumenten vor allem ein finanzielles Lebensziel, nämlich jenes, im Alter keine allzu großen Abstriche machen zu müssen. Seinen Lebensstandard auch in der Pension beibehalten zu können, ist jedoch alles andere als leicht. Um im Alter monatlich 1.000 Euro zusätzlich zur staatlichen Pension zur Verfügung zu haben, gilt es zuvor ein Vermögen von rund einer halben Million Euro aufzubauen. „Auch wenn es sich dabei um eine grobe Faustregel handelt, sollte die Höhe dieses Betrags jungen Menschen ein Anreiz sein, besser früher als später für den Lebensabend vorzusorgen. Menschen ab 50 hingegen sollten überlegen, das Risiko für einen entsprechenden Teil ihres Vermögens eher zurückzufahren“, rät der Vorstand des Österreichischen Verbandes Financial Planners.

Vorsatz 4: Den Hausverstand nicht gänzlich ausblenden

Zugegeben, Anlageentscheidungen sind keine Bauchentscheidungen. „Doch auch wer Investments ausschließlich auf Basis von Zahlen und Daten auswählt und sein Bauchgefühl komplett ausblendet, läuft Gefahr finanziellen Schiffbruch zu erleiden“, schildert Otto Lucius und warnt: „Angebote sollten unbedingt vorab auf ihre Plausibilität überprüft werden. Manche Renditen sind beispielsweise einfach zu gut um wahr zu sein.“ Aber auch wenn die Angaben seriös und die angebotenen Produkte grundsätzlich tauglich sind, bedeutet dies nicht automatisch grünes Licht. Auch die persönlichen Lebensumstände sind im Zuge jeder Investitionsentscheidung eingehend zu bedenken. „Ein pragmatisierter höherer Beamter 'verträgt' im Regelfall beispielsweise eine höhere Aktienquote, als ein Selbständiger, der ja mit seiner Firma ohnehin bereits einem gewissen unternehmerischen Risiko ausgesetzt ist“, so der Finanzexperte.

Vorsatz 5: Kompetent investieren und in Kompetenz investieren

Finanzbildung ist der beste Konsumentenschutz, davon ist der Österreichische Verband Financial Planners überzeugt. Sich selbst einen gewissen Grundstock an Finanzwissen und Veranlagungskompetenz anzueignen, kann dabei helfen, unangenehmen Überraschungen in Geld-Fragen aus dem Weg zu gehen. „Je komplexer sich persönliche Vermögensfragen darstellen, desto wichtiger ist es jedoch auch, in kompetente Beratung zu investieren und auf einen Experten zu vertrauen“, so der Vorstand des Verbandes. Die Auswahl des Beraters sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Neben Fachwissen, Objektivität und Integrität sind es dabei Zusatzausbildungen und Zertifizierungen – wie etwa jene zum Certified Financial Planner, kurz CFP – die einen kompetenten Berater auszeichnen, dem Konsumenten ihr Vertrauen schenken können.